-Die Gewalt im allgemeinen-

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/Gewalt-passt-zur-Schweiz/story/25353556

Auch Georg Sorel zählte die Gewalt zu den elementaren Lebenstatsachen. Darüber hinaus war sie ihn aber auch ein Zeichen geistiger Gesundheit eines Sozialverbandes, weshalb er die bürgerliche Moral mit ihrer Friedenserziehung und der Verteufelung von Gewalt ablehnte. Er forderte dagegen, dass man die Gewalt, wenn sie schon die Gesellschaft ganz und gar durchtränke, nutzen und für sie fruchtbar machen müsse, was er vor allem am Beispiel des (proletarischen) Generalstreiks demonstrierte, denn da es das Ziel der (bürgerlichen) Macht sei," die Organisation einer bestimmten sozialen Ordnung aufzurichten, in der eine Minderheit regiert", müsse "die Gewalt auf die Zerstörung eben dieser Ordnung hinwirken". Gegen Gewalt hilft eben, gemäss dem Satz von Cicero: "Was könnte denn gegen Gewalt ohne Gewalt getan werden?", manchmal nur Gegengewalt.

Dies gilt für den privaten wie für den öffentlichen Bereich, in dem die Gewalt sogar institutionalisiert und als strukturelle Gewalt auftreten kann: als Mangel an Gerechtigkeit, als fehlende Chancengleichheit, als Güterverteilung, als Massenarbeitslosigkeit und andere soziale Schieflagen. Solche Zustände werden nämlich selbst als Gewalt erfahren, so dass die eigene als blosse Gegengewalt gerechtfertigt zu sein scheint, wobei sie sich aber nicht unmittelbar gegen die Urheber der als gewalttätig empfundenen Zustände richten muss, sie kann Sündenböcke finden, die sich dann gewöhnlich als die Schwächeren herausstellen. Wieweit dabei einige aber nur ihr privates "Süppchen" kochen und politisch und moralisch Verantwortliche versagen, das gehört in ein anders Kapitel.

Die realistische Chance liegt darin, die zunehmende Gewalt in der Gesellschaft eben durch entsprechende gesellschaftliche Massnahmen in der Erziehung und Sozialisation einzudämmen, so bleibt doch die Aufgabe, sie aus Interesse an einem möglichst reibungslosen Zusammenleben der Menschen wenigstens zu minimieren. Doch wie schwierig auch nur dieses Programm durchzuführen ist, zeigt sich daran, dass selbst dort, wo man es am wenigsten vermuten würde, Gewaltpotenzial verborgen liegt.

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