Multikulturelle Gesellschaft – Utopie oder eine aktuelle Herausforderung?

Das Wort Multikulturelle Gesellschaft, manchmal etwas abschätzig auch als Multikulti bezeichnet kommt in vielen politischen und gesellschaftlichen Diskussionen immer wieder mal vor. Vor allem im Zusammenhang mit der Zuwanderung wird oftmals der Link zur Multikulturellen Gesellschaft hergestellt.
Um es vorwegzunehmen möchte ich mal die Definition (ex Wikipedia) dazu geben:

Der Begriff bezeichnet eine Vision einer Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Sprachen, Religionen und Ethnien friedlich zusammenleben. Menschen verschiedener Kulturen können verschiedene Traditionen, Lebensstile und/oder Vorstellungen von Werten und Ethik haben.
Ziel des Multikulturalismus ist die multikulturelle Gesellschaft, in der es keinen staatlichen oder auch nichtstaatlichen Anreiz oder „Druck“ zur Assimilation geben soll. Die ethnischen und kulturellen Gruppen sollen hingegen einzeln existieren. Dabei beruht dieses Modell auf der Annahme, dass die (Angehörigen der) jeweiligen Ethnien sich gegenseitig Verständnis, Respekt, Toleranz entgegenbringen und einander als gleichberechtigt ansehen können.

Schon der zweite Teil der Definition birgt einiges an Brisanz und Anlass zu hitzigen Debatten.

Viele Prominente Politiker glauben nicht an die Multikulturelle Gesellschaft. So etwa hat Angela Merkel 2004 erklärt, dass die multikulturelle Gesellschaft gescheitert sein. Alt-Bundeskanzler Schmidt bezeichnete sie als Illusion von Intellektuellen.

Ist die multikulturelle Gesellschaft tatsächlich eine Utopie? Oder leben wir nicht bereits in einer Form von multikultureller Gesellschaft? Gerade in der Schweiz, wo Minderheiten akzeptiert werden (sollten) scheint mir diese Gesellschaftsform gar nicht so utopisch zu wirken. Brisant in der Definition ist der Passus der heisst "…keinen staatlichen Druck zur Assimilation". Gerade in der Thematik Zuwanderung wird immer die Assimilation gefordert.
Aus meiner Sicht sollte dies etwas relativiert werden. Assimilation soll bedeuten, dass man die Gesetze achtet, dass man die anderen achtet und gleichberechtigt behandelt. Assimilation bedeutet aber nicht, dass man alle seine Wurzeln verneinen und sich der Mehrheit gänzlich anpassen soll. Damit schaffen wir eine langweilige Gesellschaft von gleichartigen.
Wollen wir zulassen, dass andere Ethnien ihre Kultur und Tradition ungehindert leben dürfen, solange der Respekt gegenüber den anderen gewährleistet wird? Ich denke Ja!
Es geht ja nicht nur um Menschen anderer Religionen oder Kulturen, nein, wenn man den Begriff etwas weiter fasst, gilt das auch für anders denkende oder anders lebende Menschen. Ich denke da z.B. an Homosexuelle. Die werden bei uns auch akzeptiert und eine gegenseitige Toleranz ist meist vorhanden.
Die Multikulturelle Gesellschaft ist eine grosse Herausforderung an unsere zukünftigen Generationen. Völkerwanderungen lassen sich nicht stoppen, andere Ethnien werden sich bei uns niederlassen. Andere Denkweisen werde bei uns Einzug nehmen - denken Sie dabei an die verschiedenen Jugendbewegungen. Ihre Kultur ist eine Bereicherung für uns. Wir können davon lernen, mal eine andere Sicht anzunehmen. Vielleicht werden wir durch Toleranz auch erkennen, dass es diese Unterschiede braucht, dass sie unser Leben bereichern und dass wir damit vielleicht auch eine friedlichere Welt schaffen

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