Laut einem Bericht des TagesAnzeigers will die SVP das Krankenversicherungs-Obligatorium aufheben. Das Vorbild dafür? Die USA. Schauen wir die Zahlen an.

Zitat von Wikipedia:

The U.S. Census Bureau reported that 49.9 million residents, 16.3% of the population, were uninsured in 2010 (up from 49.0 million residents, 16.1% of the population, in 2009).[1][2] According to the World Health Organization (WHO), the United States spent more on health care per capita ($7,146), and more on health care as percentage of its GDP (15.2%), than any other nation in 2008.[3] The United States had the fourth highest level of government health care spending per capita ($3,426), behind three countries with higher levels of GDP per capita: Monaco, Luxembourg, and Norway.[3] A 2001 study in five states found that medical debt contributed to 46.2% of all personal bankruptcies and in 2007, 62.1% of filers for bankruptcies claimed high medical expenses.[4] Since then, health costs and the numbers of uninsured and underinsured have increased.[5]

Die Aufhebung des Obligatoriums für Krankenversicherung hat einige Auswirkungen, die offensichtlich nicht in Betracht gezogen wurden:

Wer nicht versichert ist und in ein Spital eingewiesen werden muss, wird trotzdem behandelt; die Kosten eines Bankrotts auf Grund fehlender Versicherung trägt der Staat, und damit letztlich der Steuerzahler. Die Folgen:

  • Grosser bürokratischer Aufwand für Spitäler die Kosten zurück erstattet zu kriegen -> höhere Kosten der Behandlung
  • Steigerung der Anzahl Privatinsolvenzen bei fehlender Versicherung -> Grosse administrative Kosten für den Staat, höhere Steuern zum Ausgleich, Existenzen die vernichtet werden.

Die SVP fordert laut Bericht folgendes:

Der SVP schwebt eine Art – möglicherweise steuerbegünstigtes – Vorsorgesparen für Krankheitskosten vor. «Jene, die sich keiner Grundversicherung anschliessen, könnten angehalten werden, Reserven für medizinische Belange bereitzustellen.»

Das System der obligatorischen Krankenversicherung ist ein soziales; viele Leute bezahlen wenig, wenige profitieren viel. Als Beispiel könnten Sie sich überlegen was es kostet, im Krankenhaus für eine Woche im künstlichen Koma zu liegen. Bei pro Tag ungefähr CHF1500 kommt dabei eine ~CHF10'000 Rechnung raus, ohne die Behandlung der zugrunde liegenden Krankheit. Die soziale Einrichtung 'obligatorische Krankenkasse' verteilt diese hohen Kosten auf eine grosse Menge Leute, von denen nur sehr wenige diese Art der Behandlung brauchen. Die Begründung: Könnte jedem passieren.
Wenn Sie jetzt verlangen, dass jeder selbst entscheidet ob er sich versichern lassen will hat das eine interessante Auswirkung. Reiche können sich die Krankenkasse sparen weil sie genügend Geld auf der hohen Kante haben. Arme können sich diese 'Reserven' nicht anlegen (Wie soll denn eine Familie mit 2 Kindern und CHF50'000 im Jahr Reserven anlegen?).
Daraus ergibt sich eine simple Wahrheit: Die Aufhebung des Krankenkassen-Obligatoriums macht die soziale Einrichtung Krankenkasse für Reiche überflüssig, und durch die kleinere Anzahl Teilnehmer steigen die Kosten für Arme.

Abschliessend kann man wohl sagen, dass die Forderung Sinn macht - wenn Sie noch mehr Reichtum von unten nach oben verteilen wollen.

Zahlen:

p.s.: Die steigenden Krankheitskosten in der Schweiz sind ein Problem, das steht ausser Frage. Die Reichen aus der Verantwortung zu nehmen wäre ein Fehler.

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