Der Kanton Zürich redet von Begabtenförderung, tut aber nichts. Integrative Förderung dient in der Praxis nur den Schwächsten.

Auf der Homepage der Stadt Zürich gibt es etliche Informationen zur Begabungs und Begabtenförderung. Leider sind das nur fromme Wünsche, die zumindest bei uns in Winterthur praktisch gar nicht umgesetzt werden. Beim LISSA-Preis konnten Schulen im Kanton Zürich selten mal zweitklassige Preise erwerben, während der Kanton Luzern auffallend oft vertreten ist.

Das Volksschulgesetz würde spezielle staatliche Begabtenschulen erlauben, leider ist die vom Staat nicht unterstützte private Talenta weit und breit die einzige. Es gibt sowohl nach oben, wie auch nach unten Grenzen, wo eine Integration in die Regelklassen nicht mehr sinnvoll ist. Diese Grenzen wurden im Kanton Zürich noch nicht sinnvoll festgelehgt, stattdessen herrscht scheinbar die Doktrin der Integration um jeden Preis.

Theoretisch wäre das sogar möglich, wenn die Schulen entsprechend eingerichtet und das Lehrepersonal entsprechend ausgebildet wäre. Doch das ist in der Praxis nicht der Fall. Es herrschen Spardruck und Lehrermangel.

Jeder Lehrer sollte nicht nur im Umgang mit leistungsschwachen Kindern besonders geschult werden, sondern auch im Umgang mit Hochbegabung. Das ist leider bei weitem nicht der Fall. Die Förderung konzentriert sich noch immer auf die Lernschwachen. Das zieht das Niveau der ganzen Klasse nach unten und führt letztlich dazu, dass sich begabte Schüler langweilen und dadurch selbst miserable Leistungen erbringen. Nicht selten gehören begabte Schüler durch dieses falsche System zu den schlechtesten ihrer Klasse. Tatsächlich unternommen wird nichts, wenn ein Kind sich langweilt. Erst wenn ein Kind den Unterricht stört, werden Massnahmen eingeleitet. Doch gerade unterforderte begabte Kinder sind oft nicht störend, sondern ruhig und passiv, sie haben aufgegeben, schon mit acht Jahren innerlich gekündigt. Das darf nicht sein, das zerstört ein grosses Potential.

Die Integrative Förderung (IF) sollte in der Theorie auch den Begabten und Hochbegabten zugute kommen, in der Praxis aber haben die IF-Lehrer keine entsprechende Ausbildung und schon gar keine Zeit, denn sie sind mit den schwachen Schülern derart ausgelastet, dass nichts übrig bleibt. Die faule Ausrede, die einem da gern vorgesetzt wird ist, dass der Klassenlehrer mehr Zeit für die anderen Schüler habe, wenn der IF-Lehrer sich voll um die lernbehinderten kümmere. Das ist Unsinn. Wenn es darauf hinaus läuft, dass Lernbehinderte ihren eigenen Lehrer und ihr eigenes Programm bekommen, dann wäre es für alle Seiten besser, diese gleich in separaten Sonderschulen zu unterrichten.

Trauriges Fazit ist, unsere Schulen sind auf die schwächsten, lernbehinderten Kinder ausgerichtet. Begabte Kinder, ja sogar der Durchschnitt leidet darunter, indem da zuwenig Ressourcen übrig bleiben.

Es braucht dringend ein Umdenken: Begabung ist ein Geschenk, auch für die Gesellschaft, und muss gefördert werden, nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Schule. Integration darf nicht zum Dogma werden, sondern muss mit Separation im Gleichgewicht stehen. Es geht nicht darum, alle Kinder über den gleichen Kamm zu scheren, sondern darum, jedem einzelnen Kind die seinen persönlichen Fähigkeiten und Zuneigungen entsprechende optimale Unterstützung zu bieten.

Jedes Kind hat das Recht auf individuelle Förderung, sei es nun besonders schwach, im Durchschnitt oder besonders begabt. Weder darf die Integration und Förderung der Schwächsten auf Kosten der Begabten erfolgen, noch umgekehrt. Dafür aber braucht es ein Umdenken und vor allem muss man aufhören, bei der Bildung zu sparen.

Gute Bildung kostet Geld, aber dieses Geld ist gut investiert!

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