Die 2. Gotthardröhre - Eine Lösung drängt sich auf

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

In der letzten Arena wurde auf Grund des neusten Felssturzes endlich wieder einmal das Thema "2. Gotthardröhre" angesprochen. Die Nord-Süd-Achse besteht aus mehreren Strecken, die wohl wichtigste ist die Gotthardstrecke (Tunnel und Schiene) und in naher Zukunft wohl auch die NEAT. Wir sprechen hier also nicht von einem alleinigen Problem "Kapazität Schiene vs. Strasse" sondern, in Anbetracht der anstehenden Totalsanierung des Strassentunnels auch vom Problem: "Wie weiter?" Währenddem Milliarden in die NEAT und in die Schiene allgemein bereits (quer)subventioniert wird, auch zu Lasten des Strassenverkehrs, wird für letzteren aber deutlich weniger investiert. Oder anders gesagt: Bei einem Konstendeckungsgrad von 117% fehlt dem Strassenverkehr trotzdem Geld, da dieses für den ÖV zweckentfremdet wird.

Die Diskussion über die 2. Gotthardröhre ist eigentlich nicht interessant, weil die Verbindungen auf Schiene und Strasse nun für ein paar Tage gestört werden - die Diskussion ist interessant und notwendig, weil wir nun auch in der Strassenverkehrspolitik vor wichtigen Entscheidungen stehen. Währenddem man die Bahn immer weiter ausbaut, wird im Ausbau des Strassenverkehrs zwar nicht geschlafen, aber getrödelt.

Das Argument der Linken, ein Ausbau des Strassennetzes führe zu mehr Verkehr, ist so schlicht und einfach falsch. Wir haben so viel Verkehr wie wir haben und dieser braucht halt nun einmal seinen Platz. Oder sind die Staus in den letzten Jahren zurückgegangen, nur weil man mancherorts den Ausbau der Strassen konstant verweigert hat? Nein, ganz im Gegenteil: Es fahren immer wie mehr Leute Auto und die Staustunden werden von Jahr zu Jahr grösser.

Wir brauchen also dringend eine Kapazitätserweiterung auch auf der Strasse. Nicht nur die wirtschaftlichen Ausfälle durch Staus sind immens, sondern auch die Nerven der Menschen werden strapaziert, die Sicherheit ist ebenfalls ein Thema und auch aus ökologischer Sicht sind Staus absolut kein Gewinn in der Endbilanz.

Wir brauchen also eine Kapazitätserweiterung auf diversen Strecken, so auch am Gotthard.

Ein Teil dieser Kapazitätserweiterung wird durch die, bald fertig gestellte NEAT, übernommen werden können. Da aber die Anschlüsse im Mittelland, sowie in Deutschland und Italien fehlen wird die NEAT, zumindest zu Beginn, nicht annähernd voll ausgelastet sein. Das Ziel der Verlagerungspolitik (die Anzahl Durchfahrten von Lastwagen auf jährlich 650'000 Stück zu begrenzen) schlägt bisher komplett fehl - Der Wert stagniert seit ein paar Jahren bei rund 1.2 Millionen Fahrten jährlich. Auch die Inbetriebnahme der NEAT, selbst bei voller Auslastung, wird nicht dazu führen, dass wir diesen Wert erreichen, wenn wir die Verkehrszunahme im Personenverkehr und den Lastwagenverkehr auf der Strasse, sowie die Zunahme des Personenverkehrs und des Güterverkehrs auf der Schiene miteinbeziehen - für Huckepack-Fahrten der Lastwagen bleibt hier leider nicht mehr viel Platz.

Sinnvollerweise müssten wir also auch die Strasse ausbauen, konkret: Wir müssten eigentlich die Kapazität der Strasse auf der Gotthard-Strecke erweitern. Mit anderen Worten: Eigentlich bräuchten wir eine 2. Gotthardröhre, letztendlich dann 2 Röhren mit 2 offenen (!!!) Spuren.

Wir haben aber ein Problem: Die vom Volk angenommene Alpeninitiative legt gesetzlich fest, dass die Kapazität der Gotthard-Strassenabschnitte nicht erhöht werden darf. Die Regierung darf und kann also gar nicht die Kapazität erhöhen.

Kluge Köpfe unter den Befürwortern des 2. Strassentunnels haben nun einen scheinbar guten Ausweg gefunden: Wir bauen trotzdem einen 2. Tunnel (über das wurde ja nicht abgestimmt und kein Gesetz verbietet den Bau eines 2. Tunnels) und nach der Fertigstellung sind dann halt einfach beide Röhren nur einspurig befahrbar - die Kapazität würde so nicht erhöht werden und zudem würde man die Gefahr des Gegenverkehrs aus dem Weg räumen und somit auch die hoch gehaltene Sicherheit fördern. Zudem hätte man von nun an immer eine Ausweichmöglichkeit, falls in einem Tunnel trotzdem etwas passiert - man könnte sämtlichen Verkehr dann einfach über den anderen Tunnel leiten und kurzzeitig zum alten System mit 1 Röhre zurückkehren.

Ich persönlich finde diese Lösung heuchlerisch, da muss ich den Linken recht geben. Es kann doch nicht unser Ernst sein, dass wenn wir tatsächlich einen 2. Tunnel bauen, diesen dann nicht auch voll auslasten - denn wie bereits gesagt: Eine Kapazitätserhöhung hat die Strecke bitter nötig. Zudem muss in den nächsten paar Jahren ebenfalls die Totalsanierung des Strassentunnels in Angriff nehmen - die Bauzeit für eine 2. Röhre beträgt in etwa 7 Jahre, dies wäre verkraftbar, die Totalsanierung des jetzigen Tunnels (Zeitdauer: 3 Jahre) könnte so ohne Probleme quasi ohne Veränderungen mit dem heutigen System, aber der neuen Röhre, überbrückt werden.

Konkrete Lösungen

Die Totalsanierung rückt also näher und wir brauchen ein Konzept, welches den Verkehr des Strassentunnels aufnehmen kann. Die bisher eher zu favorisierende Option der Verlagerung auf die Schiene und auf andere Pässe und Tunnels erachte ich als sehr wackelig und dürfte wohl mit grossen Investitionen ohne Nachhaltigkeit und mit grossen Problemen verbunden sein. Ich bin also klar für einen 2. Strassentunnel - und zwar mit 2 offenen Fahrspuren. In diesem Fall würde ein Volkswille also umgestossen werden, daher mein Vorschlag: 3 Möglichkeiten dem Volk vorlegen:

  • Möglichkeit 1: Der Verkehr wird durch Verlagerung auf die Schiene und Umleitung des Verkehrs auf anderen Strecken bewältigt.
  • Möglichkeit 2: Wir bauen einen 2. Tunnel, jedoch sind beide Tunnels nur einspurig befahrbar. Der neue Strassentunnel übernimmt während den 3 Jahren Totalsanierung die Funktion des alten Tunnels.
  • Möglichkeit 3: Wir bauen einen 2. Tunnel, beide Tunnels sind zweispurig befahrbar, der erste Tunnel übernimmt während den 3 Jahren Totalsanierung die Funktion des alten Tunnels.

Eigentlich bräuchte es nur für die 3. Möglichkeit eine Abstimmung - doch leider würde sich, falls Option 2 favorisiert werden würde, nach einigen Jahren trotzdem wieder Lösung 3 aufdrängen - es wäre schlicht und einfach unlogisch, die vorhandene Kapazität nicht zu nutzen. Und damit man nur ein paar Jahre später dann nicht wieder über das selbe Thema abstimmen müsste, respektive nicht ein Tunnel gebaut wird, welcher dann nicht voll ausgelastet wird, sollte man diese Frage bereits im Voraus klären.

Dies wäre meiner Meinung nach die transparenteste und ehrlichste Möglichkeit, welche die Politik heute hat. Wie üblich: Die Mehrheit entscheidet und dies gilt es dann zu akzeptieren, das Thema ist vom Tisch und sämtliche Betroffene haben endlich Planungssicherheit und könnten konkrete Konzepte erarbeiten, egal wie die Abstimmung ausgeht.

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