Der Begriff "scheinheilig" wird gerade neu definiert

Eigentlich ist es traurig und nervend zugleich: Da gaukeln einem linksgrüne Kreise seit nunmehr über einem Jahr den "grünen, wirtschaftlichen" Atomausstieg vor, wenn diese Kreise dann aber (endlich, nach de fakto einem Jahr) von ihrer Traumwelt wieder auf den Planeten "Erde" zurückkehren sieht die Geschichte plötzlich ganz anders aus:

Stromerhöhungen von bis zu 75%, 8 Gaskombikraftwerke, Quersubventionen, monströse Anstrengungen, und so weiter - Weder von Wirtschaftlichkeit, noch von Umweltschutz ist auch nur annähernd die Rede.

Das Problem ist nicht neu und wir sind auch nicht die einzigen - unsere Nachbaren im Norden stecken im haargenau selben Schlammassel:

Diese Fakten, und es sind Fakten daran gibt es mittlerweile nichts mehr zu rütteln, sind ja die eine Seite der Geschichte. FDP und SVP haben diese Situation bereits vor dem Atomausstiegsentscheid des Parlaments im letzten Jahr erkannt und in Weiser Voraussicht (ohne Erfolg) auf die Bremse gedrückt. Wir unterlagen in einem demokratischen Entscheid, dies gilt es zu akzeptieren.

Die andere Seite der Geschichte ist jedoch eine andere: Besonders Grüne Kreise, welche ansonsten so stark für die Umwelt einstehen werden nun neuerdings beste Freunde von Gaskraftwerken und Kohlekraftwerken - zumindest in Deutschland. Das ist nicht nur scheinheilig, sondern das Volk wird schlicht und einfach belogen. Man propagiert grüne Energien und pflanzt den Bürgern letztendlich CO2-Schleudern mit Milliardensubventionen vor die Haustür.

Bei uns in der Schweiz signalisierten die Grünen bereits Widerstand, für sie kämen Gaskraftwerke nicht in Frage (AKWs aber auch nicht - tja, dann leben wir von nun an wohl wieder in Höhlen oder wie stellt ihr euch das vor ?!) - SVP, BDP und FDP vertreten auch eine eher ablehnende Haltung. Was die SP von Gaskombikraftwerken hält weiss ich nicht - was aber sicher ist, ist die Unterstützung der CVP unter der Führung von Energieministerin Leuthard. Auch die GLP hat bereits durch ihren Präsidenten Martin Bäumle verlauten lassen, dass zwar nicht heute "aber in 2 Jahrzehnten, wenn es um die Abschaltung der AKWs gehe" auf Gaskombikraftwerke zurückgegriffen werden müsse.

Eine solche Haltung ist scheinheilig - dem Volk hatte man vor den Wahlen noch etwas ganz anderes erzählt.

Durch den letztjährigen Übereifer befinden wir uns nun in der dummen Situation, dass wir beschlossenermassen aus der Atomenergie aussteigen wollen (was sagt eigentlich das Volk dazu ?) und nun - oh welch ein Wunder - erkannt haben, dass es ohne Dreckschleudern nicht geht.

Wie weiter? Wir stecken in einer verdammt dummen Situation, denn durch Meinungsänderungen (oft auch Kompromisse genannt) verbrennt man sich hier leicht die Finger. Grüne (oder Grünliberale), welche für Gaskombikraftwerke einstehen - das ist weder für die Energiepolitik der Schweiz, noch für ihre Wählerprozente gut. Ich denke deshalb nicht, dass das Parlament hier bald eine Lösung findet, welche jedoch so schnell wie möglich auf den Tisch gebracht werden müsste, denn die Uhr tickt.

Wir haben die abstruse Situation, dass eine deutliche Mehrheit des Parlaments für den Atomausstieg und gleichzeitig wohl aber auch gegen neue Gaskombikraftwerke ist - eine Patt-Situation. Und wie gesagt: Die Uhr tickt...

Mit jedem Jahr laufen unsere AKWs weiter... Und weiter... Unter weiter... Unsere AKWs laufen nun schon fast seit 4 Jahrzehnten und die Traummenschen im Parlament werden wohl dafür sorgen, dass sie ruhig noch weitere 2, 3 Jahrzehnte weiterlaufen.

Verantwortungsvolle Energiepolitik mit der nötigen Weitsicht in Angriff nehmen? Nö...

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