Vereinbarkeit von Liberalisierung und Mitarbeiterschutz

Sie ken­nen die Si­tua­tion: Alle Zuta­ten für den Sonn­tags­schmaus sind ge­kauft. Während dem Ko­chen fällt Ihnen auf, dass Sie eine wich­tige Zutat beim Ein­kauf ver­ges­sen haben – die Nach­ba­rin kann Ihnen lei­der nicht wei­ter­hel­fen. Sie möchten also un­be­dingt diese Zutat noch kau­fen ge­hen. Sei es nun am Sonn­tag oder am Don­ners­tag um 20.00 Uhr. Ich für mei­nen Teil wäre be­reit, zu die­sen Zei­ten/­Ta­gen einen Mehrpreis für ein Produkt zu be­zah­len – das müsste ich an der Tank­stelle schliess­lich auch.

Die Li­be­ra­li­sie­rung der Ladenöffnungszeiten trifft den Zeit­geist. Zwar wage ich die Be­haup­tung, dass die „normalen“ Ladenöffnungszeiten bis 19.00 Uhr aus­rei­chend sind und jede Be­rufs­gat­tung zum Ein­kauf kommt. Trotz­dem – sollte es sich für den Un­ter­neh­mer loh­nen, sehe ich kei­nen Grund, wes­halb ein Verkaufsgeschäft (nicht nur Tank­stel­len) zur Un­zeit nicht geöffnet haben darf.

Sorgen mache ich mir eher um die Mit­ar­bei­ter, wel­che vor Ausbeutung und Zwängerei zu schützen sind. Dem könnte man mit einem ge­setz­lich ge­re­gel­ten Überzeitzuschlag ent­ge­gen­kom­men. Mein Vor­schlag sieht wie folgt aus (von der Idee her, die Zah­len sind natürlich nicht repräsentativ):

  • Vo​llständige Liberalisierung sämtlicher Einkaufsangebote (nicht nur Tankstellen)
  • Sortiment: Zuschlag von 10% unter der Woche ab 19.30 Uhr sowie Samstags ab 17.00 Uhr
  • Sortiment: Zuschlag von 15% am Sonntag

    • Mitar​beiter: 75% Überzeitzuschlag unter der Woche ab 19.30 Uhr sowie Samstags ab 17.00 Uhr
  • Mitarbeiter:​ 100% Überzeitzuschlag am Sonntag

Der Kunde, welcher zur Unzeit einkaufen geht, würde somit den Mehrverdienst der Mitarbeiter vollumfänglich nach dem Verursacherprinzip tragen. Die Preise zu normalen Zeiten wären davon nicht betroffen – im Gegensatz zum Modell Tankstelle. Jeder Unternehmer würde vor der Erweiterung der Öffnungszeiten eine Rentabilitätsrechnung​ machen. Die Rentabilität bedarf eines gewissen Verkaufsumsatzes, welches nur an guten Lagen generiert werden kann.

Es würden also nicht überall 24h-Läden aus dem Boden spriessen.

Eine „natürliche Selektion“ durch den Markt wäre der Fall.

Die gesetzlichen Überzeit- und Überstundenartikel müssten zu verbindlichem und definiertem (relative Zuschläge mit Zeitangaben) Recht umgestaltet werden. Dementsprechend ist der Überzeitzuschlag zur Unzeit zwingend und kann durch Vertrag nicht abgeändert werden. Man müsste sich überlegen, ob diese Regelung auf Stufe Gesamtarbeitsvertrag oder auf gesetzlicher, nationaler Ebene durchgesetzt werden sollte.

Ich bin der Ansicht, dass durch den Überzeitzuschlag nicht unbedingt diejenigen Mitarbeiter angesprochen werden, welche tagsüber im Laden arbeiten würden. Ich denke, dass die neu entstehenden Jobs vor allem für Studenten und junge Leute attraktiv sein würden

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