Schikanen über Schikanen...

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Unsere Strassenverkehrspolitik - Ein einziger Urwald voller Schikanen, so kommt es mir heute vor. Ich möchte Ihnen in diesem Beitrag zwei grundlegende Themen, welche sich auf die Verkehrssicherheit beziehen, etwas näher bringen:

Neulenker-WK

Als Randinfo: Ich persönlich habe bereits beide Kurse besucht.

Seit einigen Jahren, wenn ich mich recht erinnere seit 2006, müssen Neulenker 2 Wiederholungskurse absolvieren - und dies innerhalb der 3-Jahresfrist, in welcher sich Neulenker noch in einem "Provisorium" befinden. Die FDP schlug kürzlich vor, diese Kurse (auch besser bekannt als "WAB-Kurse") gänzlich abzuschaffen.

Was sollen wir davon halten?

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Kurse sicherlich keine Qual sind - innerhalb von 3 Jahren 2 Tage dafür zu Opfern ist nicht die Hölle. Problematisch sind jedoch andere Faktoren:

Im ersten Kurs wird zum Beispiel viel zu viel Theorie aus dem VKU (Verkehskundeunterricht) wiederholt - der Kurs wird unnötig in die Länge gezogen. Trotz dem horrenden Preis von 300-400 CHF pro Kurs, müssen sämtliche Teilnehmer mit dem eigenen Auto fahren und auch das Mittagessen selbst bezahlen. Weil über einen halben Tag lang stark beschleunigt, abgebremst, in die Kurve geschleudert, etc. wird, ist demnach auch die Abnutzung am Auto relativ gross, auch der Tank wird am Ende des Tages wohl einige Liter verloren haben. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt im ersten Kurs leider nicht überein.

Im zweiten Kurs hingegen wird mit einem Auto der Kursveranstalter (meistens Fahrzentren und Fahrschulen) gefahren. Die Kosten von wieder 300-400 CHF gehen hier deshalb in Ordnung. Aber auch der zweite Kurs zieht sich unnötig in die Länge - Erklärung folgt unten.

Was ist der Sinn dieser Kurse?

Der Grundgedanke besteht darin, im ersten Kurs den Neulenkern die Grenzen des Autos aufzuzeigen. Auf nasser (und glatter Fahrbahn) einmal mit 50 in die Kurve zu fahren, auf (simuliertem) Eis die Handbremse zu ziehen oder den Mindestabstand nicht einzuhalten - all dies erfährt man im ersten Kurs live im eigenen Auto. Dies sind wertvolle Erfahrungen, welche Leben retten können.

Im zweiten Kurs geht es dann eher um den Fahrstil und um die Ökologie. In 3er Gruppen fährt man im Prinzip den ganzen Tag durch die Gegend (Stadt, Land, Autobahn). Man wird dann von Kursteilnehmern und Fahrlehrer beurteilt (Fahrstil, Sicherheit, usw.). Weiter wird einem ein ökologischer Fahrstil (defensives Fahren, in hohen Gängen fahren) vermittelt. Auch dies ist sicherlich sinnvoll. Das Problem: Auch hier zieht sich der Kurs in die Länge, man fährt x mal die selbe Strecke ab.

Rein logistisch gesehen könnte man die beiden Kurse locker zusammenlegen oder zumindest verkürzen (halbtägige Kurse). Weiter sollten die Preise für die Kurse gesenkt werden. Doch auf die Infos und Erfahrungen aus den Kursen sollten wir nicht verzichten - denn wer kann schon einmal behaupten, wirklich am Limit mit dem eigenen Auto gefahren zu sein? Es ist notwendig, dass auch hier einmal die Grenzen gesucht und gefunden werden, ohne dass jemand gefährdet wird.

Die heutige Form der Kurse wird zwar (knapp) nicht als Schikane empfunden, doch bei den Kursteilnehmern sieht und spürt man die Lustlosigkeit, die Langeweile, welche mit Fortschreiten der Kurse spürbar wird. Die Politik sollte sich deshalb fragen, ob die Kurse zwar nicht gänzlich abgeschafft, aber wenigstens effizienter modifiziert werden sollten.

Radarschikane und Tempolimit auf der Autobahn

Ich fahre regelmässig Auto und bin auch regelmässig auf der Autobahn unterwegs. Sie womöglich auch - Wir Schweizer sind ein Volk von Autofahrern. Und somit kennen wir alle die lustigen grauen Kästli, welche manchmal ein bisschen besser, manchmal ein bisschen schlechter am Strassenrand versteckt sind.

Besonders auf der Autobahn sind Radarkontrollen an vielen Orten jedoch in Frage zu stellen: Der Sinn dahinter ist es die Leute dazu zu bewegen, die Geschwindkeitslimiten einzuhalten. Auf stark ausgelasteten Strecken mit vielen Einfahrten und Ausfahrten macht dies sicherlich Sinn - wer hier auch nur 20 km/h zu schnell fährt kann, wenn es dumm läuft, so einen Unfall verursachen.

Leider scheint dieser Grundgedanke aus den Köpfen der Regierung immer wie mehr zu verschwinden - Heute kann im Prinzip hinter jedem Busch eine Radaranlage lauern. Oftmals sind diese nicht nur getarnte Blitzer, sondern auch im gleichen Sinne getarnte Steuereintreiber - mit Sicherheitsförderung hat dies lange nichts mehr zu tun.

Kennen Sie diese Situation nicht auch: Die Autobahn vor Ihnen ist leer, auf 4 Kilometern Autobahn fahren eine Hand voll Wagen - eigentlich könnten Sie hier locker 140, 150 km/h fahren. Gefährden würden Sie so nun wirklich niemanden. Etwas überspitzt dargestellt müssen Sie aber nun Gesetzes wegen trotzdem mit 120 km/h über die Autobahn schleichen. Das nervt und ist unverhältnismässig.

Entscheidend ist nicht das Tempo an sich, sondern dass man dieses der Situation anpasst. Bei viel Verkehr den Mindestabstand einhalten, die Geschwindigkeit anzupassen, sich nicht durch Gegenstände im Auto ablenken zu lassen und natürlich keine Rauschmittel zu konsumieren - diese Massnahmen sind ebenso entscheidend, wenn nicht wichtiger, als stumpfsinnig eine bestimmte Geschwindigkeit zu fahren. Sie fahren ausserorts ja auch nicht überall 80, selbst wenn Sie dürften: Manchmal ist es 60 km/h und manchmal fassen Sie sich auch ein Herz und fahren 100.

Deshalb wäre es begrüssenswert auch auf der Autobahn die Geschwindigkeitsbestimmungen zu lockern. Ich fahre regelmässig die Strecke Biel-Bern und ab und an auch Biel-Solothurn: Auf diesen Strecken kann man (zumindest zu Beginn, von Biel aus) locker schneller als 120 km/h fahren, weil es einfach, sorry die Wortwahl, kein Schwein auf der Strasse hat. Jeder "normale" Fahrer fährt bereits heute mit Tempomat zwischen 125 und 130 km/h (Marge für Radar und Ungenauigkeit auf dem Tacho) und viele fahren auch auf der Autobahn schneller als das - wenn es angebracht ist.

Weshalb es dann also unter diesen Umständen noch fixe Radare an völlig unbedenklichen Orten gibt, welche stur ab 100 oder ab 120 km/h (+Marge natürlich) blitzen, ist völlig unverständlich. Endlich ist heute das Parlament nun eingeschwenkt und will solche Radaranlagen, welche absolut nichts mehr mit Sicherheit zu tun haben, verbieten. In Anbetracht der Umstände sollte man meiner Meinung nach aber noch weiter gehen und endlich auch die Tempolimiten diskutieren.

Eine Person welche mit 150 km/h über die Autobahn brettert kann in manchen Fällen ein Raser und Mörder sein, in anderen Fällen könnten es Sie und ich sein, welche mit gesundem Menschenverstand von Punkt A nach Punkt B gelangen wollen. Für den Einsatz Ihres Verstandes werden Sie, wenn es dumm läuft, gebüsst. Ist das sinnvoll? Wohl kaum.

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