Safety First Kultur

Zur allgemeinen Belustigung: Wenn Eltern gegen Bobby-Cars ins Feld ziehen

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Hyper-Sensible Watte-Gesellschaft

Mit dem ganzen Verbote- und Vorschriftenwahn fragt man sich doch wie man früher gelebt und vor allem überlebt hat. Alles ist schädlich für Mensch/Umwelt und muss entweder sofort verboten, reguliert oder massiv besteuert werden – aber nur für die Individualperson, versteht sich.

Wir haben für alles Regeln; es wird vorgeschrieben wie wir leben sollen, von A bis Z. Diese ganze ‘Safety-First Kultur’ ist dabei das grösste Übel. Unfälle darf es nicht mehr geben, es muss direkt ein Sündenbock her denn wir alle wollen mit dem Finger zeigen und lautstark nach Verbesserungen und Sicherheitsvorkehrungen verlangen. Dafür ist doch einen Fehler zu begehen die menschlichste Geste überhaupt – wir alle haben schon Fehler gemacht und werden weiterhin Fehler machen – aber mit mehr und mehr Verboten und Vorschriften werden Fehler ausgemerzt bis wir schliesslich zu verkümmert sind für uns selbst zu sorgen und eigenständig zu denken.

Früher konnte man ohne Probleme im Wald mit Gotchas spielen, ohne gleich einen polizeilichen Grosseinsatz auszulösen. Man konnte auch einen Fisch fangen ohne sich mit rechtlichen Schritte gegen einen auseinander setzen zu müssen. Heute hätte man alle Kinder am liebsten in den Wohnungen und Häusern eingesperrt und bestimmt nicht auf der Strasse, denn zum einen nervt der Kinderlärm und zum anderen will man die Blagen sowieso nicht sehen. Nicht zu vergessen, dass die Verletzungsgefahr einfach viel zu hoch ist – eines der Kinder könnte sich ja in den Dreck legen und mit einem aufgeschürften Knie nach Hause kommen. Ich würde ja meine Nachkommen ohnehin nur noch mit einem Integralhelm und in dicke Matten eingewickelt nach draussen lassen.

Aber wehe eines der Kinder leidet dann an Fettleibigkeit, dann wird wieder mit dem Finger gezeigt, dass man jedoch die Möglichkeiten immer weiter einschränkt ist dabei nicht so wichtig. Die Kinder sollten vieles, einfach nur nicht Kind sein – nach der Schule auf direktem Weg nach Hause, Hausaufgaben machen, zum Sport und anschliessend wiederum auf direktem Weg nach Hause, der Leistungsdruck verlangt dies. Wer das nicht tut fällt aus dem gesellschaftlichen Raster und wird verstossen, verspottet und als minderwertig angesehen. Wenn dann einer der dies während Jahren über sich ergehen lassen musste im Teenager-alter mal austickt und wild um sich schiesst wird die Schuld auf Videospiele, Hip-Hop bzw. Heavy Metal Musik oder ein zu lasches Waffengesetz geschoben, aber nie auf unsere kranke Gesellschaft – es wäre ja auch zu schwer einen Fehler einzugestehen, denn diese dürfen nicht vorkommen – wie alle müssen zu jeder Tages- und Nachtzeit perfekt sein.

Aber die ältere Generation wird davon nicht verschont; Biker braucht die Welt sowieso nicht also können wir ihnen den Raum in welchem sie sich mehrheitlich bewegen weg nehmen. Was vormals mit etwas Rücksicht möglich war ist nun ein Ding der Unmöglichkeit und die einzige Abhilfe würde nur eines schaffen, natürlich wie könnte es anders sein, ein Verbot!

Wo wir grad bei Wattegesellschaft sind, was hat es mit dieser Bakterienphobie auf sich? Pausenlos sind jetzt alle am Hände waschen bzw. reiben sich alkoholhaltige Lösungen in die Pfoten – wir haben ein Immunsystem! Aber das muss auch trainiert werden, denn ohne Training wird dieses anfällig auf so ziemlich alles. Wir machen es mit unserem Immunsystem etwa ähnlich wie mit unserer Armee, verkleinern und am liebsten noch entwaffnen – wenn dann mal ein Feind (sprich Virus) vor der Tür steht wird dann geflohen oder desertiert (man wird krank). Vielleicht ist aber auch dies ein natürlicher Ablauf um die Bevölkerungszahlen zu schrumpfen. Wir leben alle zu sauber so dass uns der nächste Virusbefall unter die Erde bringt.

Wo hin soll das noch führen?

Wo wir mit den Bikern das Kapitel ‘Hobbies’ schon mal offen haben, können wir aus dem vollen schöpfen. Alles was mit Motorsport zu tun hat ist des Teufels und deshalb gibt es das Rundstreckenrennen-Verbot. Es könnte ja jemand in seiner eigenen Kapazität zu Schaden kommen obwohl das Risiko bei solchen Unterfangen jedem Teilnehmer bekannt ist.

Die meisten populären Sportarten sollten ebenfalls einem Verbot zum Opfer fallen da das Risiko für Verletzungen zu gross ist – ob Fussball, Eishockey oder Rugby, alles muss schleunigst untersagt werden, auch unseren Krankenkassen-Prämien zu liebe.

Als Alternative hat man schliesslich noch Schach, obwohl das entfernt an Krieg erinnert und im Zuge eines Verbots für gewalttätige Spiele wohl auch keine Option mehr wäre. Bleibt ja noch Monopoly – Ach nein, das ist so ein verdorbenes Kapitalisten-Spiel und wird deshalb auf die schwarze Liste gesetzt.

Der Erwerb und Vertrieb von Alkohol und Energy-Drinks wird unter Strafe gestellt. Koffeinhaltige Getränke, sprich Softdrinks und Kaffee wird hoch besteuert da diese als ungesund gewertet werden.

Survival of the Unfittest

Die Pioniere von damals müssen im Grab rotieren, was früher aus Abenteuerlust und Drang unsere Spezies weiter zu bringen gemacht wurde ist heute ein Instrument zur Selbstinszenierung – da will man in einem Segelboot über den Pazifik aber kaum kommt ein stärkeres Lüftchen hängt man am Satelliten-Telefon und ruft die Küstenwache um Hilfe.

Jetzt wo der Sommer kommt erwarte ich vom Staat einen persönlichen Hygiene-Plan denn ich krieg es nicht mehr auf die Reihe mich nach meinem Ermessen zu waschen. Des weiteren muss unbedingt ein Verbot für Lichtesserei erlassen werden denn ich komm nicht selber drauf, dass richtige Nahrung überlebenswichtig ist – ein Ernährungsplan muss darauf folgen, das ist ja wohl klar denn wir sind auch unfähig zu entscheiden was gesund ist und was nicht. Ebenfalls müssen alle Bahnhöfe mit nicht lebenden Einfriedungen umzäunt werden weil ich nicht weiss, dass Fahrleitungen gefährlich sind. Am besten wäre der Staat würde auch das permanente tragen eines Helmes vorschreiben, man weiss schliesslich nie wann etwas passieren kann. Treppen sollten wegen Sturzgefahr verboten sein und die Höchstgeschwindigkeit für alle Fahrzeuge muss auf 7 km/h gesetzt werden.

So und nur so kann der Fortbestand unserer Spezies gewährleistet werden! Der Fakt, dass es uns schon über 100’000 Jahre gibt muss einzig und alleine auf Glück basieren… und an das Konzept ‘Glück’ muss zwingend geglaubt werden, nicht jedoch an ‘Pech’ – das darf es wie Unfälle nicht mehr geben.

Gefällt Ihnen diese schöne neue Welt auch? Geniessen Sie das, bevor auch Emotionen entweder verboten, reguliert oder besteuert werden!

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