Unternehmersteuerreform II wirklich unfair?

In einem Film gab es eine Szene, in der der Anwalt sagte: “Erklären Sie es mir, als ob ich ein 6-Jähriger wäre”. Das imponierte mir. Ärzte verstecken sich gerne hinter lateinischen Worten, Informatiker verwirren ihre Kunden mit Technikkauderwelsch und Buchhalter reden auch irgendwie schwer verständlich. Agio, Kapitaleinlageprinzip, Nominalwert - uhh, da könnte es einem schwindlig werden. Und jetzt haben wir diese Unternehmersteuerreform II mit den verschwundenen Milliarden. Hat man denen, die sowieso schon zu viel haben, noch mehr Geld gegeben?

Obwohl ich kein ausgebildeter Buchhalter bin, versuche ich die Unternehmersteuerreform II so einfach wie möglich zu erklären. Gerne darf man mich korrigieren und wer sich nachher noch etwas tiefer eingraben will, findet hier und hier weitere Informationen.

Stellen Sie sich vor, Sie verdienen pro Monat 6’000 Franken plus den 13. Monatslohn. Das sind 78’000 Franken im Jahr. Weil Sie zum 5-jährigen Jubiläum Ihrer Partnerin oder ihrem Partner tolle Ferien schenken wollen, überweisen Sie jeden Monat 500 Franken auf ein separates Konto.

Ende Jahr machen Sie ihre Steuerrechnung und erhalten für Ihre 78’000 Franken Einkommen in einer Zürcher Gemeinde eine Steuerrechnung von knapp 9’000 Franken. Sie waren clever und hatten dieses Geld jeden Monat schon dem Steueramt überwiesen, also liegen auf Ihrem Ferienkonto 6’060 Franken. Sie sparten 12x500 und erhalten von der Bank 60 Franken Zins. Freudig beziehen Sie nun am Bankschalter die 6’000 Franken (die Zinsen lassen Sie auf dem Konto). Die Bank gibt Ihnen aber nur 5’400 und meint, 600 Franken senden wir direkt an den Staat als Steuer.

Jetzt schlucken Sie wohl zweimal. Sie haben doch schon eine Einkommenssteuer bezahlt. Warum sollten Sie nochmals Steuern für dieses Geld bezahlen? Das ist doch Ihr Geld. Richtig und darum gab es die Unternehmersteuerreform II. Geriet zum Beispiel eine Firma in finanzielle Schwierigkeiten und schossen die Firmenbesitzer Geld in die Firma ein, damit sie überlebt, wurde dieses Geld steuerpflichtig. Obwohl das Geld schon einmal versteuert wurde, hielt der Staat erneut die Hand auf, wenn man später das Geld wieder zurück haben wollte. Dies war dem sogenannten Nominalprinzip geschuldet, welches in das Kapitaleinlageprinzip geändert wurde.

Aber die Einnahmeausfälle? Keine Frage, der Staat erhält weniger Geld und doch erhält er mehr Geld. Sie sind verwirrt? Muss nicht sein. Richtig ist, dass der Staat heute nicht mehr zweimal die Hand aufmachen kann und Geld doppelt besteuert. Gleichzeitig lockt diese Unternehmersteuerreform aber neue Firmen aus dem Ausland an, welche dann mehr Geld in der Schweiz versteuern. Für Aktienbesitzer ist es lukrativer in Firmen zu investieren und es wird eher Geld aus Firmen bezogen, welches an anderen Orten besser investiert wird. Im besten Fall schafft dies Arbeitsstellen und neue Gewinne, die zu mehr Steuereinnahmen führen.

Der Bund war auf weniger Geld vorbereitet und hat entsprechend sein Budget angepasst. Doch - oh Wunder - es lief besser, als er gedacht hat. Bei den Verrechnungssteuereinnahmen erhielt der Bund seit 2008 8 Milliarden Franken mehr, als er einplante. Glaubte der Bund noch, dass er im Jahr 2011 1.2 Milliarden weniger erhält, hatte er einen Überschuss von genau diesen 1.2 Milliarden. Eine gute Sache!

Sicher, die roten Politiker tun so, als ob wir über den Tisch gezogen wurden. Sie profitieren davon, dass es viele komplizierte Begriffe hat und womöglich haben die meisten Politiker selbst keine Ahnung, um was es bei der Unternehmersteuerreform II wirklich ging. Ich hoffe, ich konnte Ihnen etwas näher bringen, dass mit der Reform eine Ungerechtigkeit im Steuersystem beseitigt wurde.

Wer will, dass Firmen mehr Gewinnsteuern bezahlen, soll für Steuererhöhungen kämpfen. Aber er soll bitte anerkennen, dass mit der Unternehmersteuerreform II ein falsches System richtiggestellt wurde.

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