In der Arena: Asyl. Hilfe, nicht schon wieder dieses Thema!

Dieses “blöde” Asylthema interessiert mich eigentlich überhaupt nicht. Aber es verfolgt einen dauernd. Die Tamilen, die Türken, die Jugos und jetzt die Nordafrikaner. Seit ich mich erinnern kann, streitet die Schweiz um und über Asylanten und den kurz bevorstehenden “Untergang der Schweiz”. Wer in Googles Ngram Viewer nach dem Wort Asyl sucht, sieht, wie oft das Wort Asyl in deutschen Büchern seit dem Jahr 1800 erschien. Ein massiver Anstieg begann vor 30 Jahren und er will trotz kurzzeitigem Knick nicht aufhören...

Selbst konnte ich nie abschätzen, ob die Räubergeschichten über Lederjacken und grosszügig verteilte Gelder stimmen. Erst als ich einem Asylanten aus dem Sudan einen Ausbildungsplatz in meinem Betrieb anbot, sah ich, mit wie wenig Geld er die dreijährige “Lehre” absolvierte. Ich war erstaunt, wie er seiner Familie sogar noch Geld schicken konnte. Wie bei allen Themen will ich den Missbrauch nicht ausschliessen, aber ich zweifle, ob er der Regelfall ist.

Wie auch immer, mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Asyldiskussion der Stromsparlampen Diskussion ähnelt. Die nennenswerten Energiefresser im Haushalt sind die Heizung, das Auto und das Warmwasser. Die Glühbirnen machen lächerliche 2 bis 3% des gesamten Energieverbrauchs aus, haben/hatten aber fast 100% der Aufmerksamkeit. Irgendwie überhaupt nicht rational.

Sicher, 3% und 3% und 3% sind irgendwann auch einmal viele Prozente und “Kleinvieh macht auch Mist”. Wenn man aber regelmässig das Fenster im Winter offen lässt und die Durchschnittstemperatur bei 22 Grad sein muss, dann kümmert man sich nicht um Glühlampen...

Also suchte ich nach verlässlichen Zahlen zu den Kosten des Asylwesens in der Schweiz, um meine Einschätzung zu überprüfen, ob das Asylwesen tatsächlich “vernachlässigbar” ist. Der Basler Migrationsbeauftragte Thomas Kessler schätzt die Kosten auf rund 1 Milliarde. Aber weil Experten auch nur Interessen vertreten, wollte ich wissen, was die SVP dazu meint. Und siehe da, bei Nationalrat Fehr wurde ich fündig. Er schätzt die Kosten auf 2 Milliarden. Beides grosse Zahlen - auf den ersten Blick. Setzt man sie jedoch in Relation zum Bundesbudget, kommt erstaunliches heraus. Bei einem Bundesbudget von 61 Milliarden macht das Asylwesen 1.5% bis 3% aus. Toll. Ein Glühlampenproblem.

Hier sieht man, in der Schweiz, auf Politnetz und morgen in der Arena wird noch über die relevanten Themen diskutiert. Oder kann mir jemand erklären, warum ein 3% Thema, das nicht einmal einen grossen Einfluss auf unsere Zukunft hat, so viel Aufmerksamkeit verdient? Selbstverständlich bin ich auch dafür, dass man die Verfahren im Asylwesen von 1'400 Tagen auf 180 Tagen reduziert. Die 90% “Überwinterungstouristen” darf man schnellstmöglich wieder loswerden, und wenn ein Asylant kriminell wird, dann sehe ich diesen auch als Gast an, welchen man hochkant herausbugsieren darf.

Bevor man mir aber erneut den Parteiaustritt nahelegt (glaubt mir, die von der SP wollen mich nicht), möchte ich darauf hinweisen, dass wir von der FDP für uns beanspruchen, vernünftige Politik mit Weitsicht zu betreiben. Weitsicht bedeutet, die Probleme in den richtigen Relationen zu bewerten und zu verstehen, wo wir in 10 Jahren sein sollten. Erst dann leiten wir die richtigen Massnahmen ein. In einer Gesamtschau unserer Herausforderungen muss man es deutlich aussprechen, andere Themen sind für die Schweiz wichtiger.

Das Asylproblem ist ein Thema, welches Populisten immer wieder für ihre Zwecke missbrauchen. Ohne zu bagatellisieren, es geht um 2 Milliarden Franken. Und wenn es ein Problem mit der Kriminalität aus dem Asylwesen gibt, muss auch dieses minimiert werden. Deswegen ist es die Pflicht der Politik, die Herausforderungen im Asylwesen zu lösen. Aber bitte nach der Eisenhower Methode. Wichtiges und Dringendes erledigt man selbst. Dringende 3%-Themen sind zu delegieren. In diesem Sinn darf man gerne bei Sommaruga hartnäckig nachfragen, wie sie die Verfahrensprobleme löst und die Schwierigkeiten entschärft. Ist ihr Plan plausibel, sollte man die Klappe halten, ihr die Zeit für die Umsetzung geben und sie bestenfalls unterstützen. Anschliessend kann man kontrollieren, ob sie ihre Hausaufgaben erfolgreich erledigte.

Lassen Sie mich mit einem letzten Vergleich abschliessen, wenn Sie mit einer akuten Blinddarmentzündung ins Spital eingeliefert werden, dann wollen Sie auch nicht, dass sich der Arzt zuerst um den Juckreiz im Fuss kümmert.

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