Die Einschränker in die Schranken weisen! öffentlicher Raum als Politikum

Am Samstag wollen in Bern tausende von Menschen tanzend und feiernd durch die Strassen ziehen, um zu zeigen, was sie von den fortschreitenden Einschränkungen des öffentlichen Raums halten. Der Anlass steht auch im Zusammenhang mit der Reitschule, deren Fest- und Gastrobetrieb erneut an die kürzere Leine genommen werden soll.

Die Reitschule ist Vielen schon lange ein Dorn im Auge, ist doch das besetzte Gebäude, welches die turbulenten Zeiten seit den 80er Jahren unbeschadet überstanden hat, zu einem "Schandfleck" an der Einfahrt zum Berner Bahnhof verkommen und zieht kriminelle Drogenhändler und randalierende Jugendliche magnetisch an.
(Dass die Reitschule auch ein Kulturbetrieb und ein Wahrzeichen von Bern ist, möchten die Betreffenden weniger gern zugeben.)

Orte wie die Reitschule gibt es in jeder Stadt (z.B. Stall 6 oder die Rote Fabrik in Zürich), und die Probleme sind die gleichen: Die Einen wollen feiern, die Anderen stören sich daran und reagieren mit Lärmklagen. Diese Lärmklagen werden von der Stadt natürlich ernst genommen, was schon so manchen Club- oder, wie man auch sagen könnte- Kulturbetrieb zur Schliessung zwang.
Dabei ist gelebte Kultur sowieso schon schwierig zu bewerkstelligen: So gibt es ja eine Meldepflicht für Demos, Strassenfeste, Gross- und Kleinanlässe aller Art. Es braucht eine Bewilligung für Strassenmusik, das willkürliche Sprayen im öffentlichen Raum ist verboten, Teile von Strassen und Parkplätzen können für die Nutzung durch Skateboardende Jugendliche gesperrt werden, von der Wegweisung unerwünschter Subjekte ganz zu schweigen.

Einige dieser Regulierungen machen Sinn, schützen die Stadt vor Verschmutzung, sorgen dafür, dass es eine verantwortliche Person bei Grossanlässen gibt, stellt sicher, dass Demonstrierende nicht den Verkehr blockieren und so weiter. Dabei vergessen wir aber eines: Der öffentliche Raum gehört Allen. Einige Wenige aber wollen den öffentlichen Raum in öffentliche und weniger öffentliche Zonen unterteilen, die Regulierungen zur Nutzung des öffentlichen Raums weiter ausbauen und somit ein kleines Stück Freiheit wegregulieren.

Einige Bern-spezifische Lösungsansätze habe ich hier gefunden:
http://www.derbund.ch/bern/stadt/Wie-laesst-sich-der-NachtlebenKonflikt-loesen/story/26214585

Jetzt bin ich gespannt, was die tausenden Tanzfreudigen am Samstag bewerkstelligen können!

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