Demografie und Bildungsausgaben

Gemäss dem mittleren Szenario der „Szenarien der Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010-60“ (BfS) wird die Zahl der SchülerInnen und Lehrlinge (5-19 Jährige) im Zeitraum 2010-60 stagnieren, jene der über 65 Jährigen aber um 90% steigen. Dieser relative Bedeutungsverlust der Jugend in der Gesellschaft wirkt sich auf zwei Arten auf die Bildungsausgaben aus:

Die Bildungslobby (Bildungsbürokratie, Lehrerschaft, Eltern und Sozialarbeiter) versucht, den Anteil der Bildungsausgaben an den wachsenden öffentlichen Ausgaben trotz stagnierenden SchülerInnenzahlen zu halten. Dies geschieht über die Reduktion der Klassengrössen, Pensenzuteilung nach Sozialindex, Professionalisierung der Schulleitungen, Zuzug von HeilpädagogInnen und SozialarbeiterInnen, Tagesstrukturen, etc.. Aber auch der Sachaufwand und die Investitionsausgaben im Bildungsbereich werden gesteigert. Dadurch steigen die Bildungsausgaben/SchülerIn. Da kaum je ein positiver Zusammenhang zwischen Schulressourcen und Schülerleistungen nachgewiesen werden konnte, steigen in der Regel die Ineffizienzen im Bildungswesen.

Der wachsende Anteil der SeniorInnen übt einen stark negativen Einfluss auf die Bildungsausgaben aus, da diese versuchen, im demokratischen Entscheidungsprozess die knappen öffentlichen Ressourcen direkt zu ihren Gunsten (Altenbetreuung, Alterswohnungen, Pflegeheime, etc.) einzusetzen. Dies ist in Anbetracht der steigenden Bedeutung der älteren Bevölkerungsteile legitim. Umso wichtiger ist es, die Bildungsrendite – der individuelle und gesellschaftliche Nutzen, der von Bildung abgeleitet werden kann – zu steigern. Die stimmaktiven älteren Bevölkerungsteile müssen vermehrt davon überzeugt werden, dass Bildungsgeld gut investiert und effizient verwendet wird. Denn der Bildungsertrag fliesst letztendlich der gesamten Gesellschaft zu – und somit auch jenen, die keine schulpflichtigen Kinder (mehr) haben. (Nach Grob/Wolter: Demografie und Bildungsausgaben, Die Volkswirtschaft 4-2006, Seite 43-46)

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