Unsere Regierung hat die Übersicht in der Energiepolitik längst verloren - Ein "Chaos Stufe Asyl(un)wesen" droht...

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Erinnern Sie sich noch an das hier?

Ich zumindest kann mich noch ziemlich gut daran erinnern. Als "grün", "entschlossen" und "finanziell verkraftbar" wurde der Atomausstieg beschrieben. Auch die Begriffe "Potential", "wirtschaftliche Möglichkeit" und "Meilenstein" konnte man hier und da vernehmen.

Doris Leuthard sichert dem NR im Video oben "weitere Infos" für ein Jahr nach dem Entschluss zu - dies setzte sie dann tatsächlich pünktlich vor ein paar Wochen in die Tat um - die Strategie für den Atomausstieg ist bekannt:

Offenbar hatten SVP und FDP mit ihren Voten vor dem Ausstiegsbeschluss nicht ganz Unrecht - Der Ausstieg ist ja gut und recht, aber wie denn bitte?

Grob gesagt kostet der Atomausstieg geschätzte 30 Milliarden Franken - doch auch für den Ausbau des Stromnetzes werden wohl Umkosten von etwa 18 Milliarden Franken anfallen. Diese Investitionen sollen durch die enorm ansteigenden Strompreise auf den Konsumenten abgewälzt werden.

Aber wie genau sollten nun die rund 40% Atomstrom ersetzt werden? Grob gesagt hat die Wasserkraft nur sehr wenig Steigerungspotential, wir sprechen hier von höchstens 5% gemessen an der gesamten Stromproduktion.

Die 40% Atomstrom sollen laut der Strategie unserer Regierung also mit etwa 30% erneuerbaren Energien und mit rund 10% Gasstrom ersetzt werden. Der Experte bestätigt: Ohne Gaskraftwerke gibt es in den nächsten 20 Jahren kein Atomausstieg:

Wir können also festhalten: Von dem Punkt an, wo wir die alten AKWs abschalten und nicht ersetzen, werden wir Gaskraftwerke benötigen - viele Gaskraftwerke und dies für eine lange Zeit. Das Verhältnis 30% erneuerbare Energien und 10% Gasstrom wird wohl über Jahre genau umgekehrt verteilt sein - mindestens.

Und das Gas bekommen wir dann entweder wohl von diesem Land oder aus einem Land, welches noch korrupter oder noch instabiler ist. Und schauen Sie mal, durch welche Länder die neue Gaspipeline verlaufen würde (und Doris Leuthard will genau so die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit stärken?!):

Eine andere Option: Stromimporte erhöhen - eine nachhaltige, sinnvolle (und vor allem grüne) Lösung sieht anders aus:

Nun, wie sieht es denn bei diesem so oft genannten Begriff "Potential der erneuerbaren Energien aus"? Richtig, das Potential wäre gross - sehr gross sogar. Nur die Realität sieht anders aus. De fakto kommen wir nicht vom Fleck. Auf dem eigenen Dach Solarpanels installieren? Ha!

Dass die heutigen Solaranlagen, welche schnell einmal auf einen Investitionswert von 80'000 CHF pro Haushalt kommen und sich erst nach 30 Jahren amortisieren, dann nur etwa rund die Hälfte des Stromverbrauchs decken, darüber schweigt man sich aus. Mit anderen Worten: Wenn man es endlich schafft, gegen den Beamtenstaat und gegen die Technokraten und Heimatschützer zu gewinnen, wenn man das nötige Startkapital angespart hat und wenn man auch den Willen hat dieses zu investieren - dann bringt es erst noch praktisch nichts. Parallel dazu schrumpft sich die Solarbranche Tag für Tag immer weiter zusammen.

Und dann hätten wir ja aber noch die Windenergie. Dumm nur, dass wir ein Binnenland sind, wir haben also nicht wie zum Beispiel Deutschland schon fast unbegrenzt Fläche zur Verfügung, um an der Küste ein Windpark aufzubauen. Der Standort Schweiz ist für die Windenergie eher ungeeignet. Die Statistik zeigt: Wir haben in der ganzen Schweiz (!!!) 2010 13 und im letzten Jahr nur 2 Windräder gebaut. Ernüchternd - dieses Jahr wird's wohl nur eines sein...

Die Regierung hatte nun offensichtlich den Geniestreich und die (Wahn)Vorstellung, dass nun plötzlich wie aus Geisterhand 800 Anlagen aus dem Boden gestampft werden können. Bei den Landschaftschützern herrschte heute wohl eine Bombenstimmung...

Und fast zeitgleich, nämlich vor ein paar Tagen, erschien die Meldung in den Medien, dass nicht unweit von meinem Wohnort, im Seeland, ein neues Gaskraftwerk entstehen sollte. Damit liegt der Energiekonzern "Groupe E" voll auf der Strategie des Bundes, welcher das erste Gaskraftwerk bereits spätestens 2020 in Betrieb nehmen will - deshalb müsste mit einem Neubau in den nächsten Monaten begonnen werden.

Nun hat sich das Blatt aber scheinbar bereits wieder gewendet: Ein Gaskraftwerk sei unrentabel, umweltschädlich und zu teuer. Interessanter als diese äusserst scharfsinnige Erkenntnis ist aber die Aussage von Frau Bundi, der Sprecherin von Frau Leuthard:

«Der Bundesrat will Gas möglichst vermeiden», sagt Annetta Bundi, Sprecherin von Energieministerin Doris Leuthard. «Der Bundesrat setzt mit seiner Strategie schwergewichtig auf Energieeffizienz, den Ausbau der Wasserkraft und auf die neuen erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Biomasse.»

Nur dass es noch einmal für alle deutlich verständlich ist: Jene Bundesrätin, welche erst vor ein paar Wochen die neue Strategie vorstellte und neue Gaskraftwerke als "unverzichtbar" beschrieb (dies wurde vom Experten, siehe Video oben, bestätigt), setzt nun offenbar alles daran, auf die erneuerbaren Energien zu setzen - also auf genau jene Sektoren, welche sich im Moment gerade zu Tode schrumpfen und momentan gerade mal 1% der gesamten Stromproduktion ausmachen.

Zusammenfassung und Fazit

Ich bleibe bei meiner Meinung, welche ich bereits früher hier und hier bekannt gab. Ich erachte die Atomtechnologie als nicht sicher an und ich will wie die Mitte-Links Parteien von dieser Technologie wegkommen. Ich bleibe jedoch realistisch und will meinen, dass der Ausstieg auf Grund der herrschenden Zustände einfach nicht machbar ist. Die Optionen "Stromimport erhöhen" oder "Gasstrom" sind scheinheilig und ohne Zugeständnisse abzuweisen.

In dieser Hinsicht haben sich Grüne und BDP bereits zu Wort gemeldet, auch sie stellen sich zumindest gegen neue Gaskraftwerke - eine solche Haltung ist glaubwürdig und zeugt vom Willen, die AKWs mit erneuerbaren Energien zu ersetzen.

Dies wird wohl eines Tages möglich sein - doch dieser Tag ist weder heute, noch in 10 Jahren in Sichtweite. Unsere AKWs laufen also weiter... Und weiter... Und weiter... "Solange sie noch sicher sind", meint Leuthard dazu. Man wird versuchen die Sicherheit künstlich aufrecht zu erhalten, man wird Milliardeninvestitionen für Nachbesserungen tätigen, weil man sieht, dass es anders einfach nicht geht - noch nicht.

Zum Schluss muss ich festhalten, dass die Voten der SVP und FDP vor dem Atomaussteigsentscheid vernünftig waren. Es wird sich in naher Zukunft zeigen, wer eine realistische Energiepolitik betreibt und wer vor allem zu den erneuerbaren Energien steht. Spätestens wenn es darum geht, einen drohenden Stromengpass zu decken, wird sich das wahre Gesicht der Parteien zeigen.

Bis dahin dürfen wir weiterhin den Zickzack-Kurs unserer Regierung mit Spannung mitverfolgen. Ich für meinen Teil meine, dass die Regierung mit ihrer Energiestrategie jegliche Übersicht verloren hat. Ich erkenne beim besten Willen keinen roten Faden und die eine Utopievorstellung übertrifft die Nächste.

Die Energiepolitik entwickelt sich langsam aber sicher zu einem "Chaos Stufe Asyl(un)wesen"... Je länger, je deutlicher...

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