"Wegen Steuererhöhungen ziehen ganz sicher keine Firmen weg" - Soso...

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Wegen Steuererhöhungen ziehen ganz sicher keine Firmen weg!

Ein Standard-Satz der Linken: Wegen Steuererhöhungen, Steuerabkommen mit dem Ausland und dergleichen würden ihrer Meinung nach "ganz sicher" keine Firmen oder vermögende Personen wegziehen.

Denkste!

http://www.20min.ch/finance/news/story/Genf-verliert-guten-Steuerzahler-12013481

Singapur hat den Rohstoffhändler Trafigura mit Steuervorteilen von Genf weggelockt, berichtet die «Financial Times».

Dieser Satz sagt eigentlich alles. Die Schweiz steht im internationalen Wettbewerb - nicht nur als Wirtschaftsstandort, sondern auch als Wohnstandort. Durch die neuen Steuerabkommen, Steuererhöhung und durch die Abschaffung der Pauschalbesteuerung wandern uns nicht nur die Firmen ab, wenn es dumm läuft gehen aber eben auch Arbeitsstellen und Steuereinnahmen der vermögenden Personen verloren - schlussendlich erreicht man das Gegenteil der Zielsetzung. Im Beispiel oben gehen glücklicherweise keine Arbeitsplätze verloren, der (vermögende) Finanzchef verlagert aber seinen Wohnort/Arbeitsplatz - dies wird Genf in der Jahresrechnung zu spüren bekommen, die Steuereinnahmen werden alleine durch den Abgang eines einzelnen Mannes (!!) deutlich sinken.

Und dies ist keine Ansichtssache, dies ist (leider) einfach ein Fakt.

Ich persönlich befürworte zum Beispiel auf eine rein moralischer Ebene die neuen Steuerabkommen mit dem Ausland. Es ist unhaltbar, dass die Schweiz Steuerhinterzieher aus dem Ausland aktiv deckt und schützt - dies war jedoch der Fehler der Banken, nicht der Politik, welche nun aber dafür geradestehen muss. Unsere Regierung hat das Rückgrad und das Arbeitstempo einer Schnecke, weshalb sich nun aus offensichtlichen Gründen sämtliche Länder auf den Schweizer Bankenplatz stürzen.

Und über die Auswirkungen kann man heute nur vorsichtig schätzen, ich habe hierzu einen interessanten Artikel gefunden:

http://www.politnetz.ch/beitrag/13839

Grobe Zusammenfassung:

Der Vermögensabfluss von rund 47 Milliarden CHF würde zu rund 1 Milliarde Mindereinnahmen und einem Rückgang des BIPs von 0.2-0.3% führen - alleine diese Umstände wären wirtschaftlich tragbar.

Probleme gäbe es jedoch auf dem Arbeitsmarkt, da ein BIP-Rückgang von 0.2-0.3% etwa 5'000 - 10'000 Arbeitsstellen (also später Arbeitslosen) entspricht.

Aus moralischen Gründen ist die Weissgeldstrategie sicherlich vertretbar - doch in der Realität hat diese Strategie nicht hinnehmbare Auswirkungen, weshalb die Weissgeldstrategie aus meiner Sicht keine sinnvolle Option ist.

Eines kann man bereits heute festhalten: Wir sind in einer ziemlich "blöden" Situation: Die Mitte-Links Parteien fahren in ihrer Mehrheit auf einer Strategie, welche den Standort Schweiz (Wirtschaft, Wohnort, Bankenplatz) stark schwächen wird (und bereits geschwächt hat). Die SVP hat leider immer noch nicht erkannt, dass das Bankgeheimnis begraben wurde und de fakto nicht mehr existiert - und leider schnallt sie auch nicht, dass die alte Strategie (Steuerhinterzieher mit dem Bankgeheimnis zu decken) ebenfalls nicht mehr haltbar ist.

Wo bleiben die für uns tatsächlich wenigstens halbwegs akzeptablen Lösungen?

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