Das neue „Anti-Euro-Buch“ wirft hohe Wellen

Da schreibt einer zuerst ein Buch mit der Kernthese, dass sein europäisches Heimatland immer „kleiner und dümmer“ werde, weil seine Landgenossen immer weniger Kinder bekommen, während sich vergleichsweise ungebildetere Migranten stärker vermehren. Nun folgt der zweite Schlag in Buchform, in welchem behauptet wird, das die Parteien SPD, Grüne und Die Linke für die Einführung von Euro-Bonds einstehen, weil sie „getrieben [wären] von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Busse für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben“.

Die Bücher verfasste niemand geringeres als der ehemalige SPD Finanzsenator von Berlin und pensionierte deutsche Bundesbanker Thilo Sarrazin.
Die hohen Wellen dieser Literatur werden vor allem durch die Auflagenzahlen gemessen. Das erste Werk wurde immerhin 1.5 Mio. mal verkauft; das Interesse am zweiten Bestseller ist ungebrochen. Alles „Bullshit“, wie es der „Kavallerie Hauptmann“ und Parteigenosse Peer Steinbrück behauptet? Mag sein. Dennoch hat es niemand so gut wie Sarrazin verstanden, hier einen offenbar sehr grossen Volksnerv zu treffen. Seine Nebenbotschaft, dass die Menschen „aus eigener Kraft ihre Lebensverhältnisse verbessern können“ wirkt da sicherlich wohltuend, wenn auch nicht unbedingt sozialistisch.

Gewisse Politiker innerhalb der EU verhalten sich wie Glücksspieler im Casino. Sie verspielen fremdes Geld im Sinne einer ungebremsten Staatsausgabenpolitik, und decken die Verluste mit Krediten zu. Die nun am G-8 Gipfel diskutierten Ziele, ein Wachstum mit einem Abbremsen der früher beschlossenen Sparpolitik zur Schuldenreduktion zu manifestieren, zeigt uns an wie gross die Sucht geworden ist. Wir wissen auch von Suchtspielern nur zu gut, wie das Ende hier aussehen wird. Im Kontext mit der Europäischen Union könnte der Euro implodieren. Wie dabei die von der SNB aufgestellte Wechselkursschutzmauer wirken wird, ist alles andere als klar. Eventuell wie der Anker eines Schiffes, welcher sich an eine absinkende Erdplatte gekrallt hat?

Und viel schlimmer: Wie wird das europäische Volk reagieren, wenn sie ihres Vermögens beraubt, abgesunken im Inflationssumpf sich der Unfähigkeit der zunehmend linken Chefs bewusst werden? Droht dann ein Flächenbrand? Wir müssen attestieren, dass die Rhetorik von Sarrazin sehr stark an jene der Weimarer Republik erinnert, welche später der unheiligen Allianz zwischen „national“ und „sozial“ ungemeinen Vortrieb verlieh.

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