Mit Mohammed-Strichmännchen gegen religiöse Zensur

Hamsa Kaschgari ist ein saudischer Autor, der im Februar dieses Jahres zu einigem Aufsehen in der Weltpresse geführt hat. In drei Tweets erklärte er, dass er den Propheten Mohammed nicht anbeten wolle. Die Bilder eines Weisbärtigen TV-Predigers, der Angesichts dieser Worte in Tränen ausbrach und die Ermordung aller Atheisten forderte gingen um die Welt. Kaschgari ist nun in Saudi Arabien in Haft und riskiert möglicherweise die Todesstrafe.

Seit spätestens dem ,Karrikaturenstreit‘ um Mohammed hat insbesondere der Islam einen Ruf dafür, anderen Leuten ihr Recht auf freie Meinungsäußerung auf relativ radikale Art zu untersagen. Allerdings ist dies nur die Spitze des Eisbergs. Den oft genug erleben wir, dass andere Religionsgemeinschaften nicht davor zurückschrecken, zu drastischen Massnahmen zu greifen, um sich ihrer Kritiker zu entledigen. So wurde beispielsweise im Wallis 2010 ein Lehrer entlassen, weil er sich öffentlich für eine Sekularisierung des Schulwesens aussprach. Und erst gerade letzte Woche verklagte in Oregon die ,Beaverton Grace Bible Church‘ eine ehemalige Kirchengängerin auf 500‘000 Dollar, weil sie ein negatives Review im Internet über diese Kirche geschrieben hatte.

Jeder soll Glauben dürfen was er will. Aber der Glaube eines Menschen darf nicht festlegen, was ein anderer Mensch tun und lassen soll. Um ein Zeichen gegen die religiöse Zensur zu setzen, wurde vor drei Jahren der ,Draw Mohammed Day‘ ins Leben gerufen. Die Idee ist einfach: Mit ein paar Linien zeichnet jeder Teilnehmer Mohammed und begeht damit ein Sakrileg, dass von vielen Extremisten als der Todesstrafe würdig angesehen wird. Durch die Macht des Internets machen dass aber mehrere 1000 Menschen, über den ganzen Erdball verteilt. Das heisst, diese Extremisten müssen entweder die ganze Welt mit einem Jihad belegen und sich somit unweigerlich von gemässigteren Strömungen isolieren, oder sie müssen lernen, dass die Meinungsfreiheit in einer globalisierten Welt stärker gewichtet wird, als ein uraltes Buch.

Gestern fand dieser Tag zum dritten mal statt und ich habe zum zweiten mal mitgemacht. Ich wiederhole gerne nochmals: Liebe Mitbürger muslimischer Glaubensrichtung, ich mache das nicht deswegen, weil ich euren Glauben in irgendeiner Weise schlechter finde als das Christentum oder den Shintoismus. Ich habe das gemacht, weil ich an die freie Meinungsäußerung glaube. Eure Religion hat nun mal im Moment in dieser Beziehung die medienwirksamsten Auswüchse, dass müsst ihr selber zugeben. Ich mache aber im Ausgleich gerne an einem ,Bewerte eine Kirche‘-Tag oder einem ,Sekularisiere den Schulunterricht im Wallis‘-Tag mit. Den Extremisten unter euch sage ich aber: Wenn ihr alle Leute umbringen wollt, die den Propheten in euren Augen respektlos behandelt haben, dann geht dies nur über meine Leiche.

28 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

9 weitere Kommentare

Mehr zum Thema «Glaube»

zurück zum Seitenanfang