Gezielte Berufsbildung gegen den Fachkräftemangel!

Die Struktur der zugewanderten Erwerbsbevölkerung zeigt, dass in der Schweiz heute vor allem AkademikerInnen in ausgewählten Branchen und Positionen (Ingenieure, Informatiker, Ärzte) gesucht sind. Ein Mangel an Lehrabsolventen scheint hingegen nicht vorzuliegen.

Die Andersartigkeit der Fachhochschulen – mit ihrem nicht akademischen Vorlauf – darf nicht preisgegeben werden. Der Zugang zur Fachhochschule sollte nur über eine Lehre oder mindestens ein einjähriges strukturiertes Praktikum im Beruf gestattet werden. Andernfalls werden wir eine Abwertung der schweizerischen Fachhochschulen erleben.

Bei den Lehrabschlüssen ist unbedingt auf die Arbeitsmarktfähigkeit zu achten. Der Tertiärsektor bildet in vielen Bereichen weniger aus, als er braucht. Mehr Ausbildung braucht es konkret in Berufen wie Informatik, Telematik und Pflege auf der Sekundärstufe. Hier drängen sich branchenspezifische Fördermassnahmen für Lehrstellen auf.

Angesichts der starken berufsstrukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt liegt es nahe, die Berufsbildung verstärkt zu modalisieren (Zertifikate über den erfolgreichen Abschluss von Lerninhalten). Auch eine Erhöhung der Durchlässigkeit des Berufsbildungssystems hilft, Engpässe auf dem Arbeitsmarkt zu vermeiden. Es müssen auch Anknüpfungspunkte für die berufliche Weiterbildung geschaffen werden.

Die 10-15% der früher potenziell schulisch besten Lehrlinge absolvieren heute ein Gymnasium; sie wurden durch Lehrlinge ersetzt, die vor 25 Jahren keine nachobligatorische Ausbildung gemacht hätten. Das ist eine grosse Integrationsleistung, welche die Berufsbildung hier leistet. Irgendwann wird aber die Integrationsfähigkeit der Berufsbildung erschöpft sein.

20% der jungen AusländerInnen verlassen das Bildungssystem ohne einen Berufsabschluss (5% bei den SchweizerInnen). Ungelernten droht in Zukunft vermehrte Arbeitslosigkeit. Hier sind vorbeugende Massnahmen zu ergreifen..

90% der Jugendlichen in der Schweiz haben heute eine nachobligatorische Bildung. Die Politik will, dass sogar 95% der Jugendlichen eine nachobligatorische Ausbildung erhalten. Wie sollen diese 5% zusätzlich integriert werden? Es sind folgende Massnahmen zu ergreifen:
1. Ausbau der Attestausbildungen
2. Case Management mit individuellem Coaching und
Mentoring (ab der 7. Klasse!)
3. Brückenangebote (Berufspraktikum, Motivationssemester,

  1. Schuljahr)

  2. Lehrstellenförderung

  3. Lehren müssen sich auch finanziell für die Auszu-
    bildenden lohnen

(Aus Wolter/Strahm: Berufsbildung im Fokus, Die Volkswirtschaft 10-2008, Seite 44-47 und Sheldon: Die Rolle der Berufsbildung in der Bekämpfung des Fachkräftemangels, Die Volkswirtschaft 1/2-2009, Seite 51-53)

Lehrlingsausbildung lohnt sich auch für die ausbildenden Betriebe. Schon am Ende einer Lehre resultiert im Durchschnitt ein Nettonutzen für den Betrieb. Dies hängt nicht nur vom Ausbildungsberuf oder von Betriebscharakteristiken, sondern ebenso sehr von der Qualität der Lernenden ab. (Aus Mühlemann/Wolter: Lehrlingsausbildung lohnt sich, Die Volkswirtschaft 10-2007, Seite 44-47)

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