Tierschutzgesetz versus Jagdgesetz: freundliche sozialisierte verspielte Hunde versus Leinenzwang.

Im Kanton Schwyz werden Hundehalter gebüsst, wenn sie ihren Hund frei laufen lassen. Halten sie diesen aber immer an der Leine, verstossen sie gegen die Tierschutzverordnung. Die paradoxe Situation wird selbst vom Bundesgericht gestützt.

Der ehemalige Wirtschaftsredaktor der «Tagesschau» und Redaktor der Weltwoche Alex Reichmuth dazu:

Auf einem Feldweg liess Ralf Aerne aus Altendorf SZ seinen Hund frei laufen. Da kam ihm eine Polizistin entgegen [... ] Sie verwies auf die Leinenpflicht, die im Kanton Schwyz gelte. Aerne kam dieser Aufforderung nicht nach. Weil er es auch ablehnte, auf der Stelle hundert Franken Busse zu bezahlen, nahm die Frau seine Personalien auf und verzeigte ihn. Aerne bekam eine Strafverfügung zugestellt. Er sollte nun 400 Franken Busse und 110 Franken Gebühren bezahlen. Ralf Aerne bezahlte nicht. Ralf Aerne zog darum die Strafverfügung weiter – ans Bezirksgericht, ans Kantons­gericht und schliesslich ans Bundesgericht. Überall blitzte er ab. Das Kantonsgericht Schwyz anerkannte im November 2010 zwar, dass es Hundehaltern ohne privates Grundstück nicht leichtfalle, ihrem Hund den nötigen freien Auslauf zu gewähren. Ohne weitere Begründung kam das Gericht aber zum Schluss, «die Möglichkeit des unangeleinten Bewegens eines Hundes» sei dennoch «nicht schlechthin unmöglich», und wies Aernes Beschwerde ab. Das Bundesgericht trat im letzten Dezember gar nicht erst auf Aernes Argument ein, der Leinenzwang widerspreche der schweizerischen Tierschutzverordnung und sei darum verfassungswidrig. Denn hier handle es sich um eine «abstrakte Kritik». Das Gericht habe die Verfassungsmässigkeit aber nur «in der konkreten Anwendung» zu prüfen, und diese sei rechtens. Also wies auch das höchste Schweizer Gericht Aernes Beschwerde ab. (Weltwoche).

Kann ein Hund sozialisiert werden, wenn er immer an der Leine sein muss? Ich, Ralf ­Aerne und der Bund sagen Nein. In den Erläuterungen zur Tierschutzverordnung heisst es darum: «Gemeinden sind angehalten, ausreichend Zonen für das freie Laufenlassen von Hunden auszuscheiden, falls auf dem ganzen Gebiet Leinenzwang herrscht.» Das Dumme: Laut Reichmuths Recherchen gab die Schwyzer Regierung im März 2010 zwar zu, dass tatsächlich gegen die Tierschutzverordnung verstösse, wenn ein Hund ständig angeleint sei. Dennoch widerspreche das kantonale Hundegesetz der Tierschutzverordnung nicht. Denn der leinenlose Auslauf von Hunden müsse ja nicht zwingend auf öffentlichem Gelände stattfinden.

Die Frage, die man sich nun völlig berechtig stellen muss, lautet: Wo liegt bei diesem formaljuristische Hickhack der Hund begraben? Im Fall von Ralf Aerne müsste die Gemeinde ein Areal für freilaufende Hunde anbieten, dass ist bürokratisch und nicht zuletzt dumm.

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