Väter, Hollywood und einige Denkanstösse

Was haben Star Wars, 96 Hours und From Dusk Till Dawn gemeinsam? Es sind Action Filme, in denen es um die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern geht. Hollywood versteht es, wie keine andere Industrie unsere Gefühle, Sehnsüchte und Träume anzusprechen. Ob in Star Wars Luke Skywalker seinen gefallenen Vater umbringt. In 96 Hours Liam Neeson als weitgehend abwesender Vater seine Tochter im entscheidenden Moment aus den Fängen von skrupellosen Frauenhändlern rettet oder in From Dusk Till Dawn ein trauernder Vater seinen Glauben wieder findet und sich selbst opfert, um seine Kinder vor Vampiren zu retten. Hollywood bringt den Weltenschmerz auf den Punkt und erzählt grossartige Geschichten daraus.

Das Thema Väter ist ein oft genutztes Motiv, weil wir alle von unseren Väter erzogen werden, ob sie nun da sind oder nicht. So wie in Wrestler, indem Mickey Rourke einen abgehalfterten Kämpfer spielt, der kurz vor seinem Tod noch eine Beziehung zu seiner Tochter aufbauen will, um dann doch wieder zu versagen. Dieser Streifen zeigt hervorragend, wie die Tochter trotz grossem Misstrauen ihrem Vater nochmals eine Chance gibt. Kinder also lange auf ein Happy End hoffen.

Hollywood verteilt nicht einseitig den Schwarzen Peter. Im Gegenteil. Vielmehr erhalten Väter die Anleitung hartnäckig zu bleiben, wenn das Kind nicht kommen darf, so wie in Over the Top mit Silvester Stallone oder sich auf das Kind einzulassen und zu lernen, wie grossartig es ist, wenn eine Beziehung zwischen Vater und Kind wie bei Daddy ohne Plan oder Reel Steel entsteht.

Kleine Kinder, bei denen die Väter abwesend sind oder sich nur selten blicken lassen, wünschen sich nämlich nichts sehnlicher, als dass ihre Väter für sie da sind. So wie in der Dummschwätzer oder in Hook, wenn der Vater als Peter Pann das Kind in sich selbst entdecken muss, damit er seine Kinder aus den Fängen des Bösewichts retten kann.

Ja, Hollywood geht grosszügig mit seinen Vätern um. Es liefert so manch verrückten Grund, warum Väter wieder einmal ein Weihnachts- oder Geburtstagsfest verpassen. Vielleicht heisst der Vater John McClane und muss das Nakatomi Gebäude vor den bösen Terroristen im ersten Teil von Stirb langsam befreien. John Mclane darf es danach weiter vermasseln und war nie für seine Tochter da - aber doch im Hintergrund anwesend - so wie in Teil 4.

Hollywood haut Väter nicht einfach in die Pfanne. Nein, Hollywood liefert Gründe, warum Väter keine emotionale Bindung zu ihren Kindern aufbauen können. Wenn Clint Eastwood in Gran Torino den unnahbaren Vater spielt, hat er nicht nur seine Dirty Harry Person filmisch grandios abgeschlossen, er zeigt auch, dass er als kauziger Vater, der nie Gefühle zeigte, eben doch solche besitzt. Seine Kinder lernen diese Seite zwar nie kennen, aber ahnen an der Beerdigung des Vaters, dass da womöglich doch mehr ist, als der emotional erkaltete Vater aus der Kindheit.

Eines sollten sich alle Väter bewusst sein, ihre Kinder definieren sich über sie. Egal, ob sie als Vaterfigur anwesend sind oder nicht. Für die Jungs ist es noch etwas spezieller. Jeder pubertierende Junge stellt sich die Frage, was bedeutet es ein Mann zu sein. Was will ich für ein Mann sein. Und da macht es einen Unterschied, ob und vor allem wie der Vater anwesend war. Der Vater des grossartige Regisseur Quentin Tarantino meldete sich früh von der Erziehung ab. Quentins Mutter musste sich mit ihrem Sohn alleine durchschlagen und so schuf Quentin als Filmmacher eine ganz neue Heldentypin Kill Bill. Eine Mutter, die auf Rachefeldzug geht, weil man ihr ihr Kind weggenommen hat.

Kinder wollen keine Väter, wie in Man on Fire, in denen der Vater wegen Geldproblemen das Leben seines Kindes aufs Spiel setzt. Dann wird der Bodyguard Creasy zum Vorbild. Ein Mann, der sich Zeit für das Kind nimmt und da ist, wenn es ihn braucht. Kinder möchten Väter wie in findet Nemo, die alles auf sich nehmen, um ihre Kinder zu beschützen, sie aber auch frei entwickeln lassen. Und sie wollen Väter, die ihre eigenen Vorurteile über Board werfen, wenn der Sohn wie in Billy Elliot statt Boxen Ballett tanzen will. Kinder wollen um ihrer selbst Willen geliebt werden. Dann vertrauen sie ihren Väter, so wie in das Streben nach Glück, indem Will Smith die wahre Geschichte des gescheiterten Handelsvertreter Chris Gardner erzählt, der allen widrigkeiten zum Trotz vom Obdachlosen zum Investmentbanker hochstieg und dabei alles tat, um seinem Sohn eine bessere Zukunft zu bieten.

Dieser Beitrag schrieb ich, weil auf Politnetz immer wieder von Vätern als Opfern gesprochen wird. Dass das Gesetz sie angeblich benachteiligt und sie Opfer des Systems und keifender Mütter seien. Es kommen dann auch die tragischen Geschichten und die Extremen. Sicher gibt es diese, aber sie sind nicht der Regelfall. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung 
sind es sehr oft 
die Väter, die den Kontakt zu den Kindern 
abbrechen. Remo Largo schreibt im Buch 
«Glückliche Scheidungskinder», dass fast 50 Prozent der geschiedenen Väter ein Jahr nach der Scheidung das Besuchsrecht nicht mehr wahrnehmen. Fragen Sie sich deshalb, wo muss man den Schwerpunkt legen.

Wenn Väter klagen, dass die Mütter ihre Kinder “aufgesteift” haben, ist dies meist unwahr. Kinder müssen einen Weg finden, wie sie damit umgehen, wenn ihre Eltern sich “kindisch” benehmen. Die Kinder wollen beide Elternteile lieb haben. Sie wollen zu beiden eine gute Beziehung aufbauen und geraten darum schnell in einen Loyalitätskonflikt, wenn die Eltern ihre Sachen nicht auf die Reihe bekommen. Dies darf kein Vater unterschätzen - und auch keine Mutter, wenn die Kinder nach dem Wochenende wieder nach Hause kommen und ungewohnt reagieren.

Dieser Beitrag ist ein Appell an alle getrennten Väter, darüber nachzudenken, was es für das Kind bedeutet, wenn sich die Väter aus der Erziehung verabschieden oder was es für Auswirkungen hat, wenn sie anfangen gerichtliche zu klagen, anstatt der Situation etwas Zeit zu geben und einen vernünftigen Weg zu finden. Selbst dann, wenn sich die Mutter zuerst verweigert. Denken Sie daran, kein Gesetz der Welt und kein Richter kann dafür sorgen, wie Sie, die Mutter des Kindes und das Kind miteinander umgehen. Dafür sind Sie mitverantwortlich.

Vielleicht erhalten Väter in einigen Fällen kurzfristig nicht was sie wollen und was sie verdient hätten. Vielleicht ist die Mutter noch verletzt und vielleicht wird sogar das Kind anfangs “falsch” reagieren. Wenn sich Väter aber die Mühe geben, wenn sie sich aufrichtig für ihre Kinder interessieren, wird über mittel bis lange Frist die Vernunft siegen und es ist der Grundstein für eine gute Beziehung gelegt.

Sollten Sie als Scheidungsvater den Mut verloren haben, sich von den Behörden verraten, von der Mutter verarscht und von den Kinder verstossen vorkommen. Dann gebe ich Ihnen einen letzten Filmtipp. Ich bin Sam. Auf itunes zum Mieten für 3.50.

Damit bleibt mir nur noch ein Hinweiss an getrennt lebende Väter; wenn Sie sich aufrichtig eine gute Beziehung zu Ihren Kindern wünschen, vergessen Sie die Opferrolle. Nehmen Sie sich die Zeit und gehen Sie auf Ihre Kinder zu. Warten Sie nicht zu lange, denn irgendwann ist der Zug abgefahren. Für immer.

Und ja, ich hatte früher einmal eine Videothek ;-)

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