Ja zu Managed Care, weil dadurch unnötige Behandlungen und Kosten vermieden werden können.

Am 17. Juni werden wir über eine Revision des Krankenversicherungsgesetzes entscheiden. Die Vorlage Managed Care steht dabei im Zentrum der Revision und führt bereits jetzt zu hitzigen und emotionalen Debatten. Die Komplexität des Themas bringt es mit sich, dass oftmals das Verständnis und der Überblick fehlen. Tatsache ist aber, und darin sind sich alle Parteien einig, dass das Gesundheitssystem so wie es heute existiert, nicht zukunftsfähig ist.

In der Schweiz hat der Versicherte heute die freie Arztwahl. Wieso sollte man dieses Privileg zu Gunsten einer integrierten Versorgung aufgeben? Es stellt sich nun einem die Frage der absoluten Notwendigkeit zur freien Arztwahl. Woher weiss ein normaler Patient, welche Behandlung er braucht und welcher Spezialist gut genug für ihn ist? Bei unbekannten Schmerzen im Knie ist doch die erste Anlaufstelle der Hausarzt. Sollte die Behandlung seine Kompetenzen überschreitet, wird der Patienten weiterverwiesen. Ich vertraue meinem Hausarzt, dass er einen geeigneten Spezialisten für meine Behandlung ermittelt. Wo ist nun dabei der Unterschied zum Modell Managed Care? Der Hausarzt ist immer frei wählbar. Innerhalb seines Netzwerkes gibt es meist mehrere Spezialisten für eine Behandlung. Schlussendlich geht es um eine optimale und nicht um eine maximale Behandlung. Für einen Routineeingriff braucht es nicht den Fachspezialisten.

Im Modell der freien Arztwahl steht nicht der Patient im Zentrum, er muss sich um einen Arzt bemühen. Die Warteschlangen sind sehr lange. In der integrierten Versorgung steht der Patient im Zentrum und wird von seinem Hausarzt durch die ganze Behandlung hinweg betreut. Dank der Budgetmitverantwortung hat der Arzt schlussendlich auch kein Interesse daran, den Patienten möglichst lange zu behandeln. Das heutige System belohnt aber jene Ärzte, die möglichst viele Patienten lange behandeln. Dieser finanzielle Fehlanreiz wird nicht von alleine verschwinden.

Einziger Kritikpunkt ist der gesteigerte bürokratische Aufwand den die Netzwerke mit sich bringen würden. Dieser Punkt wurde in den Argumentarien bis jetzt zu wenig berücksichtigt. Inhaltlich gibt es ansonsten meiner Ansicht nach nichts zu bemängeln. Bringt es keine grossartige Verbesserung, so bewirkt es sicher keine Verschlechterung der jetzigen Situation. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert. Was wäre denn die Alternative? Der immer wiederkehrende Vorschlag einer Einheitskasse ist aus liberaler Sicht wohl absolut indiskutabel.

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