Voraussichtlich bis 2015 wird die UBS keine Steuern zahlen, für Parteispenden und Lehrstühle scheint ihr Budget allerdings zu reichen

Die Skandalbank UBS war in der letzten Woche ausgesprochen umtriebig: Erst sponsert sie der Universität Zürich 100 Mio Franken zur Schaffung von fünf Lehrstühlen und dann gibt sie ihren Entschluss bekannt, Parteien, welche sich für den freien Markt aussprechen mit je einer Millionen Franken zu unterstützen. Im Hinblick darauf, dass damit zu rechnen ist, dass die UBS bis 2015 keine Steuern zu zahlen braucht ist die Art und Weise, wie sie ihre Gelder vergibt, skandalös.

Das eine Bank sich dazu entscheidet, ihr Geld in die Bildung statt in höhere Saläre für die VertreterInnen der Teppichetagen zu investieren, scheint auf den ersten Blick nur gut, schaut man jedoch genauer hin, muss man sich fragen ob nicht die Unabhängigkeit der universitären Bildung gefährdet ist, wenn die UBS ein eigenes Institut an der Universität schafft welches den Namen "UBS International Center of Economics in Society" trägt und die UBS vorgibt, dass dieses im Bereich der Volkswirtschaftslehre zu forschen hat.Der Versuch des Aufpolierens des zu recht ruinierten Image der Grossbank ist mehr als offensichtlich und die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Institut auch bankenkritisch forschen könnte, ist minim.

Vor Allem störend an der ganzen Geschichte ist jedoch, dass wegen der Sparprogramme, welche gegenwärtig unsere Bildung treffen, der Staatsanteil an der Finanzierung der Bildung zurückgeht. Mitverantwortlich ist hierfür auch der Bankensektor, welcher freundlich mitteilte, dass es gerade nicht so gut laufe und man deshalb keine Steuern zahlen werde (zur Situation in der Stadt hierzu: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/UBS-zahlt-erst-2015-Steuern/story/27780627). Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn ein normaler Büezer sich nach einem Casinobesuch, bei dem er all sein Geld verzockt hat, dazu entscheidet keine Steuern mehr zu zahlen.

Das die UBS jetzt scheinbar auch noch dazu finanziell in der Lage ist, Parteien, die eine ihnen genehme Politik betreiben, mit einer Millionen zu entlöhnen, setzt der ganzen Frechheit noch die Krone auf. Es ist zwar nichts ungewöhnliches, dass Banken sich gerne ein paar gutgeschmierte VollzugsgehilfInnen in den Parlamenten halten ( der Betrag von einer Millionen ist jedoch erstaunlich, zum Vergleich: das Jahresbudget der SVP beträgt rund 3 mio) aber die Frechheit, die die UBS an den Tag legt sucht ihresgleichen: Erst macht sich die Grossbank durch ihre (aus ökonomischer Sicht) bizarren und unethischen Praktiken mitverantwortlich für eine der grössten Krisen in der Menschheitsgeschichte und die darauffolgenden Sparprogramme unter denen vor Allem die ArbeiterInnen zu leiden haben, dann entzieht sie Unsummen der Gesellschaft, weil sie meinen für Steuern zu fein zu sein und zuletzt geben sie mehr als 100 mio aus um dafür zu sorgen, dass ihre Agenda, die diese ganze Misere verursacht hat, an den Universitäten gelehrt und in den Parlamenten durchgewunken wird.

Man braucht kein Genie zu sein, um zu kapieren, dass diese dreisten und für das arbeitende Volk schädlichen Geschäftspraktiken so weiter gehen werden, solange man nicht verhindert, dass eine Grossbank das Gefühl hat, sie könne tun, was immer sie wolle, solange sie "too big too fail" sei.

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