Von den Neidern der Topverdiener und deren Doppelmoral

Wie wir ja be­reits wis­sen, kri­ti­sie­ren ge­wisse Par­teien und Grup­pie­run­gen am Lauf­band die ex­or­bi­tant hohen Managerlöhne – was ich grundsätzlich vollends verständlich fin­de, zumal diese Stel­len oft­mals nicht ein­mal eine persönliche Haf­tung für Ver­luste vor­se­hen. Ge­winn­be­tei­li­gun​­gen wer­den natürlich aus­be­zahlt. Das Ar­gu­ment, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Schwei­zer Fir­men zur An­wer­bung von in­ter­na­tio­nal ver­netz­ten Spitzenkräften bei einer Be­gren­zung der Löhne geschwächt wird, las­sen diese Ex­po­nen­ten nicht gel­ten („Die Schweiz muss als gutes Bei­spiel vor­an­ge­hen, die An­de­ren wer­den dann schon ge­zwun­gen sein, mitzuziehen“). Das ist ty­pisch so­zi­al­de­mo­kra­ti​­sches Wunsch­den­ken, das in der Pra­xis nie und nim­mer funk­tio­nie­ren würde. Ich bin der An­sicht, dass Löhne über CHF 1'000'000.--/Jahr bei unselbstständiger Erwerbstätigkeit zwin­gend ge­setz­lich be­grenzt wer­den müssen. Aber bitte mit einer glo­ba­len Lösung, zum Bei­spiel über die OECD.

Jetzt frage ich mich: Wes­halb kri­ti­siert man Top­ma­na­ger und lässt die Spit­zen­sport­ler/Trainer und Staff bei­sei­te? Schlus­send­lich be­zah­len wir über die BIL­LAG, die Po­li­zei, Sicherheitskräfte und staat­li­che Unterstützungen an Sport­ver­eine einen nicht zu vernachlässigenden Teil an ein Vergnügen, das längst nicht jeden in­ter­es­siert. Franco Co­stan­zo, ehe­ma­li­ger Cap­tain des FC Ba­sel, ver­diente zum Bei­spiel im Jahr 2011 CHF 1‘300‘000.--. Was noch da­zu­kommt, sind Fringe Be­ne­fits, sprich Son­der­leis­tun­gen wie ge­schenkte Autos und Woh­nun­gen etc. Selbstverständlich von die­sem Lohn aus­ge­nom­men sind auch ei­gene Vermarktungsaktivität​en wie Werbeeinahmen.

Wir sind schlus­send­lich ein Teil in einem glo­ba­len Gefüge, wel­ches sich an Ober- und Un­ter­gren­zen ori­en­tiert. In der Wirt­schaft sind wir (noch) top und haben glo­bal ge­se­hen re­la­tiv hohe Managerlöhne, spie­len dement­spre­chend (noch) in der Ober­li­ga. Im Fuss­ball sind wir eher flop und im un­te­ren Lohn­seg­ment (Lio­nel Messi 2011 = USD 43‘800‘000.--) an­ge­sie­delt. Wir sind aber trotz­dem Teil die­ses Gefüges – die Qualität der Spie­ler in Kom­bi­na­tion mit der Liga er­gibt den Lohn.

Ist es nicht schein­hei­lig, die Loh­nex­zesse im Sport zu igno­rie­ren, aber gleich­zei­tig fast täglich auf die Löhne von Top­ma­na­gern ein­zu­hau­en?

27 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.