Dank Personenfreizügigkeit ist die Schweiz weiter top

Wer wenig Arbeitslose will, braucht eine Wirtschaft, die funktioniert. Wer möchte, dass die Arbeit lohnt, der braucht eine Wirtschaft, die Geld verdient und anständige Löhne bezahlen kann. Wer möchte, dass der Staat seine Aufgaben erfüllt, braucht Steuereinnahmen, die von der freien Wirtschaft bezahlt werden. Und wer darauf zählt, dass seine AHV auch morgen noch überwiesen wird, darf nicht nur an heute denken, der muss auch für morgen vorbereitet sein.

Der Schweiz geht es gut. Blickt man in die Welt und sieht die Probleme unserer Nachbarn, geht es uns sogar hervorragend. Anders als vor 20 Jahren. Anfang der 90er erlebte die Schweiz einen Schock. 44 Milliarden mussten die Schweizer Banken abschreiben, als der hiesige Immobilienmarkt zusammenbrach. Das ist in etwa die Grössenordnung, wie wir sie in den USA 2007 sahen. Und auch der Schweizer Zusammenbruch schlug voll auf den Arbeitsmarkt durch. Nachdem sich die Arbeitslosenzahlen Jahre um 0.5% bewegten, gab es in der Schweiz Kündigungen und die Arbeitslosigkeit schoss auf über 5% hoch. Die Schweiz stand unter Schock.

Aber nicht nur die Wirtschaft stand unter Schock, das Land erlebte 1992 eine seiner grössten Zerrreisproben. Der Multimillionär Blocher kämpfte gegen die “Classe Politique”, welche das Land für den Europäischen Wirtschaftsraum fit machen wollte. Anstatt uns wirtschaftlich zu öffnen, behielt die Schweiz die Grenzen geschlossen. Das tat ihr nicht gut. Rückblickend kann man dies mit gutem Gewissen so sagen. Dazu dient der Vergleiche mit Österreich, einem ähnlichen Land wie die Schweiz. Unser Nachbarland Österreich entwickelte sich jahrelang wirtschaftlich schwächer als die Schweiz. Im Gegensatz zu uns machte sich Österreich Anfang der 90er Jahre fit für den Europäischen Wirtschaftsraum. Für Österreich ein Gewinn. Das Fitnessprogramm half der Wirtschaft und machte die Österreicher wohlhabender. Während wir kaufkraftbereinigt von 1990 bis 1996 15% mehr in der Tasche hatten, holten die Österreicher 25% mehr.

Die Schweizer Wirtschaft wusste, so kann es nicht weitergehen und startete unter der Federführung der FDP die bilateralen Verhandlungen mit der EU. Als die Bilateralen vor das Volk kamen, war neben der CVP die SP der verlässlichere Partner als die SVP. Von rechts kamen zwar wirtschaftsliberale Worte, diese stoppten aber umgehend an der Ländergrenze. In einer globalen Wirtschaftswelt eine Totsünde und ein Arbeitsplatzkiller.

Dabei zeigte das Volk an mehreren Abstimmungen, dass es den Weg der Öffnung gehen will und die Schweiz profitierte von diesem Mut! Die Öffnung war ein Fitnessprogramm für die Schweiz und mit der PFZ konnten wir auch in den letzten Jahren alle wichtigen Stellen in der Schweizer Wirtschaft besetzen. Das sichert uns heute unsere Arbeitsplätze.

Aber was ist mit den negativen Folgen? Sicher, die Züge sind voll, der Verkehr nimmt zu und die Wohnungen sind auch heute zu knapp. Aber was ist davon der PFZ zuzuschreiben? Die SVP möchte gerne alles der Einwanderung zuschreiben, sie unterschlägt Ihnen aber zwei Dinge. Die Züge waren schon vor 20 Jahre voll, der Verkehr nahm auch damals zu und wir hatten auch zu wenig Wohnungen. Die Klagen, die Sie heute hören, hörten Sie auch damals, als es noch keine PFZ gab. Was aber noch mehr ins Gewicht fällt, wie würde es der Schweiz gehen, wenn wir die Öffnung nicht gewagt hätten? Welche Firmen würden heute noch in der Schweiz produzieren, wenn ihnen die Fachkräfte fehlen? Was passiert wohl, wenn auf einmal 2’000 Arbeitsplätze in einer Region verschwinden, weil die Fachkräfte fehlen? Dann gehen nicht nur 2’000 Arbeitsplätze verloren, dann gehen gleich auch noch ein Haufen Zulieferbetriebe den Bach runter. Und genau darum geht es. Um Wettbewerbsfähigkeit und um Jobs.

Die PFZ ist kein Goldesel, der uns das Paradies auf Erden schenkt. Aber, sie hilft uns den Wohlstand zu sichern und hilft uns, in einer globalen Wirtschaft zu bestehen. Und das brauchen wir, damit die Wirtschaft Arbeitsplätze bietet, anständige Löhne bezahlt, der Staat genügend Geld für seine Aufgaben erhält, Ihr Arbeitsplatz auch morgen noch sicher ist und die AHV überwiesen werden kann.

Übrigens
Kaufkraftbereinigt hatten die Österreicher 1996 pro Kopf $24’200 zur Verfügung, 2010 waren es 39’790 +64%. Die Schweiz startete 1996 bei 28’310 und liegt heute bei 50’170 +77%.

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