So sieht der "umweltverträgliche" und "finanziell vertretbare" Atomausstieg aus

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Letztes Jahr wurde der Atomausstieg beschlossen, die "vernünftigen" bürgerlichen Parteien CVP und BDP wurden als Helden gefeiert, Rotgrün machte gleich mehrere Freudenhüpfer - bei Mitte-Links herrschte eine regelrechte Partystimmung.

Einzig FDP und SVP warnten davor, dass man den Atomstrom eben nicht so einfach und so schnell ersetzen kann, wie von Mitte-Lins behauptet wird. Ein solcher Ausstieg wäre extrem teuer (und zwar für den Steuerzahler) und nicht umweltverträglich.

Die Kapazitätserweiterung der Wasserkraft ist begrenzt, die Solarindustrie ist momentan in einem Tief (Marktbereinigung wegen eines Überangebots) und grundsätzlich ist auch der Spielraum bei den Erneuerbaren klar begrenzt. Wie soll man also die mindestens 40% AKW-Strom ersetzen?

  • Letztes Jahr hiess es noch: Umweltverträglicher, finanziell machbarer Atomausstieg.
  • Heute heisst es: 4-6 neue Gaskraftwerke.

Na dass ist aber mal ein Fortschritt. Der Autofahrer wird für jedes Gramm CO2 gebüsst und muss Abgaben bezahlen, der Schweizer Bürger achtet ohnehin bereits sehr auf den Ressourcenverbrauch (Licht in unbenutzten Räumen abschalten, kein Wasser vergeuden, Abfall trennen, etc.), aber 4-6 neue Gaskombikraftwerke in die Welt zu setzen - das ist dann ok?!

Es geht aber noch weiter: Wegen der eher geringen Stundenauslastung wären neue Kraftwerke äusserst unrentabel. Deshalb wären Subventionen des Bundes absolut notwendig - was wieder einmal den Steuerzahler belasten würde (bis zu 1.82 Rappen pro Kilowattstunde!!!). Gesamthaft ist mit einem Anstieg der Stromgebühren in Haushalten zwischen 30 und 90 Prozent zu rechnen, was bis zu über 400 Franken pro Jahr entspricht - absolut inakzeptabel! Und selbst das würde nicht reichen - zusätzlich müsste man auch den Stromimport (besonders im Winter) erhöhen und somit weiter an Souveränität preisgeben.

Es wurde letztes Jahr damit gesäuselt, die Milliarden der Quersubventionen würden in Grüne Energien fliessen - In der harten Realität fliessen sie aber in den Gasstrom, welcher nicht nur unrentabel, sondern auch umweltschädlich ist. Zwar werden auch die Subventionen für die erneuerbaren Energien (von 200 Mio. auf 800 Mio. CHF pro Jahr) und für die Energieeffizienz (von 300 Mio. auf 600 Mio. CHF pro Jahr) erhöht, doch diese Zahlen sind selbstverständlich bereits miteinberechnet - selbst mit solch enormen Investitionen kann man den Atomstrom nicht ansatzweise ersetzen.

Ich persönlich bin auch kein grosser Freund des Atomstroms, doch wenn man die Fakten einfach einmal sieht und auch anerkannt, dann muss man leider sagen: Wir brauchen eine neue Generation AKWs.

Den normalen Bürger für den CO2 Ausstoss massiv zu besteuern, gleichzeitig aber neue Gaskraftwerke zu bauen und diese noch zu subventionieren (+ die Steuern massiv zu erhöhen) und das Ganze als "finanziell machbarer", "grüner" Atomausstieg zu verkaufen ist absolut unhaltbar und eine reine Frechheit.

Quelle: http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/04/15/Schweiz/Atomausstieg-Leuthard-setzt-auf-umstrittene-Gaskraft?WT.zugang=front_top4

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