Thomas Minder, parteiloser Neo-Ständerat und Vater der Abzocker-Initiative, attackiert seine Kolleginnen und Kollegen auf beispiellose Art und Weise.

Laut heutiger NZZ und diversen online-Medien wird Minder wie folgt zitiert: Der Ständerat sei „ein Kindergarten“, „ein Streichelzoo“. Liberales Gedankengut sei praktisch inexistent. Viele Ständeräte reichten „Tubel-Vorschläge“ ein, die nur dazu dienten, Subventionen für ihre Kantone abzuholen. „Wo“, fragt Minder schliesslich, „ist bei den Mitgliedern der petite chambre die réflexion, auf die sie so stolz sind?“

Verbale Geisterfahrt

Was ist in Thomas Minder gefahren, dass er gegen seine 45 Kolleginnen und Kollegen einen derartigen Frontalangriff lanciert, den es in dieser Art und Weise bisher noch nie gegeben hat? Warum hat der parteilose Schaffhauser Ständerat, der von sich sagt, er habe keine Mandate und keine Interessenbindungen, immerhin aber zugibt, Mitglied des WWF (Riverwatcher), der Pro Natura, des VCS und von Greenpeace zu sein, kurz nach Ostern derart die Fassung verloren? Eigentlich müsste man Minders Rundumschlag ins Leere laufen lassen und dessen Pauschal-Schelte total ignorieren. Müsste, wenn da nicht der spezielle politische Stil, die achtsame, tolerante Kultur und der gegenseitige Respekt innerhalb des Stöcklis wären. Möglicherweise tragen diese Eigenschaften dazu bei, dass die Mehrheit sogar mit der einzigartigen verbalen Geisterfahrt von Thomas Minder fertig wird. Trotzdem ist es eine Art Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet der einzige Parteilose im Ständerat die jahrzehntelange Tradition und Werte missachtet. Und noch etwas scheint mir bemerkenswert: Hätte die SVP zu Beginn der neuen Legislaturperiode Thomas Minder nicht in ihre Fraktion aufgenommen, könnte er in gar keiner Kommission mitwirken. Dann wäre er schon zu Beginn in der absoluten Minder-heit gewesen. Wenn er so weiter macht, ist er auf dem besten Wege dazu. Trotz vier Vorstössen und 17 Wortmeldungen in den ersten beiden Sessionen…

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