Wie weit ist Abtreibung eine "Privatsache"? Einige Denkanstösse

Die Initiative ist zustande gekommen, irgendwann einmal - in gut-schweizerischem Tempo - wird sie zur Abstimmung gelangen.

In den letzten par Wochen habe ich mit mehreren, vor Allem mit Frauen aus dem rot-grünen Lager, über diese Initiative diskutiert. Je mehr ich diskutierte, Argumente hörte, mir Eigenes dazu dacht, desto eher tendiere ich zur Unterstützung der Initiative.

Warum?

Abtreibung sei KEINE "Privatsache", argumentieren viele Frauen, deshalb sollten die Kosten vin der Allgemeinheit, bzw. von der medizinischen Grundversicherung getragen werden.

Nun - wenn ich dieses Argument aufnehme, und frage, was denn der Vater (der seinerzeitige Sexualpartner) zu einem Abtreibungsentscheid zu sagen habe, stosse ich auf Unverständnis. "Mein Körper gehört mir", kriege ich zu hören.

Also DOCH "Privatsache"?

Der Vater, der GEGEN eine Abtreibung ist, ist absolut hilflos. Die Frau entscheidet, möge es ihn noch so schmerzen, möge es sein Gewissen noch so belasten. Wie würde ICH empfinden - frage ich mich - wenn eine Frau mein Kind abtreibt? Mir täte das weh. SEHR weh. Aber eben: Ich bin hilflos.

Der Vater hat nicht die Möglichkeit, der Mutter vorzuschlagen, dass sie das Kind zwar austrägt, er es danach aber übernimmt. Einige Väter haben bereits Kinder, sie hätten dann eines mehr - kein Problem. Doch eben: Wenn die Frau sich die 9 Monate Schwangerschaft nicht zumuten will, so kuckt er in die Röhre. Und wird - durch die erzwungene Mitfinanzieren (durch die KK) - sogar zum Mittäter.

Der Vater der FÜR eine Abtreibung wäre, hat genau so wenig zu sagen. Wenn die Frau das Kind austragen will, so darf er für die nächsten 2 Jahrzehnte bezahlen.

Die Väter sollen auch Verantwortung übernehmen, wird postuliert, allzu oft drückten sie sich davor. Ja, WAS FÜR eine Verantwortung denn? Sie haben gar keine Möglichkeit.

Und die Mutter?

So schwer ein solcher Entscheid für eine betroffener Frau fallen mag, es kommt zwangsläufig auf eines der folgenden zwei Szenarien raus: Entweder treibt sie ab, dann bezahlt der Staat (bzw. die oblig. Krankenkasse), oder sie treibt NICHT ab, dann bezahlt der Vater.

Der Entscheid ist PRIVAT, doch die Folgen tragen (zumindest zu einem grossen Teil) andere.

Nein, für mich stimmt das so nicht. Es ist weder logisch noch gerecht.

Ich werde die Initiative also unterstützen.

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