Märchenstunde auf Schweizer Strassen

Es war einmal, ist noch immer und wird wohl auch noch eine Weile so sein...

Die 2 Röhre

Quelle: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Zweite-Roehre-macht-Gotthard-nicht-sicherer-31684972

Lesen Sie den oben stehenden Text aufmerksam durch, speziell die Ausführungen von Konrad Graber (CVP). Man kann von einer 2 Röhre denken was man will, der Fokus sollte auf gewissen Aussagen liegen welche unsere Politiker Tag ein, Tag aus von sich geben. Es wird ernsthaft behauptet, dass Elektroautos gar nicht mehr brennen können - während Fahrzeuge mit einem konventionellen Motor sofort in Flammen aufgehen bei einem Unfall. Ich bin ja auch einer, der gerne mal einen Action-Film anschaut aber man sollte dies mit der Realität nicht vermischen.

Es ist schlicht gefährlich solche Falschaussagen als Fakten zu verkaufen. Egal ob Elektro, Benzin oder Diesel - alle Fahrzeuge können grundsätzlich brennen.
Wenn Sie also etwas gegen eine Brandgefahr tun möchten, dann führen Sie wie ich ein Feuerlöscher mit - ein Elektroauto ist kein Garant dafür nicht in einen Unfall mit Brandfolge verwickelt zu sein.

Im Text geht es um eine Studie welche besagt, dass eine zweite Röhre nicht zu weniger Unfällen führen würde. Für mich sind solche Studien total sinnfrei - warum gibt man Geld für sowas aus? Je höher die Frequentierung einer Strasse desto grösser ist das Unfallrisiko, das erscheint logisch aber sollte man deswegen etwa sofort alle Strassen abschaffen, so dass man höchstens noch mit Traktoren von A nach B kommt? Klar so kann man die Unfälle drastisch reduzieren, aber auch die Mobilität der Schweizer (was mit der Wirtschaft passieren würde muss ich wohl nicht ausführen um verständlich zu machen wie schlecht so eine Idee wäre). Unfälle passieren, das war schon immer so und wird auch immer so bleiben - eine 100% Sicherheit ist eine Illusion einer angstgeplagten Gesellschaft.

Des weiteren muss man sich fragen was sinnvoller ist, eine flüssige Verkehrsführung oder Kilometer langer Stau. Der Verkehr wird nicht so viel weniger in Zukunft, auch wenn man die Benzinpreise weiter künstlich erhöht und neue Steuern erfindet...

Kunstpreisinsel

Der Benzinpreis ist schon gefährlich nahe an der 2 Franken Grenze: "Immer noch zu wenig" - schreien viele ohne zu bedenken, dass 80% des Personen und Güterverkehrs auf der Strasse passiert. Der Link zwischen Benzinkosten und Transportkosten ist schnell gemacht und jener wird dann auf die jeweiligen Güter verteilt. Die gleichen Leute welche 'Mordio' gegen Auto und LKW schreien sind dann wiederum die ersten welche man von einer 'Hochpreisinsel' reden hört.

Warum ist der Preis eigentlich so hoch? Klar die Spannungen im Mittleren Osten können dazu beitragen aber hat man eine Entspannung gesehen als der US Dollar an Stärke verlor?
Wenigstens hat nun endlich der Konsumentenschutz Wind vom Treiben gekriegt... (Mehr zum Benzinpreis: http://www.politnetz.ch/beitrag/11273)

Bleiben wir bei den Treibstoffen; ich könnte auf ein Elektroauto umsteigen um meine Abhängigkeit von Benzin auf Strom zu verlagern. Würde dieser Trend Anklang finden, so würde plötzlich Geld in der Staatskasse fehlen weil schliesslich 50% des Benzinpreises an den Staat fliessen.

Werden wir dann wieder Opfer einer neuen Steuer? Eine solche künstliche Steuer wird bald Realität...

Die Rede ist natürlich von der Co2-Steuer und was viele wohl erst am 1.7 realisieren werden ist, dass sämtliche Fahrzeuge auf einen Schlag teurer werden.

Ein Produkt kann demnach über 30% teurer werden, ohne eine weitere Gegenleistung zu erbringen. Darunter fallen dann viele Kombis, SUVs und Limousinen.

Es werden all jene bestraft welche auf solche Fahrzeuge angewiesen sind (oder einfach nur Freude daran haben) und das sind nicht wenige in der Alpenrepublik. Was mich dabei am meisten stört ist die fehlende Alternative, denn wenn ich Dinge will wie: Reichweite, 4x4 und Ladekapazität, finde ich kein Elektrofahrzeug welches diese Aufgaben so erfüllt wie ein Benziner/Diesel.

Was mich ebenfalls stört ist die einseitige Betrachtungsweise. Hybrid und Elektro wird als Weltretter angepriesen obwohl dabei der Fokus nur auf dem fertigen Produkt liegen, nicht aber auf die Produktion und Entsorgung (sehr komisch wo doch gerade dieser Aspekt bei jedem anderen Thema immer ganz gross geschrieben wird).

Hier wird es interessant; für die Herstellung von Batterien ist man auf den Kupfer und Nickel Abbau angewiesen, aber auch auf den Abbau von Raren-Erd-Metallen - jene seltenen Erd-Metalle kommen ausschliesslich von China, weil diese den Markt durch tiefe Preise monopolisiert haben. Der Grund warum die Chinesen die Preise so tief halten können ist weil sie die ökologischen Schutzmassnahmen umgehen (Beispiel: Abbau-Prozess in der Bayan Obo Region).

Ich möchte in Erinnerung rufen was für ein Aufstand gerade im Bündnerland stattfindet weil eine Kanadische Firma Gold abbauen will - man hört (wieder mal) von Horrorszenarien welche ein ganzes Tal auslöschen und auf ewig verschandeln. Ich fasse zusammen: Vor der eigenen Haustüre ist das absolut inakzeptabel aber wenn sowas in China passiert ist es in Ordnung hier den Moralapostel und Weltretter zu mimen.

Zum Vergleich: Der Zielwert soll Mitte Jahr bei 130g CO2 liegen, dies entspricht einem Verbrauch von 5,4L Benzin oder 4,9L Diesel auf 100 Kilometer - einen Hybriden SUV mit 10L Verbrauch zu fahren können Sie sich also abschminken. Nun überlegen Sie sich mal wie viel Ihr Fahrzeug auf 100km benötigt.

Alles was drüber ist muss ordentlich drauf zahlen - ein Preisdiktat sondergleichen. Die Anbieter von Nischenfahrzeugen welche in der Schweiz nicht offiziell angeboten werden, müssen die Strafsteuer 1:1 auf den Kunden überwälzen. Der Grosshändler hat dort viel eher etwas Spielraum aber es dürfte auch für ihn nicht sonderlich lukrativ sein und somit wird der Preis ebenfalls auf den Kunden abgewälzt. Dies wird einige aus dem Geschäft drängen, besonders jene welche die Autos bis jetzt zu einem attraktiven Preis anbieten konnten gegenüber der europäischen Konkurrenz. Tja, auch Ihr Subaru Kombi wird teurer und nicht nur der Ferrari von Ihrem alten 'Schul-Gspändli'. Anstelle eines Anreizes werden Verbote und Strafzahlungen, welche an Wucher erinnern, erlassen - das ist eben typisch Schweizerisch - ein Abrutsch in die Denunzianten-Gesellschaft.

Einbahn

Wer täglich auf den Schweizer Strassen unterwegs ist wird sich an 2 Dinge sehr schnell gewöhnen: Stau und Baustellen. An sich wäre dies kein Problem wenn es bei diesen eine weitere Verbindung als nur die Ursache gäbe.

Man erhofft sich jeweils, dass bei den vielen Baustellen die Kapazität ausgebaut werden würde, aber dies ist nicht der Fall. Sobald die Baustelle weg ist wird der Stau bleiben, weil unsere Strassen zu wenig Fassungsvermögen haben um dem Andrang Herr zu werden.

Um mal in die selbe Kerbe zu schlagen wie die ganzen Weltuntergangsprediger: Anstelle die Kapazität auszubauen macht man Auto fahren immer teurer bis man auf unseren Strassen nur noch den Durchgangsverkehr von anderen Ländern sieht weil es sich die Einheimischen nicht mehr leisten können.

Man verschwendet zu viel Zeit und Geld damit schöne Randsteine und Inseln zu machen anstelle einer breiteren Spur oder einem zusätzlichen Fahrstreifen. Im Strassenbau muss Funktionalität höher gewertet werden als Ästhetik. Eine Autobahnausfahrt mit mehreren Verzweigungen am Ende muss nicht rechts und links schön verziert sein, sondern möglichst früh auf 2 Spuren aufgeteilt werden um die Fahrzeuge besser zu absorbieren.

In der Zentralschweiz soll der Autobahnanschluss Emmen Nord wieder geschlossen werden obwohl man schon Lärmschutzwände gestellt hat, dies zeigt einmal mehr auf wie planlos die Schweiz im Bezug auf Verkehrsfragen ist. Ich nenne sowas Arbeitsbeschaffung und Misswirtschaft... apropos Misswirtschaft...

Mit Sicherheit keine Sicherheit

Wenn wir in der Zentralschweiz bleiben lernen wir, dass die Luzerner Polizei 4.1 Millionen mehr Einnahmen aus Bussen generieren muss. Bis jetzt dachte ich, dass die Polizei für unsere Sicherheit und Schutz da - im Dienste der Öffentlichkeit. Besonders wenn man bedenkt, dass die Anzahl Einbrüche zugenommen hat wie die Polizeiliche Kriminalstatistik von 2011 zeigt. Im Moment wirkt die Polizei aber mehr wie eine Firma welche Gewinn abwerfen muss und dies um jeden Preis. Wer also zukünftig 5 Minuten zu lange parkiert hat bestimmt eine Busse unter dem Scheibenwischer und 2 Polizisten ums Auto, während gelangweilte Jugendliche gerade ein Haus ausräumen - na da bin ich froh um die Sicherheit!

Das ganze würde nicht ganz so lächerlich wirken, wenn man zur gleichen Zeit davon absieht ein Helm-Obligatorium für Radfahrer einzuführen. Helme schützen nachweislich sehr gut bei einem Sturz, weshalb man jedoch absieht den schwächsten Verkehrsteilnehmer mit einer solch simplen Massnahme zu schützen ist mir ein Rätsel. Man will Radfahrer nicht unnötig schikanieren, kann ich selbiges als Motorradfahrer und Autofahrer geltend machen? Die Geschwindigkeit kann kein Grund sein, denn ein Fahrrad kann technisch ebenfalls 50 oder 30 Km/h erreichen - darf also der Autofahrer in der 30er Zone die Gurte ablegen und der Motorradfahrer den Helm ausziehen?

Es wird wohl nirgends sonst mit 2 Ellen gemessen als im Schweizer Strassenverkehr - zu viele Missstände und eine verfehlte Politik machen die ganze Misere möglich. Es fängt bei Prüfstellen und dem Verkehrsgesetz an und hört beim Strassenbau auf.

Und wenn wir nicht gestorben sind...

Dann auferlegen wir uns als Alpennation Strafen auf Fahrzeuge welche nun mal benötigt werden und schikanieren somit einen Teil der Gesellschaft oder lauschen der Angst- und Panikmache Politik unser Weltuntergangspropheten obwohl nicht ein Szenario eingetreten ist.

Die freie Wahl von einem Verkehrsmittel zu einem fairen Preis sollte doch jedem Bürger freigestellt sein. Warum muss jede Diskussion immer vor Neid und Missgunst triefen wenn es um das Thema Fortbewegung geht? Diese Extrem-Politik ist schändlich und schädlich für unser Land. Wer ein begeisterter ÖV-Benutzer ist darf das gerne sein, ich finde das toll - aber ich finde es auch toll wenn jemand ein begeisterter Autofahrer ist.

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