"Adieu" dans le canton Zurich: Niveausenkung bei unserem Schulsystem

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Wohlgemerkt, es sind vorerst nur Pläne: In Zürich soll der Französischunterricht für einige Schüler abgeschafft werden, nämlich für jene Schüler, welche Mühe in den anderen beiden Basisfächern Deutsch und Mathe haben.

Ich kann diese Denkweise einfach nicht verstehen - Ein gewisses Fach scheint (so wie es aussieht eigentlich in der ganzen Deutschschweiz) gehasst zu werden. Die Leistungen sind mancherorts auch nicht optimal - "gut dann lassen wir es sausen."

Anstatt die Probleme zu beheben und auch auf einen Dialog mit den Schülern zu setzen, läuft man davon. Man schaut weg. Man macht es sich einfach. So weit sind wir schon bei unserem Bildungssystem, ich persönlich finde diesen Zustand wirklich bedenklich und dies aus folgenden Gründen:

  • Französisch ist eine Landessprache der Schweiz. Wer kein oder extrem schlecht Französisch kann, ist später im Berufsleben eindeutig im Nachteil, denn für viele Stellen werden Französischkenntnisse vorausgesetzt.
  • Die Kinder lernen in der Schule "gratis" eine neue Sprache. Eine solche Gelegenheit erhält man nur einmal im Leben, nämlich während der Schulzeit.
  • Setzt man nun den Französischunterricht für einige Kinder aus, werden sie später diese Lücke wohl oder übel selbst nachholen und zwar mit dem eigenen Geld, durch einen Sprachaufenthalt (welchen man ja auch verwenden könnte um nach Afrika, Asien, USA, Australien, usw. zu reisen) und vor allem: Es ist erwiesen, dass Kinder lernfähiger sind als Erwachsene - Kurz; man wird es nie wieder so einfach haben Französisch zu lernen, wie in der Schule.
  • Durch ein Aussetzen des Französischunterrichts wird die "Röschtigraben-Mentalität" stark unterstützt. Wenn man nicht einmal mehr eine zweite Landessprache kann, gibt dies einem immer wie mehr das Gefühl "der einzig echte Teil" der Schweiz zu sein. Man hat Mühe sich mit Französisch Sprechenden abzufinden, sie zu verstehen und zu akzeptieren.

Als Optimist will ich nun aber trotzdem noch ein paar positive Aspekte ansprechen:

Das Problem wurde erkannt: Französisch wird von vielen Schülern gehasst und es werden vielerorts nicht wirklich gute Leistungen erbracht. So zum Beispiel auch in unserer Klasse, wir hatten im letzten regulären Zeugnis vor der Matura einen Notenschnitt von etwa 3.6 - als Klassenschnitt! In anderen Parallelklassen sah es auch nicht anders aus.

Nun sollte man besser überlegen, weshalb es diesen Zustand flächendeckend gibt und was man dagegen unternehmen kann. Aus meiner Sicht ist das Erlernen einer zweiten Landessprache eine Pflicht. Es gehört aus meiner Sicht hier in der Schweiz zur Allgemeinbildung. An der Allgemeinbildung auf der Sekundär- und Gymnasialstufe dürfen wir, speziell in so einem wichtigen Fach, doch nicht abbauen. Oder wie stellen sich die Bildungsdirektoren dann die Matura vor? Wird da Französisch plötzlich nicht mehr geprüft? Wenn ja, wie um alles in der Welt sollen jene dort noch auf einen grünen Zweig kommen, welche auf der Sekundarstufe kein Französisch mehr hatten? Und es kommt ja wohl niemanden in den Sinn Deutsch, Mathe oder Biologie einfach aus dem Lehrplan zu streichen - wieso dann Französisch?

Wohlgemerkt, nur Schüler, welche Probleme in Deutsch und Mathe haben, könnten von der neuen Regelung profitieren. So wird das Problem aber lediglich verschoben und nicht gelöst. Anstatt bei einem anderen Fach abzubauen, sollte man halt das Pensum erhöhen. Während der Sekundarstufe hat man oftmals noch 1 oder 2 Nachmittage frei, an anderen Nachmittagen bereits um 15:30 o.ä. Schulschluss. Zeit zum investieren wäre allemal vorhanden, egal bei welchem Fach. Wenn das Problem also wirklich so gross ist, dann könnte man ja auch auf eine solche Lösung zurückkommen. Mit dem Abbau von ganzen Fächern werden den Schülern noch bevor sie es realisieren Möglichkeiten gestohlen - wie will man ohne Französischkenntnisse das Gymnasium bestehen? Oder Studieren (besonders in der Westschweiz)?

Abschliessend muss ich einfach sagen, dass sich die Verantwortlichen in Zürich bei dieser Lösung am falschen Ort ansetzen. Sollte diese neue Regelung tatsächlich in Kraft treten, würde nicht nur Französisch als Sprache noch unpopulärer in der Deutschschweiz werden und andere Kantone in der Deutschschweiz könnten ein ähnliches oder das selbe System übernehmen wollen.

Manchmal muss man halt einfach ein bisschen kämpfen und auch Sachen erlernen, welche einem nicht gefallen und nicht auf den ersten Blick passen. Auch ich mag Französisch als Sprache überhaupt nicht, ich bin aber froh, heute gut Französisch sprechen zu können, denn man weiss als Schüler (und auch später) nicht, welchen Beruf man später ausüben einmal ausüben wird oder wo man arbeiten wird. Besonders in der kleinen Schweiz wird die Chance wohl gross stehen, öfters mit dem Französisch in Kontakt zu kommen, als einem lieb ist. Es ist daher essenziell, möglichst viele Landessprachen zu können - nicht nur wegen der Allgemeinbildung.

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