Wer erkämpft sich das nächste Break?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Ich bin nebenberuflich auch als Tennislehrer tätig und ich hoffe auch Sie verstehen ein bisschen etwas von den für aussenstehende kompliziert erscheinenden Regeln.

Ein Break ist nicht etwa eine Pause, sondern im Tennis bezeichnet man ein Break als Service-Durchbruch. Der Service gilt auf einem höheren Niveau als Vorteil (und nicht wie auf tieferem Niveau als Nachteil, da vermeintlich schwierigster Schlag). Wenn man es als Returner nun schafft, dem Gegenspieler das Game abzunehmen, in welchem er serviert, so bezeichnet man dies als Break - dies ist ein grosser Schritt in Richtung Satzgewinn, denn nun muss man theoretisch nur noch die eigenen Aufschlagspiele halten und der Satz ist gewonnen.

Vielleicht sind ihnen auch Namen wie John Isner und Ivo Karlovic bekannt. Es sind sogenannte Aufschlagriesen, beide weit über 2 Meter gross. Erst kürzlich vor ein paar Wochen spielte Isner gegen Federer im Davis-Cup in Freiburg - und gewann! Nun spielten sie letzte Woche in Indian Wells wieder gegeneinander - und Federer gewann. Sie sehen, Grösse und Kraft alleine spielen im Tennis eine grosse Rolle, doch andere Faktoren wie der "Killer-Instinkt", Ballgefühl, Talent, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Spielübersicht spielen eben auch eine Rolle.

PS: John Isner ist einer der Marathon-Spieler, welche am Wimbledon in 2010 das längste Tennis-Match der Geschichte gespielt haben.

Wo ist nun der Link zur Politik?

Nun, die EU, geben wir ihr einmal liebevoll den Übernamen "John Isner", ist gross und stark. Isner ist weit bekannt und bereits vor einem Match schlottern so manch einem Spieler bereits die Knie. Unsere "Spieler" nennen sich aber nicht Federer, nein, sie nennen sich Schneider-Ammann, Burkhalter, Sommaruga und co.

Selbst Federer hat einen gewissen Respekt vor Isner, er selbst sagt immer wieder, dass er sein Spiel nicht mag. Und trotzdem legt er sich einen Plan zurecht und versucht alles daran zu setzen, um am Ende auch zu gewinnen. Und Federer führt im Head-to-Head mit 3 Siegen und eben der einen Niederlage.

Sie haben die Anspielung wohl längst verstanden - die Schweiz hat das Potential eines Federers, versteckt sich aber aus Angst und "spielt" tatsächlich auf einem Niveau eines Nobodys. Da ist es logisch, dass der aufschlagstarke Isner, pardon, EU, voller Selbstvertrauen auf den Platz läuft und uns ein Ass nach dem anderen reinknallt. Und anstatt etwas an der Taktik und an der Einstellung etwas zu ändern, machen wir seit Jahren immer gleich weiter - unsere Head-to-Head-Statistik sieht absolut miserabel aus.

Man erinnert sich nur an die letzten "Einigungen", welche im Fluglärmstreit und mit dem IWF erzielt worden sind. Derweilen will unsere Regierung Entwicklungshilfe nicht mit der Kooperation im Asylbereich verlinken, sondern immer mehr fürs Ausland ausgeben und gleichzeitig müssen wir in der Schweiz immer mehr sparen. Zahlungen an den IWF "in unbestimmter (Milliarden?)höhe" sind selbstverständlich, aber die eigenen Sozialsysteme revidieren, alle 25 Jahre neue Kampfjets kaufen oder unsere Infrastruktur ausbauen - dafür müssen wir sparen. Schengen/Dublin funktioniert nicht, und kaum ein Land hält sich noch an die Vereinbarung, die Einwanderung ist nicht mehr steuerbar und man hat bemerkt, dass der versprochene Schutz Namens Ventilklausel gar nichts bringen würde, währenddem immer mehr marode Staaten in die EU aufgenommen werden und demnach auf die PFK erweitert werden.

Aus aktuellem Anlass fand gestern eine Arena zum Thema "EU" statt:

Weil es sich abzeichnet, dass die EU immer wie offensichtlicher den Bach herunter geht, ist es nun logisch, dass sie versucht an den Wohlstand anderer Staaten zu gelangen. Zum Beispiel an den Wohlstand der Staaten, welche nicht in ihrem maroden Gebilde sind - wie zum Beispiel die Schweiz. Halb Brüssel täupelt, währenddem die Milliardenzahlungen an Griechenland nicht aufhören wollen und trotzdem nichts bringen, die Finanzlage in anderen Ländern wie Italien, Spanien und Portugal ebenfalls mehr als nur bedenklich ist und es der Schweiz scheinbar immer wie besser geht. Die Strategie funktioniert nicht und anstatt grundlegende Fehler zu beheben, die eigenen Regelungen und Gesetze einzuhalten (von welchen die Schweiz erwartungsgemäss alle einhält), wirft man einfach mal nach dem Nachbar.

Die Technokraten aus Brüssel verwenden dazu Worthülsen und intelligent und harmlos daherkommende Begriffe wie "institutionelle Fragen". Dabei handelt es sich um nichts anderes, als um die Thematik, ob die Schweiz automatisch sämtliches EU Recht übernehmen soll oder ob ein europäisches Verfassungsgericht über unser Recht entscheiden soll. Gleichzeitig hatte der neue EU-Botschafter Jones einen denkbar schlechten Matchstart und kassierte beim Schweizer Volk wohl gleich im ersten Game ein Break - zu Null.

Das Parlament und besonders der Bundesrat haben einen Eid abgelegt, dass sie die Interessen der Schweiz in jeder Hinsicht mit all ihren Möglichkeiten wahren und vertreten. Nur war von einer solchen Haltung in letzter Zeit wirklich nicht mehr viel zu sehen.

Was bedeutet das Wort "bilateral" überhaupt? Es bedeutet nichts anderes, als zweiseitig, bzw. im Kontext: Gegenseitige Abkommen. Oder anders formuliert, es sind Abkommen, von welchen beide Seiten profitieren sollten. Da ist es logisch, dass die Schweiz auch einmal ein schmerzhaftes Abkommen schlucken sollte, um bessere Karten bei einem anderen Abkommen zu haben. Nur - wo sind letztere Geblieben? Schon wieder kassieren wir ein Ass...

Nun sind wir am Zug, Pardon, am Aufschlagen. Wir haben die Zügel, nein sorry, den Vorteil in der Hand. Es geht nun darum, über Abkommen zu sprechen, welche für uns nicht vorteilhaft sind oder nicht so funktionieren, wie wir es gerne wollen. Zum Beispiel die "Lieblingsabkommen" der SVP wie Schengen/Dublin und die PFK. Aber es gibt natürlich weitere Abkommen wie die Regelungen zum Luft- und Transitverkehr über und durch die Schweiz. Forschungsabkommen, Freihandelsabkommen - aus absolut natürlichen Gründen sind EU und Schweiz in sämtlichen Punkten darin interessiert, in jedem Fall nur das Beste für das eigene Land herauszuholen.

Es ist doch nur logisch, dass wir über solche Abkommen zumindest sprechen können oder dürfen. Es ist nichts anderes als logisch, dass wir Abkommen, welche chaotische Ausmasse erreichen, neu verhandeln oder notfalls kündigen sollten. Im Gegenzug sollten wir diese Offenheit auch von der EU akzeptieren und erwarten. Gesetze, welche allen Parteien helfen, dürfen ruhig ohne bürokratischen Mehraufwand übernommen werden, das stört ja wohl niemanden.

Bei Abkommen, welche aus Sicht der EU nicht optimal sind, da darf auch ruhig einmal die EU bei uns auf der Matte stehen und das Unbehagen ausdrücken. Leider ist der umgekehrte Fall praktisch nie Realität - die EU steht Tag ein Tag aus vor unserer Haustür und fordert uns für ein Match heraus, anschliessend kassieren wir ein Break nach dem anderen und wenn es darum geht den Schaden zu minimieren und wir die Gelegenheit hätten unsere Interessen der EU mitzuteilen, Sie dürfen drei Mal raten: Richtig, dann kommen plötzlich die Doppelfehler. Darüber kann die EU nur lachen, ein respektvolles Auftreten auf gleichem Niveau sieht da anders aus.

Und so reiste auch dieses Jahr eine Hand voll Politiker nach Brüssel. Ob es dieses Mal wenigstens keine Doppelfehler hagelt und sich Frau EWS und Burkhalter wenigstens halbwegs bis zum nächsten Seitenwechsel behaupten können, steht in den Sternen. Die Zeichen stehen aber schlecht.

Nun, anscheinend haben weite Teile unserer Politiker kein Ballgefühl und absolut kein Talent auf dem Platz. In diesem Fall muss das Publikum, also das Volk, zur Tat schreiten. Anstatt wie die EU zu täupeln, legt die SVP dem Volk Lösungen vor. So wurde innert rekordverdächtigen Zeit weit mehr als die nötigen 100'000 Unterschriften gesammelt und die "Masseneinwanderung-Stopp" Initiative wurde eingereicht.

Wir fordern nichts anderes als eine Neuverhandlung der PFK - notfalls auch eine Kündigung. Wir wollen nichts anderes, als über ein Abkommen zu diskutieren, welches nicht mehr so funktioniert, wie wir es wollen oder wie wir es vor dem Abschluss vorausgesehen haben.

Nun behaupten die Gegner, die Guillotine-Klausel würde die ganzen Bilateralen I gefährden. In diesem Fall haben wir nur ein Problem: Jene Personen, welche die Bilateralen I ausgehandelt haben, haben auf ganzer Linie versagt. Niemand kommt doch auf die irrsinnige Idee einen Staatsvertrag so auszulegen, dass die eine Partei der anderen unterworfen ist und keine Möglichkeit hat, den Bedingungen abzuändern, falls Probleme auftreten - ausser die Schweiz.

Nun ist es Zeit die Notbremse zu ziehen und neue Verträge auszuhandeln, welche nicht aneinander gekoppelt sind und jederzeit wieder neu verhandelt werden können. Wenn dadurch die alten Verträge aufgekündigt werden müssen - bitte, nur zu. Auch diese kann man neu verhandeln.

Dazu brauchen wir aber eine starke Regierung und starke Bundesräte, sonst drohen wir Gefahr unsere Situation zu verschlimmbessern. Wir müssen beginnen uns auch auf unsere Stärken zu besinnen. Der Aufschlag mag vielleicht nicht unsere Stärke sein, doch vielleicht ist es die Ausdauer? Die Spielübersicht? Gute Volleys? Wir müssen beginnen, unsere Taktik dem Gegenspieler anzupassen. Wenn man seine Taktik anpasst, muss man Stärken und Schwächen abwägen.

Wo liegen denn nun die Stärken der Schweiz? Wir haben ein Transitverkehrabkommen, über uns verlaufen drei zentrale Luftlinien, wir sind nach den USA und China Handelspartner Nr. 3 der EU und in so manch einem Forschungsabkommen wird wohl auch die EU von der Schweiz profitieren, ganz zu Schweigen vom neu zu verhandelnden Stromabkommen. Die Schweiz hat eben auch gewisse Stärken und diese müssen wir in Zukunft auch ausspielen.

Italien hält sich nicht an Schengen/Dublin? Keine neuen Verträge, bis sich dieser Zustand ändert, bis dahin werden die Grenzkontrollen wieder eingeführt! Anflüge auf Kloten sollen vermehrt über die Schweiz erfolgen? Dann sprechen wir in Zukunft halt auch einmal über die Zahlungen an den IWF! Die PFK ist nicht verhandelbar? Dann sprechen wir auch mal gerne über die hunderttausenden von Grenzgängern, welche für unsere Wirtschaft zwar nötig sind, aber Lohndumping zur Folge haben, unsere Infrastruktur belasten und in Grenzregionen den Schweizern den Job wegnehmen und gleichzeitig (da Wohnsitz in EU-Ländern) Frankreichs, Italiens, Deutschlands und Österreichs Konsumwirtschaft ankurbeln und brav ihre Steuern bezahlen können!

Gefühlsmässig empfinde ich persönlich das Auftreten der EU als immer wie arroganter, herablassender und totalitärer und gleichzeitig scheinen unsere Bundesräte immer wie öfters hinter den Kulissen still mit dem Kopf zu nicken (man nennt dies auch "verhandeln") und anschliessend mit strahlendem Gesicht der Presse die neue, sagenhafte "Einigung" zu präsentieren.

Die entscheidende Frage lautet nicht, wann "der Federer in unserer Regierung" erwacht, sondern wann wir das nächste Break kassieren. Dabei muss die EU eigentlich gar nicht viel unternehmen, wir schlagen uns mit unseren Doppelfehlern selbst. Der Match in Brüssel läuft...

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