E-Voting: Ein System mit unglaublichem Potential

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Heute ist mir dieser Artikel auf 20min.ch aufgefallen. Bekanntlich wurden am letzten Abstimmungwochenende Tests zum Online-Voting durchgeführt.

"Experten" und Kritiker laufen nun Sturm, das System sei unsicher und bereits veraltet (?!) .

Fakt ist: Das System hat gerade mal einen einzigen Fall ermitteln können, bei welchem eine Stimme zwei Mal abgegeben wurde, der Fehler wurde automatisch behoben.

Ich sehe hier das Problem nicht: Das ist ja der bestmögliche Fall, der hätte eintreten können. Zu 99.99% funktioniert das System und falls doch ein Fehler auftritt (was ja eben geschah), reagiert das System wie geplant und behebt diesen Fehler gleich wieder.

Damit kann man abschliessend sagen, dass bei diesem Test das Ergebnis des E-Votings zu 100% exakt und fehlerfrei funktioniert.

Diese Aussage muss nun gesamthaft relativiert werden: Ganz ohne Fehler ist kein System, auch nicht das E-Voting. Ein Systemfehler oder eine andere Panne kann man nie ausschliessen. Das ist bei der herkömmlichen Form im Abstimmen, Wählen und Auszählen aber auch der Fall - und zwar ist dort die Gefahr vermeintlich sogar noch grösser. Nicht umsonst übernehmen immer wie öfters Computer monotone und trotzdem auf Präzision angewiesene Vorgänge. Seien es nun Berechnungen, Auszählungen, der Autopilot im Flugzeug oder das Erkennen von Verhaltensmustern.

Unsere Welt wird immer weitere technisiert und elektrisiert - bei den "alten Hasen" mag dies auf Ablehnung stossen, besonders wenn man aus einer Zeit vor dem Fernseher und vor dem Zeitalter des Computers und Handys stammt. Diese Skepsis ist verständlich und auch berechtigt.

Es ist nicht auszuschliessen, dass man in ein paar Jahren nicht nur online auf dem Computer, sondern auch auf dem Smartphone oder Tablet abstimmen und Wählen kann. Ein schier unglaublicher Gedanke.

An dieser Stelle ist die Skepsis bezogen auf die Sicherheit natürlich berechtigt. Praktisch jedes System kann gehackt oder missbraucht werden. An dieser Stelle muss man aber auch daran erinnern, dass wir bereits heute Online-Banking haben (und dies bereits seit mehreren Jahren) und auch das Online-Shopping per Kreditkarte funktioniert einwandfrei. Ja sogar die Steuererklärung kann man seit ein paar Jahren auch online ausfüllen.

Unter diesen Voraussetzungen hat man also bereits extrem sichere Systeme, welche funktionieren - ein ähnliches System für Abstimmungen und Wahlen zu erstellen sollte demnach möglich sein.

Und ich denke hier nicht nur an ein System für AuslandschweizerInnen, sondern auch für uns "normale" Bürger hier in der Schweiz. Der Bürger wird immer wie bequemer, wenn möglich kauft und shoppt man heute nicht mehr zwingend in der Stadt, sondern Zuhause am Computer. Die Bestellung kommt dann wenige Tage später bequem an die Haustür geliefert.

So scheinen auch Wahlen und Abstimmungen besonders für Einsteiger und Neulinge in der Politik und speziell auch für junge Menschen ein Problem zu sein: Der ganze Papierkram und die trägen Formulierungen schrecken auf den ersten Blick einfach ab, die ganze Geschichte ist einfach zu umständlich.

Könnte man nun für jede Vorlage und für alle Wahlen (kommunal, kantonal, national) auch online abstimmen, so kann man die Informationsbeschaffung und das Abstimmen/Wählen gleich verbinden - und zwar interaktiv und ganz bequem von Zuhause aus, ohne grossen Aufwand.

E-Voting, E-Shopping, E-banking usw. sind deshalb aus meiner Sicht eindeutig Zukunftsmodelle, welche unseren Alltag grundlegend verändert haben und auch in Zukunft immer wie tiefgreifender verändern werden.

Zuletzt könnte das E-Voting auch dazu beitragen, dass die Wahlbeteiligung grösser wird und besonders junge Menschen (welche ja statistisch gesehen viel weniger oft abstimmen, als die ältere Generation) Interesse an der Politik bekommen. Auch aus Sicht der Bürokratie könnte man sicherlich hErfolge verbuchen; Die Stimmen können nicht nur schneller und exakter ausgezählt werden, sondern auch andere Daten wie Geschlecht, Alter, Partei, Wohnort, etc. könnten durch eigene Profile relativ schnell ausgewertet werden (wenn nicht sogar automatisch) und zwar ohne die Privatsphäre zu verletzen. Auch die graphische Darstellung könnte dadurch extrem erleichtert werden.

Rundum: Ich bin eindeutig für E-Voting in der Schweiz, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und würde ein Gesamtschweizerisches System "für jedermann" befürworten. Es wird Zeit, dass wir nicht nur mit der Zeit gehen, sondern dass wir auch die technischen Erneuerungen und deren Potenzial zu verstehen und zu nutzen beginnen!

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