Raserinitiative - ein gut gemeinter Schuss in den Ofen

Vorweg - ich bin selbst begnadeter Autofahrer. Jeden Tag lege ich ca. 150km auf unseren Schweizer Strassen zurück. Und ich sehe es jeden Tag von neuem - es muss etwas getan werden gegen gewisse Personen, denen man den Führerschein am besten nie erteilt hätte.

Doch die Raserinitiative ist meiner Meinung nach der Falsche Weg zu einem wichtigen Ziel. Meine Argumentation in einem Satz:

Wer sollte härter bestraft werden - jemand der Nachts auf einer einsamen Landstrasse mit 140 km/h fährt oder jemand der über die Mittagszeit mit 70 km/h durch eine unübersichtliche Quartierstrasse fährt auf der Kinder spielen?

Ist es denn so schlimm, wenn Jugendliche auf einer Industriestrasse ihre getunten Autos testen? Mal ehrlich - haben Sie nicht in Ihren jungen Jahren alle ähnliche Dinge getan, ohne jemals daran gedacht zu haben, wegen so etwas ins Gefängnis zu müssen? Wieso werden Radaranlagen immer da aufgestellt, wo am meisten Leute 5 - 10 km/h zu schnell fahren, anstatt vor einem Kindergarten? Ganz einfach, der Staat kassiert lieber 50 Bussen pro Stunde von "unschuldigen" als 5 Bussen von wirklich gefährlichen Autofahrern.

Wir sind uns einig - gefährliche, naive und schlichtweg dumme Autofahrer gehören nicht auf die Strasse. Aber kann man dieses Ziel erreichen, indem man die Autofahrer in Kategorien anhand der gefahrenen Geschwindigkeit einteilt?

Ich mache mir Gedanken, welche Verhaltensweisen wirklich gefährlich sind:

  1. Nicht anpassen der Geschwindigkeit an die Verhältnisse (Wetter, Umgebung, Verkehrsaufkommen, etc.)
  2. Ablenkung in Form von SMS schreiben, Zeitung lesen, etc.
  3. Verkehrsbehinderung durch Traktoren welche durch den Berufsverkehr fahren, durch Personen welche sich nicht getrauen 80 zu fahren, durch ständiges fahren auf der linken bzw. der mittleren Fahrspur (dadurch werden riskante Überholmanöver und Drängelei provoziert, die Autofahrer werden genervt und fahren riskanter)
  4. Stau, Auswirkungen siehe Punkt 3
  5. Nicht für den Strassenverkehr geeignete Personen, z.B. zu ängstliche oder zu alte und daher gesundheitsbedingt nicht fahrfähige Personen
  6. Personen welche unter Drogen stehen
  7. Nicht vorausschauendes Fahren

Diese Liste könnte man wohl beliebig erweitern. Und nun machen Sie sich mal Gedanken über unsere bestehenden Gesetze bzw. über die Raserinitiative - werden oben genannte Punkte wirkungsvoll verhindert bzw. bestraft? Grösstenteils nicht oder zu wenig.

Um einen sichereren und gleichzeitig effizienteren Strassenverkehr zu erhalten, brauchen wir keine Raserinitiative. Wir brauchen eine Revision des SVG. Aus meiner Sicht wirkungsvolle Massnahmen wären beispielsweise folgende:

  • Geschwindigkeitsbussen werden abgeschafft bzw. in Kategorien eingeteilt. Wer andere gefährdet sollte massiv höher bestraft werden, als jemand der zügig vorankommen möchte, unabhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit.
  • Strafen und Ausweisentzüge nach Unfällen und anderen Vergehen sollten mit gesundem Menschenverstand verteilt werden. Wer trotz angepasster Geschwindigkeit auf Eis von der Fahrbahn abkommt, sollte weniger hart bestraft werden, als jemand der trotz Aquaplaning Gefahr mit 140 über die Autobahn brettert.
  • Verkehrsbehinderung und Gafferei sollte hart bestraft werden. Es müssen Gesetze eingeführt werden, die die Durchsetzung dieser Bestimmungen erzwingen.
  • Wer einen Führerschein hat, muss sich regelmässig je nach Alter verschiedenen Tests unterziehen
  • Wer unter Drogeneinfluss fährt sollte hart bestraft werden und im Wiederholungsfall den Führerschein für immer verlieren

Zusammenfassend - im Strassenverkehr muss bei der Bestrafung, Präsentation und bei Bussen besondere Gewichtung auf die Umstände und die Ursachen von schwerwiegenden Unfällen gelegt werden. Eine Kategorisierung macht Delikt ist unverhältnismässig, bestraft grösstenteils die Falschen und lässt viele gemeingefährliche Fahrer weiterhin auf die Strasse.

Unser SVG ist überhaupt nicht optimal - da stimmen Sie mir hoffentlich zu:

Ein guter Freund von mir wird wohl bald seinen Führerschein für ein Jahr abgeben müssen, ein verkehrspsychologisches Gutachten erstellen und die Prüfung wiederholen müssen. Zudem musste er insgesamt ca. 5000.- CHF an Bussen und Verfahrensgebühren bezahlen. Was er getan hat? Er wich einem Tier auf der Fahrbahn aus und landete in der Wiese. Ein halbes Jahr später übersah er eine Temp 30 Tafel und wurde mit 54 km/h geblizt. Kommentar der zuständigen Person auf dem STVA? "Ja, da haben Sie halt Pech gehabt".

Ein nicht so guter Freund, aber leider auch Bekannter von mir fährt seit 2 Jahren Auto. In dieser Zeit hat er 4(!!) Unfälle verursacht, fährt andauernd unter Drogeneinfluss und es wird wohl eine Frage der Zeit sein, bis er jemanden umbringt. Seine Strafe? Na keine, er bedroht die anderen Fahrer nicht die Polizei zu rufen und rast statt über die Hauptstrasse auf welcher geblitzt wird durch irgendwelche Quartierstrassen.

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