Der Heimatschutz ist bald nicht mehr tragbar! Unglaubliches spielt sich derzeit in Biel ab...

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Dem Titel bereits zu entnehmen: Ja ich bin sichtlich genervt, eigentlich sehr nahe einer Explosion. Und ich bin nicht der Einzige. Von Rechts bis Links rauft man sich die Haare über den Heimatschutz, welcher anscheinend jeglichen Menschenverstand verloren hat.

Aber alles schön der Reihe nach.

Ich habe meine Matura im Seeland Gymnasium "Strandboden" in Biel gemacht. Die Anlage wurde meines Wissens irgend einmal in den 70ern gebaut. Ursprünglich war es für eine Kapazität von ein paar hundert Schülern ausgelegt. Die Schule mit den drei Gebäuden plus Turnhalle ist mittlerweile aber massiv überfüllt, über 1'000 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule mittlerweile - und es werden immer wie mehr. Ein Neubau und eine Komplettsanierung sind längst überfällig.

Wieso?

  • Kapazität ist erreicht
  • Enorme Energieverschwendung, da kein einziges Fenster geöffnet werden kann und somit im Winter enorm geheizt werden muss und umgekehrt im Sommer extrem gekühlt werden muss.
  • Im 2010 löste sich an der Fassade eine tonnenschwere Platte und stürzte auf den Pausenhof, es wurde niemand verletzt.
  • Einrichtung ist veraltet, zu wenig Schulräume, zu kleine Korridore und Treppen, Cafeteria ist überfüllt.
  • Da nahe am See gelegen, bereits mehrmals Wasserschäden, da die Isolationen versagen.
  • Turnhalle ist überlastet

Das sind die Stichworte, welche für die notwendigen Massnahmen sprechen. Ich kann diese offiziellen Gründe aus eigener Erfahrung bestätigen: Zwar ist es nicht so, als wäre die Schule nahe einem Kollaps, gewisse Punkte sind jedoch grenzwertig. Die Schule kann wirklich nicht mehr viel mehr Schüler aufnehmen und die Belüftung und Klima ist eine Katastrophe für sich - klingt jetzt etwas überspitzt, sitzen Sie aber einmal einen Tag lang in einen Raum mit deckenhohen Fensterwänden, ohne Klima - und mit 20 Mitschülerinnen und Mitschülern - bei 30°C. Und versuchen Sie so einmal sich zu konzentrieren - ein Ding der Unmöglichkeit.

Kurz, ein Neubau und eine Komplettsanierung wurde von Kanton und Stadt abgesegnet, das Projekt steht bereits in der Endplanung und sollte in den nächsten Jahren realisiert werden.

Nun kommt der Knaller: Niemand (ausser der SVP, so scheint es) will die Masseneinwanderung wahr haben, alle (so scheint es) wollen weg vom Atomstrom und umweltfreundlicher leben und alle (so scheint es) wollen möglichst viel in die Bildung investieren. Die SVP wird auf Grund ihrer Haltung in diesen Themen oftmals von oben herab behandelt.

Und ausgerechnet jetzt stellt sich der Heimatschutz gegen dieses Projekt. Wieso?

Offensichtlich ist die Wiese hinter der Turnhalle, wo die provisorischen Container hingestellt werden sollten, zu schützen. Nur, was bitte soll man da schützen? Ein paar provisorisch hingepflanzte Bäume (kein Witz, das stimmt), eine Wiese, ein Kieselsteinweg und ein paar Büsche an der Schüss (kanalisiertes Flüsschen neben dem Gymnasium). Oder ist es dann doch das potthässliche Gebäude selbst? Oder vielleicht doch der Veloparkplatz und der mit Graffitis übersähte Geräteschuppen?

Die Einsprüche sind absolut unangebracht, unbegründbar und fern von jedem Menschenverstand und Logik.

Selbst heute, nachdem das Projekt bewilligt wurde und nun umgesetzt werden soll, setzt der Heimatschutz alles daran, das Projekt zu blockieren und erhebt neuerdings gleich mehrere Einsprachen, nämlich überall wo es nur möglich ist.

Skandalös und unhaltbar sind da noch weit zu wenig starke Begriffe, weiter kann man auf einer sachlichen Ebene (welche auf Politnetz gefragt ist) wohl nicht mehr gehen. Trotzdem kochen manche Gemüter nun auf Hochtouren, allen voran der Gemeinderatskandidat und Schulrektor Leonard Cadetg (FDP). Ich kann ihn durchaus verstehen.

Einmal mehr zeigt sich die Kehrseite einer links gerichteten Regierung mit rechtlichen Schlupflöchern, Einsprachemöglichkeiten, Regulierungen, unnötiger Gesetze und Verwaltungsapparäte, welche so einfach nicht nötig sind. Denn was ist nun die Konsequenz: Entweder muss der Schulbetrieb zu Lasten der Schüler während der Sanierung umgestaltet werden (unzureichende Schulräume, Platz und Ausrüstung) oder ein Gremium/Arbeitsgruppe muss andere Vorschläge ausarbeiten, welche den Damen und Herren vom Heimatschutz passen. Oder, Variante 3, man geht vor Gericht - und versetzt Unsummen an Zeit und Geld für solche "Skandälchen."

Wenn wir wirklich aus der Atomenergie aussteigen wollen, wenn wir die Massenzuwanderung weiterhin nicht begrenzen wollen und wenn wir unser Bildungsniveau weiterhin auf einem hohen Niveau halten wollen, dann müssen solche Projekte ohne grosses Tamtam bewilligt und umgesetzt werden.

Das Beispiel "Gymnasium Strandboden" ist ein perfektes Beispiel für die weltfremde Haltung gewisser Verbände wie dem Heimatschutz, Tierschutz und Umweltschutz, welche eigentlich für die Natur und Kultur einstehen wollen, dann aber konkrete Projekte verhindern, wo sie nur können.

Dass man nicht die halbe Altstadt auseinander nehmen kann oder dass bei einem 100 Jahre altem Schulgebäude (wie der Balainenschule in Nidau welche bereits in den Renovationsarbeiten steckt), auf den Erhalt des Erscheinungsbildes achten muss, ist allen klar. Dass auf historischen Gebäuden wie Schlössern keine Solaranlagen gebaut werden sollen ist eigentlich auch klar.

Doch bei Einsprachen und Blockierungen bei solchen Projekten habe ich überhaupt kein Verständnis. Es ist ein Skandal und die Nerven liegen blank - nicht nur bei mir. Dabei ist es nur eines von vielen Projekten, welche hier in Biel gewaltig aus dem Ruder laufen - Ein Update über diese folgt bald...

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