Verkehr - du Monster

Geht es um den Verkehr, drehen die Parteien durch. Sprichwörtlich. Die Reifen quietschen, die Argumente keifen und immer sind wir kurz vor dem Abgrund. Prophezeiten die Grünen in den 80er den tot des letzten Baums im Jahr 2010, kurvten für die Autopartei in der Schweiz noch maximal drei Modelle herum, wenn wir den Katalysator einführen. Dasselbe Spiel 10 Jahren später. Die LSV würde die Schweizer Wirtschaft in die Knie zwingen und die Linken sahen den Lungentod im Hochsommer voraus, wenn nicht sofort Tempo 80 auf Autobahnen eingeführt wird.

Irgendwie scheinen beim Verkehr nur die Superlativen zu zählen. Der neuste Hype sind Elefantenrennen. Lastwagen, die auf Autobahnen überholen... Seit beinahe 20 Jahren fahre ich rund 35’000 Kilometer im Jahr mit dem Auto. Meistens auf Autobahnen. Meine Kunden sind in Bern, Basel, Zürich und auch ein paar in der Ostschweiz, aber irgendwie muss ich einen Sehfehler haben. Elefanten kommen mir nur selten in die Quere.

Das Thema Verkehr ist aber auch ein Monster. Wer an einer Schraube dreht, erhält oft ein ganz anderes Resultat, als er wünscht. Autos müssen weniger Sprit verbrauchen? Also werden sie leichter gebaut, werden günstiger und schon leisten sich mehr Leute ein Zweitauto. Der Spritverbrauch steigt.

Man baut den öffentlichen Verkehr zur Stadt aus, schon suchen sich die Ersten ein Haus im Grünen, weil man jetzt mit dem Zug schneller in der Stadt ist. Resultat ist eine Zersiedelung und die Züge sind immer noch überfüllt.

Es hat in der Stadt zu wenig Parkplätze? Bauen wir ein paar und flux nimmt der Verkehr zu, weil die endlose Parkplatzsuche früher die Leute davon abhielt, in der Stadt einzukaufen.

Die Menschen verhalten sich auch völlig unberechenbar. Nur weil sie etwas gut finden, heisst das noch lange nicht, dass sie sich auch so verhalten. Jung und voller Enthusiasmus programmierte ich einst eine Software zur Fahrtenvermittlung. Damals war es noch eine Neuheit und alle klopften mir auf die Schultern. Vom Politiker über die Medien bis zu den Verbänden unterstützten sie das Projekt. Viel Resonanz in der Ostschweiz. Sogar bei den Strassenaktionen fand jeder die Idee toll und doch hatte auch jeder einen Grund, warum genau er selbst fahren muss und niemanden mitnehmen kann. So hatte ich nach drei Monaten knapp 90 Anmeldungen. Das Projekt wurde sanft zu Grabe getragen. Den meisten Mitfahrzentralen, die danach kamen, ging es gleich. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und fährt Zug oder er liebt sein Auto und fährt bevorzugt individuell.

Und doch, Ideen sind gefragt. Innovation bringt womöglich völlig unerwartete Antworten. Am 30. und 31. März findet im Falcone in Zürich ein Open Data Camp statt. Zwei Tage werden Wege gesucht, wie mit Hilfe von Technologie der Verkehr optimiert oder gar revolutioniert wird.

Wenn Sie das Thema Verkehr und Technik interessiert, melden Sie sich an!
http://make.opendata.ch/

Für eine Teilnahme sind alle qualifiziert, die sich auf irgendeine Weise für das Thema Mobilität interessieren, vielleicht sogar Fachwissen im Bereich Verkehr u.a. mitbringen, eine Idee für eine Anwendung haben, Erfahrung und/oder Interesse an Datenvisualisierung haben oder ihre Entwickler-Fähigkeiten für Ideen und Projekte einsetzen möchten.

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