Ohne Fähigkeit eines (Gegen-) Angriffs keine Verteidigungsfähigkeit. Ohne Verteidigungsfähigkeit keine Glaubwürdigkeit.

Ich will einige Aussagen, welche bisher gemacht wurden, aufnehmen und kommentieren.

„Daher keine Flugzeuge, Flugabwehr ja. Keine Panzer, Panzerabwehr ja.“
Die Flugabwehr hat eine Reichweite von max. 3000 Meter (Bloodhound wurde abgeschafft). Daher braucht es Kampfflugzeuge, welche bis auf 12000 Meter den Luftraum überwachen, kontrollieren und verteidigen können.
Die Verteidigung besteht aus verschiedenen Elementen (ablenken, verzögern, verzahnen, gegen angreifen), darunter der Gegenangriff. Ohne Fähigkeit zum Gegenangriff keine Verteidigung (das Réduit-Zeitalter ist abgeschlossen). Daher braucht es Kampfpanzer.

„Ins Gesetz gehört auch, dass jeder militärische Befehl, der ausserhalb der Landesgrenzen eine Wirkung hat, freiwillig zu sein hat.“
Die Verteidigung beginnt nicht erst an der Landesgrenze, sondern schon dahinter. Der Gegner hat seine ersten Bereitstellungsräume noch hinter der Grenze. Diese müssen mit Artillerie (welche wir leider nicht auf ausreichende Reichweite besitzen) unter Beschuss genommen werden können. Sonst kommt der Gegner mit vollem Schwung, optimaler Vorbereitung und voller Kraft. Zudem wäre ein Einsatz des AAD10 zur Evakuierung von Schweizer Bürger im Ausland nicht möglich.

„diese (AAD10) aber war dafür vorgesehen im Golf von Aden, Schiffe welche unter Schweizer Flagge operieren zu beschützen“
Das AAD10 ist für offensive Aktionen vorgesehen. Denn ursprünglich war die Idee, Schweizer Bürger aus dem Ausland zu evakuieren. Da man fremdes Gebiet betreten müsste, gilt es als offensive Aktion. Sie wurde v.a. aus Erfahrung in der Elfenbeinküste gegründet. Denn die Schweizer mussten von den Franzosen evakuiert werden. Diese Abhängigkeit wollte man nicht länger dulden.
Dass das AAD10 für defensive Aktionen nicht wirklich geeignet ist, zeigen Aussagen des deutschen Admirals im Golf von Aden. Er sagt, dass das AAD10 zwar eine top-professionelle Gruppe sei, welche aber für diesen Einsatz ungeeignet sei. Ihm seien einfache Fusssoldaten, welche Maschinengewehr und Panzerfäuste bedienen können, viel wichtiger. Er könne mit dieser offensiv ausgerichteten Gruppe eigentlich nicht viel anfangen.

„Es fehlt den europäischen Staaten inzwischen schlicht an der Führungs- und Aufklärungsfähigkeit, an der Logistik und an der Produktionskapazität, um innerhalb Europas einen Angriffskrieg erfolgreich zu führen.“
Ich kann dieser Aussage absolut zustimmen, möchte sogar noch weiter gehen und sagen, dass die europäischen Armeen keine Verteidigungsfähigkeit mehr haben. So konnten sie den Krieg im Balkan weder verhindern noch beenden. Sie haben viele Spezialisten, welche alle im Ausland zum Einsatz kommen. Dies könnte zum selben Szenario wie in Georgien führen. Im Krieg gegen Russland waren deren besten Truppen im Auslandeinsatz!

Um eine tatsächliche Verteidigungsfähigkeit zu erreichen, müsste die Schweizer Armee folgende Waffen und ähnliche Systeme (wieder) einführen:
- Raketen-Artillerie (Reichweite 100 km)
- Panzerabwehrwaffen wie TOW und DRAGON (moderner: JAVELIN)
- adäquater Ersatz für Artillerie-Streugranaten (z.B. thermobare Waffen, Problem: Genfer Konventionen)
- unterirdische Armeespitäler
Das ist eine unvollständige Auflistung der Minimalforderungen!

Um eine glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit zu erhalten (ich rede von erhalten, nicht von ausbauen), muss nach einer inner-VBS-Umstrukturierung (woran BR Maurer und CdA Blattmand jetzt dran sind) das Budget auf 4-4.5 Mrd. erhöht werden. Gemäss Teuerungsausgleich (welcher nie stattgefunden hat) müsste die Armee heute schon über 4.5 Mrd. erhalten.

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