Roadpricing in Bern? - Die Politiker scheinen wohl immer wie härtere Drogen zu konsumieren...

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Medienmitteilung:

http://www.20min.ch/news/bern/story/5-Stutz-Abgabe-reduziert-Verkehr-um-20-Prozent-31273223

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http://www.be.ch/portal/de/index/mediencenter/medienmitteilungen.assetref/content/dam/documents/portal/Medienmitteilungen/de/2012/03/2012-03-09-bericht_roadpricing_.PDF

Vor rund 30 Jahren hatten wir in der Schweiz etwa 3.5 Millionen Motorfahrzeuge, heute sind es deren 5.8 Millionen. Das Verkehrsnetz steht kurz vor dem Kollaps, unserer Wirtschaft geht es vergleichsweise gut und immer mehr Menschen legen sich ein (neues) Auto zu.

Was haben also all die Steuererhöhungen, Verbote, Regulierungen, Ökoabgaben und so weiter, welche alle das Ziel haben den Verkehr zu verringern bzw. auf den ÖV zu verlagern, gebracht? Nichts.

Nun hatten einige "hochintelligente" Politiker und Gewerkschafter im Kanton Bern wohl einen gemeinsamen Geistesblitz - sie glauben die Lösung gefunden zu haben: Roadpricing. Da freut sich aber die Staatskasse, Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe wären die Folge. Linke und vor Allem Grüne sind da natürlich Feuer und Flamme, ob das Konzept auch wirklich funktioniert spielt keine Rolle.

Schauen wir uns andere Schauplätze in der Welt mit Roadpricing einmal an: Paradebeispiel London. Man hat dort Roadpricing-Zonen eingerichtet, mit dem Ziel gewisse Stadtteile vom Stau und vom Verkehrskollaps zu entlasten. Die Bereitstellung der Infrastruktur (Kameras, Kontrollpunkte, SMS-System, usw.) kostete bereits Unsummen. Doch das tatsächliche Problem ist ein anderes: Die Geschäfte in diesen Roadpricing-Zonen machten kurz nach der Einführung grosse wirtschaftliche Verluste - offensichtlich scheinen die Menschen diese Zonen zu meiden. Doch damit ist die Geschichte noch nicht fertig, offenbar kurven etliche Fahrzeuglenker um diese Zonen herum, in der Hoffnung dort einen Parkplatz (ausserhalb der Zonen) zu finden. Ökologisch ein völliger Unsinn, das selbe Phänomen ist bei der Aufhebung oder Verteuerung von Parkplätzen zu beobachten.

Die Linken leben weiterhin in ihren Irrglauben aus, wenn man gewisse Sachen teuerer mache, würden die Leute dann genau das tun, was man glaubt dass sie tun würden. Am Beispiel Roadpricing Bern wäre der Fall klar: Wer will als Autofahrer denn bitte auf den ohnehin bereits überfüllten ÖV umsteigen? Es wären wohl all jene, welche sich das Autofahren unter solchen Umständen nicht mehr leisten können oder wollen, sprich, die einkommensschwache Schicht. Ein normaler Bürger, welcher täglich mit dem Auto in der Umgebung Bern zur Arbeit fährt (5 Tage die Woche = 20 Tage im Monat = rund 20x12= 240 Tage im Jahr) müsste so bei einem Tagespreis "nur" etwas über 1'000 CHF pro Jahr mehr als üblich/nötig bezahlen. Selbst für einen Normalverdienenden ist dies bereits eine Menge Geld, der Mittelschicht (und der Oberschicht) wird diese Mehrausgabe aber grundsätzlich egal sein - nerven würde man sich aber trotzdem.

Nun liebäugelt man aber bereits mit dem fast doppelten Betrag, nämlich 9 Franken. Dem Bericht zu Folge hätte ein Preis von 5 Franken pro Tag eine Verkehrsabnahme von 15-20% zur Folge, ein Preis von 9 Franken von sogar 30%. Linke und Grüne bekommen da glänzende Augen, nicht nur wegen der angeblichen Verkehrsabnahme, sondern auch wegen dem sich in greifbarer Nähe befindenden Steuergeld, welches dann wieder für den ÖV verschleudert werden könnte. Gehen wir einmal davon aus, dass diese Berechnungen stimmen (hier setze ich einmal ein grosses Fragezeichen), dann hätten "wir" aber ein anderes Problem: Wie bitte-schön soll der ÖV denn die ganzen Massen an neuen Benützern aufnehmen können? Denn bereits heute ist er massiv überlastet. Wir kommen zurück zu meinem gesetzten Fragezeichen zur Berechnung der Zahlen: Genau dieser Faktor (sehr tiefer Komfort, da Überlastung) würde wohl dazu führen, dass Viele eben nicht auf den ÖV umsteigen würden.

Weiter fraglich wäre es, ob die Menschen dann nicht einfach die Autobahn meiden würden und über die Hauptstrassen und durch die Stadt fahren würden, ausser dort führt man ebenfalls ein Roadpricing ein - siehe Beispiel oben, das wäre ein wirtschaftlicher Unsinn. Doch nicht nur die arbeitetende Bevölkerung in und um Bern wäre betroffen, auch der Transitverkehr muss auf der Nord/Süd-Achse in den allermeisten Fällen durch Bern, sei es von Basel/Solothurn/Biel/Neuenburg oder von Zürich aus. Manch einer, welcher dann aus den geographisch etwas flexibleren Orten wie Neuenburg oder Zürich kommt, würde dann wohl den Grossraum Bern einfach umfahren und somit die anderen Strecken belasten.

Der Staat, die Linken allen voran, versucht einmal mehr die Bevölkerung (und vor allem die Unterschicht, welche sie mit ihrer Sozialpolitik ja immer so grosszügig vor den bösen Bürgerlichen und der reichen Oberschicht beschützen wollen) auszubeuten. Der springende Punkt hier ist: Das heutige Verkehrschaos in und um Bern verdanken wir einerseits der Autobahnsanierung (welche mit 3 Jahren Bauzeit einfach zu lange dauert) und damit der Temporeduktion auf 60/80 km/h und andererseits dem Bevölkerungswachstum, welches sowohl im ÖV, als auch auf der Strasse Platz benötigt.

Das eingenommene neue Steuergeld durch "Roadpricing Bern" würde aber nicht hauptsächlich für den Strassenausbau verwendet werden (das steht so ausdrücklich in dem Bericht). Sie dürfen drei Mal raten - stattdessen würde es für den Ausbau des ÖVs verwendet werden. Dass der Staat bereits über 30% des Steuergeldes aus Ökoabgaben und Fahrzeugsteuern alleine für den ÖV missbraucht ist kein Geheimnis. Dieser Drang nimmt anscheinend immer weiter zu, was ich als eine bodenlose Frechheit empfinde. Wenn das Thema "Roadpricing" überhaupt einmal diskutiert wird, dann soll das Geld gefälligst auch dort eingesetzt werden, wo es herkommt: Für den Ausbau des Strassennetzes.

Roadrpicing ist generell abzulehnen, da es ein Konzept ist, welches in den allermeisten Fällen nicht funktioniert und weil es eine grosse finanzielle Belastung für die Bevölkerung zur Folge hat. Alleine das spielen mit dem Gedanke "Roadpricing in Bern" ist aus meiner Sicht absolut daneben. Als "normaler" Bürger und Autofahrer (nicht in der Region Bern) kann ich mir ein solches Verhalten einfach nicht erklären. Bildlich ausgedrückt scheinen diese Leute wohl immer wie härtere Drogen zu konsumieren, anders kann man doch überhaupt nicht auf solch ausgesprochen dumme Gedanken kommen...

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