Kämpfen für einen Wunsch – Adoptionsrecht für homosexuelle Paare

Ich verlange eigentlich nicht viel: Ich habe den Wunsch, dass meine Kinder eines Tages mit den Kindern eines sehr guten Freundes aufwachsen, zusammen spielen, in die Schule gehen und vielleicht auch eine Freundschaft entwickeln. Eine Banalität könnte man meinen, welche heutzutage fast schon wieder kitschig anmutet. Wäre da nicht ein kleines Detail, dass der Staat meinem Freund grundlos verbietet, eigene Kinder grosszuziehen, während dem ich die totale Freiheit besitze, Kinder in die Welt zu setzen. Und das obwohl wir beide biologische gesprochen Männer sind, Kinder lieben und das gleiche Ziel verfolgen: In einer friedlichen Partnerschaft ein liebevolles Familienleben zu pflegen!

Der einzige Unterschied zwischen mir und meinem Freund ist unsere sexuelle Orientierung: Währendem ich mich zu Frauen hingezogen fühle, steht mein Freund auf Männer. Ja und weiter, ist man versucht zu sagen? Die Bundesverfassung der Schweiz besagt in Artikel 2, Absatz 6 schliesslich:

„Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung.“

Zudem kennt unsere Gesellschaft heutzutage homosexuelle Aussenminister, Stadtpräsidentinnen und TV-Moderatoren. Die sexuelle Gesinnung schockiert heutzutage niemanden mehr, schwul oder lesbisch sein ist ok und das ist auch gut so und zwar in jeder Alters- oder Berufsgruppe. Jeder ist frei in der Wahl seiner sexuellen Gesinnung und darf diese auch frei ausleben. Doch in einem markanten Punkt werden unsere homosexuellen Mitbürgerinnen und Mitbürger nach wie vor diskriminiert: Wenn es darum geht eine Familie aufzubauen.

Homosexuelle Paare können naturgemäss keine eigenen Kinder zeugen, darum steht ihnen der Adoptionsweg grundsätzlich offen. Nur wird ihnen diese per Gesetz verwehrt. Weil homosexuelle Paare ihre Partnerschaft „nur“ eintragen lassen können, aber nicht heiratsfähig sind, sind sie vom Adoptionsgesetz ausgeschlossen. Dies sieht folgende Voraussetzungen vor (ZGB Art. 264a):

*„1 Ehegatten können nur gemeinschaftlich adoptieren; anderen Personen ist die gemeinschaftliche Adoption nicht gestattet.

2 Die Ehegatten müssen 5 Jahre verheiratet sein oder das 35. Altersjahr zurückgelegt haben.

3 Eine Person darf das Kind ihres Ehegatten adoptieren, wenn die Ehegatten seit mindestens fünf Jahren verheiratet sind.“*

Ich frage mich ganz ernsthaft: Was spricht ernsthaft gegen eine Adoption für homosexuelle Paare? Ein Argument, welches immer wieder auftaucht ist die Natur: Homosexuelle Paare können keine Kinder zeugen, also sollen sie auch keine haben dürfen.

Jetzt aber mal ernsthaft Leute: Ist die einzige Voraussetzung um Kinder haben zu dürfen, die Zeugungsfähigkeit? Die Adoption wurde ja geradezu für nicht-zeugungsfähige Paare geschaffen, zum Beispiel bei Frauen, welche keine Kinder gebären können. Ist es eine nicht viel wichtigere Voraussetzung, dass ein Kind in eine intakte Familie adoptiert werden kann, wo der Wunsch nach Kindern gross ist? Anstatt sich einfach auf die Natur zu berufen. Dass Homosexualität nichts unnatürliches ist, weiss jeder (abgesehen von unseren unbelehrbaren, religiösen Fundamentalisten) spätestens nachdem bei praktisch allen Tierarten die Homosexualität ebenfalls nachgewiesen wurde. Und überhaupt Homosexualität gibt es seit den alten Griechen und sollte längst etwas total normales sein.

Was noch völlig absurder ist: Eine alleinstehende beziehungsweise unverheiratete Person darf nach Vollendung des 35. Altersjahrs (ZGB Art. 264b) ein Kind adoptieren und zwar völlig unabhängig von der sexuellen Gesinnung. So dürften zum Beispiel auch zwei schwule Männer, welche zusammen wohnen, ein Kind adoptieren. Wenn sie ihre Liebe aber besiegeln wollen (sprich sich eintragen lassen) damit sie einer Ehe verhältnismässig gleichgestellt werden, wird ihnen das Recht wieder entzogen! Gibt es etwas absurderes? Daher ist es auch völlig realitätsfremd zu argumentieren, ein Kind braucht beide Elternteile (sprich Frau und Mann) um gesittet aufzuwachsen.

Einerseits liegt die Scheidungsquote in der Schweiz bei über 50 %. Dies bedeutet dass viele Kinder hauptsächlich mit nur einem Elternteil gross werden, weil das gemeinsame Sorgerecht (leider) noch nicht der gängigen Praxis entspricht. Da müsste ja man allen geschiedenen Eltern das Sorgerecht entziehen und das Kind in einer scheinbar intakten Pflegefamilie unterbringen, damit sie ja von beiden Geschlechtern grossgezogen werden.

Andererseits können ja gerade alleinstehende Personen auch ein Kind adoptieren (siehe oben). Bei der Gesetzgebung war dabei klar, dass auch eine Person ein Kind grossziehen kann, was soll dann bitteschön die Begründung zwei (!) Personen des gleichen Geschlechts könnten dies nicht? Die Einflüsse des anderen Geschlechts können auch über Tanten, Onkel, Bekannte, Grossmütter, Grossväter etc. erfolgen. Auch ich bin ein Scheidungskind und hatte während mehrerer Jahren mehr Kontakt zu meiner Mutter als zu meinem Vater, deswegen bin ich noch lange nicht irgendwie geschädigt.

Zu guter Letzt sehe ich auch wirtschaftliche Vorteile: Da in der Schweiz über 1 Million Kinder fehlen (http://www.lucastschan.ch/WordPress1/?p=156) und man gemeinhin davon ausgehen kann, dass ca. 10 % der Schweizer Bevölkerung homosexuell ist, ergibt das trotz konservativer Berechnungen Plätze für über 100‘000-200'000 neue Kinder in unserem Land. Dies würde uns zudem unabhängiger von der Zuwanderung machen, das wäre ja ein Paradeargument für alle Bürgerlichen Kritiker des Adoptionsrechts für homosexuelle Paare.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das heutige Adoptionsgesetz völlig widersprüchlich und diskriminierend ist. Es sollte homosexuellen Paaren die genau gleichen Chancen bieten wie Heterosexuellen. Jedes homosexuelle Paar, welches seit mehr als fünf Jahren eingetragen ist oder älter ist als 35 Jahre, muss Kinder adoptieren können. Ich bin mir allerdings sicher, dass sich die Schweizer Bevölkerung bald diesem Grundsatz widmen kann und sich in weiser Wahl für ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare entscheiden wird, wenn der Bundesrat schon nicht genug Mut besitzt. Und dann werden meine Kinder und diejenigen meines Freundes wohlbehütet aufwachsen und man wird zurückdenken und darüber lachen, dass es vor vielen dieses Adoptionsverbot gab, genauso wie man zum Beispiel an das Verbot des Frauenstimmrechts zurückdenkt.

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