AKW Mühleberg: 2013 = Todesdatum?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Sie werden es wohl in den Medien nicht überlesen haben: Das Todesdatum des AKW Mühleberg steht (fast) fest: 2013 muss das AKW vom Netz. Diese überraschende Meldung schlug ein wie eine Bombe. Ich habe bereits hier einen Beitrag zur Atomenergie geschrieben.

Die Entscheidung das AKW Mühleberg "umgehend" vom Netz zu nehmen ist aus meiner Sicht korrekt. Einen solchen Meiler mit diesen mehr als katastrophalen Sicherheitsvorrichtungen weiter zu betreiben kommt aus meiner Sicht nicht in Frage. Seit Jahren sind die Risse in der Aussenhülle bekannt, unternommen wurde lange, lange nichts. Offensichtlich waren die Nachrüstungen in den vergangenen Jahren auch nicht wirklich sicherheitsfördernd. Das AKW hätte massive Sicherheitsprobleme bei einer Überschwemmunge (Verstopfung des Kühlwasserzuflusses), bei Erdbeben oder würde einen Einschlag eines Flugzeuges wohl nicht schadlos überstehen. Das AKW erfülle lediglich die minimalsten Sicherheitsvorschriften, heisst es weiter. Diese Fakten sind bereits seit geraumer Zeit bekannt.

Ob die BKW (Betreiberin des AKW Mühleberg) vor Bundesgericht geht oder sogar die (extrem teure) Variante "aufrüsten" wählt, bleibt offen.

Dies lässt mein (ohnehin eher geringes) Vertrauen in die Aufsichtsbehörden noch weiter schrumpfen. So hiess es doch eben erst vor einem Jahr, die Schweizer AKWs seien komplett sicher und weltweit auf einem höchsten Sicherheitsstandard. Das kann man wohl nun so im Raum stehen lassen.

Aus meiner Sicht muss das AKW vom Netz und zwar besser früher, als später. Weiter sollten auch die anderen (doch bereits eher älteren AKWs) genauestens überprüft werden.

Die Diskussion ist damit aber lange noch nicht beendet, denn der geplante Atomausstieg wird nicht leicht zu realisieren sein. Hier ein nettes Zitat aus den Medien:

http://www.20min.ch/news/dossier/atomenergie/story/-Das-ist-ein-Ohrfeige-fuer-das-ENSI--23102771

Keine Stromlücke wegen Mühleberg-Abschaltung: Das AKW Mühleberg produziert etwa 5 Prozent des aktuellem Stromverbrauchs der Schweiz. Betreffend der Versorgunssicherheit ist es deshalb kein Problem, dass AKW Mühleberg vom Netz zu nehmen. Um den Stromverlust zu kompensieren wird die Mühleberg-Betreiberin BKW kurzfristig vermutlich billigen Strom aus dem Ausland einkaufen müssen. Längerfristig sind aber inländische Lösungen gefragt, zum Beispiel mit erneuerbaren Energien oder durch Stromeinsparungen. Würde man in der Schweiz die 200'000 existierenden Elektroheizungen mit Holzheizungen ersetzen, könnte das AKW ersatzlos gestrichen werden.

Mit anderen Worten: Bis der Strom nicht mit alternativen Energien ersetzt werden kann, müssen wir importieren. Diese erneuerbaren Energien machen in der Schweiz rund 1% der gesamten Stromversorgung aus. Das heisst, deren Leistung müsste sich in etwa verfünffachen, will man das AKW Mühleberg komplett ersetzen. Elektroheizungen mit Holzheizungen zu ersetzen (wie im Zitat beschrieben) ist absolut keine Option - oder ist der CO2 Ausstoss plötzlich kein Thema mehr?

Hier geraten die Fronten nun aneinander: Es wird äusserst schwierig bis einfach nicht machbar, alle Schweizer AKWs restlos mit Effizienz und erneuerbaren Energien zu ersetzen. Was ist nun die logische Konsequenz?

Machen wir es wie Deutschland und importieren einfach AKW und Gaskombikraftwerk- Strom aus einem anderen Land? Bauen wir ein neues AKW? Bauen wir neue Gaskombikraftwerke?

Die Alternativen sind begrenzt, denn die Möglichkeiten bei den erneuerbaren Energien sind klein. So harzt es momentan in der Solarindustrie gewaltig und der Landschafts- und Heimatschutz stellt sich bei praktisch jedem Projekt quer. Die technischen Möglichkeiten bei der Erdwärme oder Biomasse sind begrenzt. Die Wasserkraft ist ebenso bereits an den Grenzen des Ausbaus angelangt. Windenergie gibt in der Schweiz nicht viel her.

Ich würde den Atomausstieg ja als Grundrichtung begrüssen, aber aus meiner Sicht wird er schlicht und einfach nicht komplett realisierbar sein. Bis alternative Energien oder neue Techniken wie der Kernfusion hoch genug entwickelt sind, werden wir höchstwahrscheinlich eine neue Generation KKWs benötigen. Aus meiner Sicht ist dies eine bessere Option, als nun einfach die alten Kraftwerke mit solchen Sicherheitsniveaus auslaufen zu lassen und bestenfalls ein bisschen nachzurüsten. Beide Varianten gefallen mir aber überhaupt nicht, wenn wir den Gedanken fertig machen und wieder auf die "ach-so-zuverlässigen" Experten, Aufsichtsbehörden und Betreiber zurückkommen.

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