Bauspar-Initiative: Doch nicht "tubbelisicher"?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

In den vergangenen Wochen wurde viel Lärm um die Buchpreisbindung und um die Ferieninitiative gemacht.

Währendem ich persönlich die Wiedereinführung der Buchpreisbindung klar ablehne, denke ich, dass es eine eher weniger wichtige Abstimmung ist. Selbst mit Buchpreisbindung wird man nicht verhindern können, dass die Leute immer wie öfters online ihre Bücher bestellen bzw. sie gleich als E-Book auf ihre Reader und iPads downloaden. Die Ablehnung der Buchpreisbindung wird diesen Trend letztlich nur hinauszögern und dazu führen, dass die Preise auf einem vernünftigen Stand bleiben und vor allem wird nicht in den freien Mark eingegriffen.

Auch die Ferieninitiative ist eher umstritten, wobei die Wirtschaft wohl auch hier knapp die Oberhand gewonnen hat.

Es zeichnet sich ab, dass beide Initiativen knapp abgelehnt werden.

Während diese beiden Initiativen sehr gut Befürworter finden können ("ich will mehr Ferien" oder "ich will das Kulturgut Buch retten"), so dachte ich, dass die Bausparinitiative "tubbelisicher" ist. Eben, ich dachte es. Die neuste Umfragen zeigen, dass noch alles offen ist.

Man könnte sich die Haare raufen. Ich habe bereits vor einigen Tagen einen Bericht über die Psychologie und den Zusammenhang zur Politik geschrieben. Wir überraschen uns immer wieder selbst. Offensichtlich spielt der psychologische Faktor auch bei dieser Initiative eine wesentliche Rolle, anders kann ich mir die Ausgewogenheit der Umfrage-Resultate nicht erklären.

Ich will es mit Hilfe eines Beispiels erklären: Ich verschenke 10 Franken an meine beiden Schüler. Dabei bekommt der eine "Schüler A" 8, der andere "Schüler B" 2 Franken. Die beiden bekommen ihr Geld nur, wenn beide mit dem Deal einverstanden sind.

Hier wird sich Schüler B im Normalfall vehement wehren. Wieso soll denn er bitte schön nur 2 Franken erhalten, währenddem der andere 8 Franken erhält? Schüler B akzeptiert den Deal nicht und blockiert somit die Aktion für beide Schüler. Dabei ist das äusserst dumm, denn so bekommen beide nichts, Schüler B hat jedoch das Gefühl etwas gewonnen zu haben, denn er hat Schüler A ja eins ausgewischt. Er merkt nicht, dass in Wahrheit beide verloren haben. Denn Schüler B gewinnt nun 0 Franken, anstatt 2 Franken: Ein "Verlust" bzw. er hat sich einen Gewinn verspielt.

So kommt mir die Argumentation der Gegner der Bauspar-Initiative vor.

Die Bauspar-Initiative betrifft lediglich jene Menschen, welche es sich leisten können ein Haus zu bauen, respektive dafür zu sparen. Alle anderen Menschen werden von der Initiative nicht Gebrauch machen können, weil sie so oder so nicht genügend Geld für ein eigenes Haus haben. Durch die Initiative bekommen diese Leute nicht urplötzlich einen höheren Lohn oder 400'000 CHF für ein neues Haus vom Staat gespendet. Aber das ist noch lange kein Grund dafür, den anderen die Suppe zu versalzen, nur weil man selbst nicht profitieren kann.

Denn viele Menschen könnten tatsächlich von der Initiative profitieren. Die Gegner argumentieren damit, dass es die Reichen wären. Natürlich profitieren die Reichen, aber in einem Ausmass, das uns egal sein kann, denn es ist auch den Reichen egal. Ein Multimillionär kauft oder baut sich eine Villa, weil er eine Villa will. Der Preis ist da nebensächlich. Bei einer Ablehnung der Initiative wird er sich lediglich darüber ärgern, weniger steuerfrei sparen zu können. Eine Villa wird er sich trotzdem bauen/kaufen.

Ganz anders beim Mittelstand. Für viele Menschen ist ein eigenes Haus ein Lebenstraum und für manche bleibt es auch ein Traum. Durch die Initiative würden nun neu mehr Menschen die Chance erhalten, sich diesen Traum zu verwirklichen. Sie können ihr Geld vom steuersüchtigen Staat in Sicherheit bringen, sofern sie es für den Bau eines neuen Hauses einsetzen werden.

Wir halten fest: Die Initiative bringt nur Gewinner hervor, niemand verliert. Ausser der Staat, ihm entgeht Steuergeld. Dass die Linken aus mir unbekannten Gründen jeder hinterletzte Teil unseres Landes regulieren, überwachen und besteuern wollen ist mir sehr wohl bekannt. Doch jene Sozialisten, welche gegen die Bauspar-Vorlage stimmen sind dieser Logik nach eindeutig alles andere als sozial, denn eine solche Haltung verhindert, dass viele Menschen weniger sparen können. Das ist ja schon fast so, als wolle man verhindern, dass es möglichst vielen Menschen offen steht, ein eigenes Haus zu bauen.

Verkehrte Welt.

Währenddem bei der Buchpreisbindung und bei der Ferieninitiative die Vernunft und Wirtschaft zu siegen scheint, so steht bei der Bauspar-Initiative alles auf der Kippe.

Liebe bürgerliche Parteien, bitte vergesst während dem Rummel um die beiden anderen Initiativen nicht, auch für die Bauspar-Vorlage zu werben. Die Mittelschicht, die grösste Bevölkerungsschicht im Land, wird es Ihnen danken.

27 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Steuern»

zurück zum Seitenanfang