Aktionismus im Strassenverkehr: Fussgängerstreifen

In Bern wird froh und munter über Massnahmen für die Sicherheit von Fussgänger diskutiert, obwohl die Unfälle in den letzten Jahren trotz einer Zunahme des motorisieren Verkehrs rückläufig sind. Bereits jetzt wo die Temperaturen milder werden und die Tage länger verstummt das Rauschen im Blätterwald allmählich – das sollte schon ein Indiz dafür sein wo das Problem liegen könnte.

Aber fangen wir von vorne an…

Alte Melodie, neuer Text

Ideen-Recycling ist nicht nur im Musik-Business gefragt sondern auch in der Politik, aus bereits getesteten Rüttelstreifen werden dann ‘Vibrationsplatten‘ und schon kommt es als neue und innovative Idee daher.
So neu und innovativ ist das ganze aber nicht – es wurde bereits getestet und es kann hierbei auch nicht von einem Erfolg gesprochen werden. Zum einen ist das Geräusch welches beim überfahren entsteht in bewohnten Gebieten zu nervig und zum anderen sind diese Balken bei nasser Fahrbahn ein Risiko für Motorräder. Kommt noch hinzu, dass solche Hindernisse auch immer eine Abnützung für das Fahrzeug darstellen, ähnlich wie Schwellen in 30er Zonen.

Hier also von einer neuen Idee zu sprechen ist in etwa so als würde ich sagen: “Ich habe diese neue Uhr entwickelt und das tolle daran ist, dass man diese ums Handgelenk tragen kann!“

Ist es also richtig von seinen Spanien Reisen zu schwärmen und diese Rüttelstreifen als Retter der Fussgänger zu glorifizieren? Es wäre, wenn Spanien gerade mal 5 Regentage weniger hätte als die Schweiz (Durchschnitt: Bern 121 Tage, Barcelona 78 Tage). Schnee ist natürlich ein ganz anderes Thema – wie eine Schwarzräumung gewährleistet werden kann, müsste wohl ebenfalls getestet werden – ich unterlasse die Spekulationen an dieser Stelle.

Kein Unfall!

Unsere Gesellschaft ist bereits darauf getrimmt, dass es keine Unfälle geben darf – die Natur ist hier aber immer stärker und wird es auch immer sein ganz egal welche Massnahmen wir ergreifen. Klingt nach Resignation – aber nein, eher ein Appell an den gesunden Menschenverstand. Der einfachste Weg einen Unfall zu verhindern ist die eigene Aufmerksamkeit. Das beinhaltet auch, dass man nicht immer blind auf sein Recht beharren kann.
Fussgänger haben sehr wohl Vortritt aber werden halt auch mal übersehen, weil die Platzierung der Fussgängerstreifen teilweise mehr als nur fragwürdig ist.
Fällt Ihnen zum Beispiel der bekannte Zacken aus der Krone wenn sie mal ein paar Sekunden warten müssen? Also mir nicht und ich habe kein Problem an einem Streifen zu warten bis das Auto ganz gestoppt hat – da mir noch nie zu Ohren gekommen ist (zu Augen ebenfalls nicht), dass ein Fussgänger von einem stehenden Fahrzeug über den Haufen gefahren wurde.

Selbstverantwortung – das sollte unsere in Watte gepackte Gesellschaft unbedingt wieder lernen. Wenn man auf die Strasse geht; ganz egal ob als Fussgänger, Radfahrer oder Automobilist muss man den Kopf bei der Sache haben.
Man sollte etwas weiter denken als nur bis zur eigenen Nase bzw. Stossstange – auf die Umgebung achten, auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Wenn ich als Fussgänger ganz schwarz gekleidet bin während es schon dunkel ist muss mir klar sein, dass ich nur sehr schlecht wahrgenommen werde – ganz egal ob ich nun Vortritt habe oder nicht (wir haben ja bereits gelernt, dass die Lichtverhältnisse eine wichtige Rolle spielen). Dasselbe gilt aber auch für die Motorisierten, wenn alle mir entgegen kommenden Fahrzeuge das Licht an haben nur ich nicht sollte mir vielleicht etwas einleuchten (unabsichtliches Wortspiel). Radfahrer sind davon ebenfalls nicht ausgenommen, wenn das Auto vor mir den Blinker setzt um rechts abzubiegen und das Fahrzeug neben mir zu Stillstand kommt sollte man seinen Stolz vielleicht mal runterschlucken und ebenfalls bremsen um das Auto abbiegen zu lassen anstelle seinen Drahtesel in wackeliger Manier daran vorbei zu steuern.

Handlungsbedarf

Es besteht klar Handlungsbedarf, ich will diesen auch in keiner Weise absprechen aber es benötigt Handlungsbedarf für alle Parteien im Strassenverkehr. Es kann nicht akzeptiert werden, dass eine Gruppe zu einem solchen Masse bevorzugt wird, dass die Konzentration dieser nachlässt weil eine falsche Sicherheit vorgegaukelt wird.

Rüttelstreifen soll also die Autofahrer wachrütteln – ich hab ein Bett zum schlafen, dafür brauch ich das Auto nicht. Das ist natürlich nur sinnbildlich gemeint, tja kann ich dann auch vor jedem Streifen hupen um die Fussgänger sinnbildlich zu wecken?

“Machs besser!“

Ja, wer sich über eine neue, oder in diesem Fall alte, Idee mokiert sollte besser einen Vorschlag bereit haben. Was also sollte getan werden um die Unfälle an Fussgängerstreifen zu reduzieren bzw. möglichst zu verhindern? Meine Zentrale Aussage für dieses Problem ist: “Licht schützt“ – die Umsetzung sollte in etwa so aussehen:

  • Massiv weniger Fussgängerstreifen (60%-80%) dafür gut beleuchtet

Die Wahrnehmung eines Hindernisses trägt wesentlich dazu bei diesem auszuweichen, im Fall von Fussgänger wäre dies ein anhalten. Gegebenenfalls müsste man etwas weiter laufen um die Strasse zu überqueren aber ich halte es für absolut sinnlos z.B. innerhalb von 100m 3 Fussgängerstreifen zu haben. Teilweise stehen die Fussgänger streifen auch an total unübersichtlichen Stellen, verdeckt von Ecken und Kurven welche dem Fahrzeuglenker nur einen minimalen Zeitraum zum Erkennen von Fussgängern gibt. Über die Art der Beleuchtung kann natürlich diskutiert werden; permanent oder bei Bewegung, von unten oder von oben, usw… denn der Fussgänger ist der einzige Verkehrsteilnehmer welcher nicht verpflichtet ist ein Licht zu benutzen während dieser sich auf der Strasse bewegt.

  • Fussgängerstreifen als verkehrsberuhigende Massnahmen unterbinden

Paradebeispiel sind die unsäglichen Streifen nach einem Kreisel, dort gehört der nun wirklich nicht hin. Diese werden meist in einem Winkel angefahren was alles andere als optimal ist für die Sicherheit der Fussgänger.

  • ‘Luege, Lose, Laufe‘

Der Grundsatz der Idee sollte nicht hinfällig werden nur weil man ein gewisses Alter überschritten hat.

Ich bin überzeugt, dass mit diesen Mitteln und ohne künstliche Schikanen das Problem ebenfalls adressiert werden kann. Es wäre wohl auch mal an der Zeit für einige Politiker einzusehen und vor allem einzugestehen, dass der uneingeschränkte Vortritt der Fussgänger nicht funktionieren kann.

Es sollte nicht immer um Auto vs. Fussgänger gehen, denn wir alle sind Fussgänger und ein Grossteil von uns benutzt in irgend einer Weise ein motorisiertes Verkehrsmittel.

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