Wenn Politik zum "Kindergarten" verkommt: Narzissmus

Namentlich nicht genannte SP-Fraktionsmitglieder geben dem TA freimütig Auskunft, die Nichtwahl von Fehr als Fraktionschefin habe "viel mit ihrem Auftreten, mit fehlender sozialer Kompetenz zu tun". "Fast jeder hatte mit ihr schon ein negatives Erlebnis", klagt ein Mitglied, und der TA nimmt das Zitat als Titel. "Wenn man 20 Jahre Politik betreibt, tritt man eben dem einen oder anderen auf die Füsse", bestätigt Fehr die Lästermäuler. Tschümperlins Kandidatur hingegen sei vergleichsweise schwach gewesen: "kaum eine strategische Aussage", "schlicht desaströs" zitiert der TA anonyme Fraktionsangehörige. Die Romands hätten zudem Tschümperlins "mässige" Französischkenntnisse, mit denen er Fehr klar unterliege, bemängelt.
Die Fraktion zog den Neuling in Bundesbern der Altgedienten mit 14 Jahren Nationalratserfahrung vor - auf einer höchst fragwürdigen Basis. Denn wenn man den anomymen Genossen Glauben schenken darf, ist die Wahl weniger sachlich erfolgt sondern mehr Rachegelüsten gefolgt. Rachegelüste sind als niederen instinktiven Ursprungs aber denkbar schlechte Ratgeber, das Grosshirn ist an ihrer Stelle vorzuziehen. Besonders bedauerlich ist die nachtragende Betupftheit als Motiv des Rachefeldzügleins. Verletzter Stolz und Selbstmitleid als Wahlkriterium? Wir sind im falschen Film - "Planet der Affen" sollte woanders laufen, nicht im Parlament.
Wenn Eitelkeiten und Selbstmitleid über Vernunft über den Verstand herrschen, ist kein Staat mehr zu machen. Von "Kindergarten" mag ich nicht sprechen, es wäre eine Beleidigung der Kinder. Viel eher sind diese Eitelkeit und der verletzte Stolz, die wir hier serviert bekommen, bei ihrem Namen zu nennen: Narzissmus. Wo dieser sich Pragmatismus und Vernunft in den Weg stellt, sind selten konstruktive Problemlösungen und Fortschritte möglich. Was wohl wird von dieser Fraktion zu erwarten sein?

Man darf sich an dieser Stelle wundern und auch fragen, was für unnötige Verluste diese Persönlichkeitsstörung etwa der Weltwirtschaft jedes Jahr mittelbar und unmittelbar womöglich verursacht - es wäre an der Zeit, dass die World Health Organization (WHO) ihr global den Kampf ansagt.

Anmerkung:

Diesen Text habe ich heute um 10.35 Uhr als Kommentar zum entsprechenden Artikel des Tagesanzeigers Online verfasst und veröffentlicht (siehe Screenshot). Offensichtlich umfasst er aber weitaus mehr als die für Kommentare beim Tagi Online gängigen 400 Zeichen. Damit hätte er theoretisch nicht als Kommentar in dieser Form veröffentlicht werden können. Fakt ist, dass es ein "Hintertürchen" gibt, über das man Kommentare beim TA Online posten kann, die mehr als 400 Zeichen umfassen. Die technischen Details tun hier nichts zur Sache. Ich gehe davon aus, dass die eine oder andere Person, die auf politnetz.ch verkehrt, dieses "Hintertürchen" auch kennt. Dieses Hintertürchen wird wohl auch seinen Zweck haben...
Kommentar: Lästig finde ich es, wenn die TA-Redaktion willkürlich entscheidet, wann sie Überschreitungen der offiziell zugelassenen 400 Zeichen zulässt und wann nicht. Meiner Beobachtung zufolge lässt sie geringfügige Überschreitungen problemlos zu (wahrscheinlich weil die Zensur-"Journis" jeweils gar nicht merken, dass mehr als 400 Zeichen gepostet wurden). Grössere Überschreitungen der 400 Zeichen scheinen aber zur früheren oder späteren Löschung des betreffenden Kommentars zu führen, ungeachtet des Inhalts. Frage: ist das sinnvoll? Ist das inelligent? Ist dieses Zensurregime transparent?
Meiner Meinung nach sollte der TA Online Kommentare nur dann löschen, wenn sie inhaltlich gegen die Nutzungsbestimmungen verstossen. Die Überschreitung von 400 Zeichen hingegen ist kein legitimer Zensurgrund, zumal eine 400-Zeichen-Limite nicht ausdrücklich Gegenstand der Nutzungsbestimmungen sind. Wenn der TA-Redaktion solche Überschreitungen nicht passen, macht sie am besten die Hintertüre technisch ganz zu. Ansonsten gerät sie in einen Konflikt: sie löscht allenfalls berechtigte Lesermeinungen aus nicht-inhaltlichen Gründen. Und das ist in meinen Augen ein Missbrauch der Machtstellung, welche sich die Onlinemedien mit ihren Kommentarfunktionen geschaffen haben (genauso wie die Löschung von Kommentaren aus politischen Gründen einen Missbrauch darstellen).
Bevor der Tagesanzeiger die Kommentarfunktion für Facebook-Nutzer freigegeben hat (keine vorgängige Prüfung der Beiträge, direkte Freischaltung) waren einige meiner Kommentare seltsamerweise nicht erschienen. Eine konsistente Logik konnte ich im Zensurregime des Tagesanzeigers jedoch nicht ausmachen. Sie schien eher zufällig, unberechenbar. Seit der Tagi Kommentare von Facebooknutzern direkt freischaltet, habe ich keine solchen Probleme mehr verzeichnet. Die Löschung meiner Kommentare beschränkt sich seither im Wesentlichen auf Überschreitungen einer Kommentargrösse von 400 Zeichen. Das finde ich traurig. Da ist Schablonendenken am Werk. Eine Art Lochkartenprogramm... Nicht gerade intelligent. Andererseits hatte ich wenigstens mit politnetz.ch bisher kein einziges Löschproblem. Hier herrscht echte, vernünftige Äusserungsfreiheit. Und deshalb bin ich zuversichtlich, dass mein obiger Kommentar betreffend Narzissmus, der nämlich tatsächlich ein gesellschaftliches, politisches und am Ende eben auch echtes wirtschaftliches Problem darstellt, über das man eigentlich reden sollte, wenigstens hier stehen bleibt. Auch wenn er hart kritisch ist und einer gewissen Fraktion nun quasi knifflige Fragen stellt...

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