Als die Schweiz die Atombombe baute...

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Wussten Sie, dass die Schweiz nach dem zweiten Weltkrieg ernsthaft in Erwägung zog, eigenhändig Atombomben zu bauen? Nein, das ist kein Witz, lesen Sie selbst:

http://www.20min.ch/news/story/18012373

http://www.library.ethz.ch/exhibit/Traum_Reaktor/paul_scherrer.html

Die Idee wurde nach dem Mirage-Skandal (Image-Schaden der Armee und Politik), dem heimlichen Kauf von Nuklearmaterial und weiteren Nachforschungen (für einen Kleinstaat nicht finanzierbar) wieder verworfen. Interessant und erschreckend zugleich herauszufinden, dass wir vor ein paar Jahrzehnten nicht viel "besser" waren, als die momentanen Atommächte und all jene, welche es gerne werden wollen...

...Wie zum Beispiel der Iran. Nebst dem Atomprogramm von Nordkorea, ist wohl kein anderes Atomprogramm so umstritten wie jenes, des Irans.

Ungeachtet den neu ausgesprochenen Sanktionen provoziert der Iran weiter und nahm in den letzten Tagen einen neuen Forschungsreaktor in Betrieb.

http://www.20min.ch/news/ausland/story/Iran-verkuendet-Fortschritte-im-Atomprogramm-27187717

Die USA haben vor ein paar Wochen einen weiteren Flugzeugträger in die Region entsendet, womit die Kriegsflotte bereits mehrere Flugzeugträger und Schlachtschiffe umfasst. Israel und die USA schliessen beide eine militärische Intervention nicht aus, falls sämtliche diplomatische Bemühungen den Iran vom Atomprogramm wegzubringen scheitern. Experten bezweifeln, dass Israel im Alleingang im Stande wäre alle Atomanlagen des Irans durch einen Luftangriff zu zerstören und gleichzeitig sei die Iranische Armee kaum in der Lage den angedrohten Vergeltungsschlag effektiv durchzuführen.

Sollten aber weitere Sanktionen gegen den Iran ausgesprochen werden, werde vom Iran eine Seeblockade der Strasse von Hormus errichtet (nach dieser Drohung wurden auch gleich zwei eindrucksvolle Seemanöver durchgeführt). Rund 30% der weltweiten Öltransporte müssen diese Seeenge durchqueren, eine Blockade würde von den westlichen Staaten wohl nicht toleriert werden.

Iran wird vorgeworfen unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Neuste Berichte der IAEA belegen, dass dies bis Anfang der 2000er auch tatsächlich der Fall war und man mittlerweile nicht mit Sicherheit sagen kann, dass der Iran die Bemühungen gestoppt hat. Obwohl der Iran nun neutrale Beobachter in die Anlagen lassen will, wird ihnen der Zutritt zu gewissen Anlagen oder Bereichen in den Anlagen weiterhin untersagt - verdächtig.

Ebenso verdächtig erscheint, dass der Iran quantitativ bereits heute viel zu viel Uran anreichern kann, als dass für eine zivile Nutzung nötig wäre. Die Qualität der Anreicherung übersteigt ebenfalls die Notwendigkeit einer zivilen Nutzung bei Weitem: Für AKWs wird 3-5%ig angereichertes Uran vorausgesetzt, der Iran ist heute bereits fähig, 20%ig angereichertes Uran zu produzieren.

http://www.20min.ch/news/ausland/story/27210720

Der US Verteidigungsminister geht davon aus, dass der Iran innerhalb eines Jahres dazu in der Lage sein wird, Uran anzureichern, welches für Atomwaffen verwendet werden kann. Das Trägersystem, diverse Kurz, -Mittel -und Langstreckenraketen (welche auch Europa erreichen könnten) ist bereits vorhanden, womöglich würde eine Anpassung der Systeme weitere 1-2 Jahre in Anspruch nehmen. Weiter geht er davon aus, dass sollte sich die Lage weiter verschärfen, ein alleiniger Angriff Israels (welches sich vom Iran bedroht fühlt) im April, Mai oder Juni als sehr wahrscheinlich gilt.

http://www.20min.ch/news/ausland/story/24364454

http://www.20min.ch/news/ausland/story/23575678

Unter solchen Umständen ist es logisch, dass besonders die USA und Israel detaillierte Nachforschungen in eigener Sache anstellen, kurz, sie spionieren äusserst aktiv. Eben erst im Dezember bestätigte sowohl der Iran, als auch die USA den Abschuss einer US-Stealth-Drohne über dem Iran, woraufhin sich der Ton beider Länder massiv verschärfte. In letzter Zeit gab es zudem mehrere mysteriöse Mordanschläge auf iranische Nuklearwissenschaftler, im Gegenzug wird auch der Iran verdächtigt, Anschläge im Ausland verübt zu haben.

http://www.20min.ch/news/ausland/story/26251934

Zur Zeit wird der internationale Druck auf den Iran immer wie grösser, die EU stoppt ab dem kommenden Juni sämtliche Ölexporte aus dem Iran und trägt zusammen mit anderen Staaten weitere wirtschaftliche Sanktionen gegen den Iran.

Zu all dem Übel kommen auch noch andere Faktoren hinzu: Der Iran ist ein starker Verbündeter Syriens und unterstützt Syrien (genau wie Russland) mit Waffen und Geld, damit das Land die Wirtschaftssanktionen umgehen kann.

http://www.20min.ch/news/dossier/tunesien/story/10049705

Achmadhinedschad ist deshalb, das kann man wohl sagen, sehr eng mit Assad verbündet. Es ist kein Geheimnis, dass auch im Iran die Bevölkerung unterdrückt wird und die Fundamentalisten eine sehr hohe Macht haben, denn der geistliche Führer hat auf Lebzeiten faktisch die alleinige Macht über das Land (er ernennt die Richter und ist der Oberkommandeur der Streitkräfte). Auch nur die Vorstellung, dass solche Irren in den Besitz von Atomwaffen gelangen könnten lässt es mir kalt den Rücken herunter laufen.

Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen: Nicht nur Israel (welches den Besitz von Atomwaffen nie dementiert oder bestätigt hat) fühlt sich bedroht, sondern auch der Iran. Die ganze Welt, mit ein paar wenigen Ausnahmen, stellt sich gegen den Iran, welcher jederzeit von der Übermacht USA angegriffen werden könnte - die Atomwaffe würde dem Iran mit seinen veralteten Streitkräften endlich die nötige Macht geben, um auch einmal ein Wörtchen im Weltgeschehen mitreden zu können. Die Bedrohung und die Angst in diesem Konflikt beruht wohl, wenn man es neutral betrachtet, auf Gegenseitigkeit.

Grundsätzlich sollte eigentlich jedes Land das Recht dazu haben, Atomwaffen zu besitzen, auch wenn das aus Sicht der (nuklearen) Abrüstung ein kompletter Unsinn ist. Heute gibt es viel weniger Atomwaffen als noch in den 60er, 70er und 80er, dafür ist die Technologie aber mehr verschiedenen Mächten zugänglich: Neben den USA, Russland und China besitzen heute zum Beispiel auch Pakistan, Frankreich, England, Indien, höchstwahrscheinlich Nordkorea und bald womöglich auch der Iran diese Technologie. Eine solche Waffe in immer wie mehr verschiedenen Ländern mit verschiedenen Interessen, Weltanschauungen und Religionen produziert unvermeidlich ein grösseres Gefahrenpotential.

Ist unter diesem Umständen der Iran dazu "berechtigt" die Entwicklung von Atomwaffen voranzutreiben? Ist der Bau von so vielen Atomanlagen gerechtfertigt und ehrlich? Was ist mit den Gefahren für die Bevölkerung? Muss die USA hier wieder einmal den Weltpolizisten spielen? besteht die Gefahr, dass ein Militärschlag gegen den Iran in einem Fiasko wie im Irak endet (auch dort wurden Massenvernichtungswaffen vermutet, es wurden aber bis heute nie welche gefunden).

Diese Fragen werden für Israel überhaupt keine Rolle spielen. Israel wird dem Iran nie und nimmer erlauben Atomwaffen zu bauen und wird daher vorher militärisch mit einem massiven Präventivschlag einschreiten.

Da der Iran ebenfalls an seinem Atomprogramm festhält, wird es früher oder später knallen und zwar gewaltig. Denn der Iran ist, trotz den Rückständen in der Technologie, nicht mit Bananenstaaten wie dem Irak, Libyen oder Afghanistan zu vergleichen. Der Iran besitzt Langstreckenraketen, U-Boote und ein schlagkräftiges Heer, aber für die Grösse und Bedrohungslage des Landes auch eine rückständige Marine und Luftwaffe. Womöglich wurden bereits Versuche eingeleitet, nukleares Material auf Trägersystemen zu befestigen.

Fazit: Früher oder später wird es in der Region gewaltig "chlepfä". Ob auch andere Staaten wie die USA, Syrien oder sogar andere Arabische Staaten oder Nato Staaten in den Konflikt hereingezogen werden lässt sich heute noch nicht sagen. Die Möglichkeit besteht.

Was denken Sie? Was wird uns im Jahr 2012 in diesem Konflikt erwarten?

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