Handeln statt Schimpfen: Geregelter Strichplatz statt unzumutbares Sihlquai!

Wir alle kennen die unhaltbaren Zustände am Sihlquai. In diesem Punkt herrscht Einigkeit, solche Umstände wollen und können wir nicht länger tolerieren.

Strassenprostitution existiert nun mal und verbieten kann man sie nicht. Es ist allerdings die Aufgabe der Stadt für geordnete Verhältnisse zu sorgen, wenn eine Situation aus dem Ruder läuft, genau wie sie in letzter Zeit am Sihlquai aus dem Ruder gelaufen ist. Hier ist aber eine Strategie nötig. Es gibt keine einfache Lösung auf diese schwierige Frage. Die Lösung ist ein Puzzle zu dem einige Puzzleteile gehören.

Das konkrete Projekt
Der geplante Strichplatz in Zürich-Altstetten ist ein Teil dieses Puzzles. Der Strichplatz wird ein abgelegenes (und durch Sichtschutz abgeschirmtes) Gelände sein, auf welchem bis zu 80 Prostituierte arbeiten können. Der Freier fährt mit seinem Auto auf das Gelände, wählt eine Prostituierte aus und fährt mit ihnen in die "Verrichtungsboxen", die ebenfalls auf dem Gelände stehen. Nach dem Geschäft fährt der Freier ohne die Prostituierte wieder vom Gelände weg. Auf dem Strichplatz wird es auch sanitäre Anlagen geben, die für hygienischere Bedingungen sorgen und eine Frauenberatungstelle wird vor Ort sein, um die Prostituierten zu betreuen. Sicherheitspersonal ist auch vorgesehen und die Polizei sorgt dafür, dass die Prostituiton sich nicht ins Quartier verlagert.

Der Sihlquai wird anschliessend aufgehoben und Strassenprostitution ist nur noch in der Brunau (für Autofahrer), im Niederdorf (Fussgänger) und auf dem Strichplatz (für Autofahrer) erlaubt.

Die Kosten
Dies kostet natürlich. Aber die Kosten von 1,9 Mio. Franken für diesen Platz (plus 500'000.- Bodensanierung, die ohnehin nötig sind) sind wenig Geld im Vergleich zu den Kosten, die Zustände wie jene am Sihlquai mit sich bringen (sowohl aus gesundheits-, sicherheits- und imagepolitischer Hinsicht). Die jährlich wiederkehrenden Kosten werden sich ungefähr auf 500'000 Franken belaufen, darin ist der Personalaufwand für das Sicherheitspersonal und die Frauenorgansationen, aber auch Reinigung und Abschreibung vorgesehen. Auch da, verglichen mit den Zuständen und Begleiterscheinungen eines Sihlquais moderate Kosten.

Bewährtes Konzept
Wir alle kennen die unhaltbaren Zustände der offenen Drogenszene, die vor 25 Jahren am Platzspitz in Zürich geherrscht haben, besser bekannt unter dem Namen Drogenhölle Europas. Die Stadt hat auch damals pragmatisch mit einer Mischung aus Repression und Prävention gehandelt - erfolgreich, wie wir heute wissen. Ein Teil der erfolgreichen Strategie zur Auflösung der offenen Drogenszene war, dass Einrichtungen als Alternativen für Drogenabhängige geschaffen wurden. Genau dieses erfolgreiche Konzept will man auch in diesem Fall anwenden. Gewinnen können alle: Die Prostituierten haben die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen ihrem Geschäft nachzugehen. Sie laufen nicht mehr Gefahr an einen unbekannten Ort gebracht und misshandelt zu werden. Sie werden auch von Frauenorganisationen beraten und betreut, was (nicht nur, aber besonders) für Opfer von Menschenhandel sehr wichtig ist (in der Schweiz existieren bis zu 3'000 Opfer von Menschenhandel). Da Fussgänger auf dem Areal nicht zugelassen sind, haben allfällige Zuhälter keine Möglichkeiten mehr, die Frauen bei ihrer Arbeit zu beobachten und zu kontrollieren. Sie können somit auch nicht verhindern, dass Prostituierte die Frauenberatungsstelle aufsuchen. Durch die verstärkte Polizeipräsenz um das Quartier, haben die Anwohnerinnen und Anwohner auch nichts zu befürchten. Es gewinnen also alle - ausser die Zuhälter!

Experiment wagen!
Wir haben keine Garantie dafür, dass es funktioniert. Die Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass der Strichplatz gut funktioniert, wenn er denn auch richtig betreut ist (was im liebsten Negativ-Beispiel-Dortmund der SVP eben nicht der Fall war). Das Projekt muss daher auch laufend überprüft werden, so habe ich im Gemeinderat einen Vorstoss eingereicht, der eine Arbeitsgruppe (bestehend u.a. aus Vetretung der Frauenorganisationen, lokalem Gewerbe und der Anwohnerschaft) fordert, die das Projekt laufend evaluiert. Der Vorstoss wurde übrigens von der SVP bekämpft, was beweist, dass sie nicht einmal am Einbezug der Quartierbevölkerung und dem lokalen Gewerbe interessiert ist! Den Versuch sollten wir aber wagen. Es ist nämlich ein gut durchdachtes, pragmatisches und vielversprechendes Projekt, das den Schutz der Prostituierten verbessert, die Sicherheit der Stadt Zürich erhöht und sowohl unser Stadtbild als auch die geplagte Quartierbevölkerung rund ums Sihlquai entlastet!

Das Thema ist zu ernst, die Lage zu düster und die Umstände zu unhaltbar, um sie einer moralisierenden Polemik zu überlassen! Pragmatische Konzepte sind hier gefragt. Der Strichplatz ist ein Teil eines solches Konzepts, bei dem alle Beteiligten gewinnen können! Wagen wir es, stimmen wir am 11. März 2012 Ja zum Strichplatz in Altstetten!

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