Schweiz ist auch Opfer ausländischer Steuerparadiese

Teile der Schweizer Politik und der Öffentlichkeit fühlen sich als Opfer, wenn andere Länder oder die OECD von der Schweiz verlangen, sich bei den Steuern fair zu verhalten. Nachdem die Schweiz vor der Finanzkrise vor allem wegen ihren Steuerprivilegien für Unternehmen kritisiert wurde, fokussiert sich die Kritik seither wieder auf den “Klassiker” – die Steuerhinterziehung ausländischer Kunden über Schweizer Banken.

Was dabei aus Schweizer Sicht kaum beachtet wird: Auch die Schweiz ist ein Opfer von ausländischen Steuerparadiese. In welchem Ausmass und in welcher Form das der Fall ist, wurde bisher aber noch kaum analysiert. Als Hinweis hier das Beispiel IKEA:

Die einzelnen IKEA-Filialen müssen 3 Prozent ihres Umsatzes als “Lizenzgebühr” an die Interikea Holding in Luxemburg abführen (NZZ-Artikel). Von dort geht das Geld weiter an eine Stiftung in Liechtenstein. Diese Lizenzgebühr ist ein Betriebsaufwand und somit in der Schweiz nicht steuerpflichtig. Gemäss dem deutschen Ökonomen Jarass sind die IKEA-Filialen zu einem grossen Teil über andere IKEA-Unternehmensteile fremdfinanziert, so dass nach Abzug der Lizenzgebühren und der Fremdkapitalzinsen noch ein Umsatzprozent steuerbarer Gewinn bleiben würde ( Dokument Jarass, S. 44). In der Schweiz macht IKEA einen jährlichen Umsatz von rund 1 Mrd. Fr. (Link). Bei einer Umsatzrendite von rund 10 Prozent ergäbe das einen Gewinn von ca. 100 Mio. Fr. Durch die Transfers ins Ausland dürften die Filialen aber nur ein Bruchteil davon in der Schweiz versteuern. Obwohl die Schweiz für die Filialen öffentliche Infrastruktur (Strassen u.a.) zur Verfügung stellt.

Dass die Schweiz Opfer ausländischer Steuerparadiese ist, lässt sich auch anhand der Schweizer Statistik über die Direktinvestitionen vermuten. So halten Schweizer Investoren rund 50 Mrd. Fr. an Investitionen in der Schweiz über ausländische Mittelsfirmen.

Wenn die Schweiz sich entschliessen würde, an den internationalen Aktivitäten für eine faire Besteuerung zu partizipieren, könnten solche Verschiebungen von Gewinnen zulasten der Schweiz eingedämmt werden. Das sollte sich das Land ernsthaft überlegen.

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