Was kostet eine Weissgeldstrategie im Finanzsektor?

Der Notverkauf der Bank Wegelin an die Raiffeisen hat deutlich aufgezeigt, wie ernsthaft der Druck auf Schweizer Banken mit nicht deklarierten ausländischen Vermögen ist. Das war bereits 2008 klar, als verschiedene Banken wie die ZKB u.a. von der UBS US-Kunden übernahmen (die ZKB trennte sich im Sommer 2009 von solchen Kunden wieder). Offenbar waren die Ertragsaussichten zu verlockend. Gemäss einer Studie von Booz & Company liegen die Bruttomargen bei der Verwaltung von nicht-deklarierten ausländischen Vermögen bei rund 1.3 Prozent. Das ist deutlich mehr als die Margen in der Vermögensverwaltung bei inländischen Kunden (geschätzt 0.8 bis 1 Prozent) (s. z.B. auch den Halbjahresbericht von Sarasin).

Die Schweizer Banken verwalten nach wie vor viele undeklarierte Vermögen. Insgesamt verwalten die Banken rund 2 Bio. Fr. ausländische Offshore-Vermögen. Gemäss Schätzungen dürften rund 60 bis 75 Prozent davon nicht deklariert sein. Total liegen auf Schweizer Banken 5.6 Bio. Fr. Vermögen. Gemäss Bankiervereinigung trägt das Private Banking insgesamt rund die Hälfte zur gesamten Bankenwertschöpfung in der Schweiz bei. Die Verwaltung der nicht-deklarierten Vermögen dürfte somit rund 20 Prozent der gesamten Bankenwertschöpfung oder etwas weniger als 1.5 Prozent des gesamten Schweizer BIPs ausmachen (ohne Sekundäreffekte). Regional relativ konzentriert auf drei Regionen (Zürich, Genf, Tessin).

Offen ist, wie sich der zunehmende Druck auf den Schweizer Finanzplatz aus dem Ausland auf das Schweizer Private Banking auswirkt. Schätzungen gibt es relativ wenige. Booz & Company hat eine Umfrage bei Schweizer Banken durchgeführt. Diese rechnen damit, dass die Abgeltungssteuer mit Deutschland und England zu einem Vermögensabfluss von 47 Mrd. Fr. (ca. 28% der nicht-deklarierten Vermögen dieser Länder) sowie zu einem Margendruck führen wird. Das hätte Mindereinnahmen von rund 1 Mrd. Fr. zur Folge. Umgerechnet auf die gesamten nicht-deklarierten Vermögen ergäbe das einen Ausfall von rund 1/6 der Erträge im Private Banking. Das würde 0.2 bis 0.3 BIP-Prozenten entsprechen (ohne Sekundäreffekte). Eine solche „Weissgeldstrategie“ wäre gesamtwirtschaftlich tragbar. Damit verbunden wären gemäss der Umfrage von Booz & Company auch neue Geschäftsmöglichkeiten der Banken, so dass die Ausfälle noch etwas weniger gross sein könnten.

Gewerkschaftlich sensibel ist aber, dass viele Tausend Arbeitsplätze direkt und indirekt vom Private Banking abhängen. Ein Rückgang von 0.2 bis 0.3 BIP-Prozenten würde grob geschätzt 5000 bis maximal 10’000 Stellen kosten. Darunter zahlreiche Beschäftigte aus dem Backoffice. Bei der Weissgeldstrategie muss das Schicksal dieser Personen berücksichtigt werden. Für diese braucht es Lösungen.

Mittlerweile werden die Stimmen in Deutschland lauter, für welche die ausgehandelte Abgeltungssteuer nicht ausreicht. Die Schweiz muss möglicherweise weitergehende Zugeständnisse machen. Damit könnten die Ausfälle in der Schweizer Vermögensverwaltung beim Übergang zu einer „Weissgeldstrategie“ etwas grösser werden.

Diese Ausfälle sind “kurzfristig”. Längerfristig dürfte sich der Übergang lohnen. Das u.a., weil der ausländische Druck auf die Schweiz wegfallen dürfte und die Schweiz an den internationalen Bemühungen für eine korrekte Besteuerung mitwirken kann.

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