Der "sifa" liegt ein po­li­zei­li­ches Ein­ver­nah­me-Pro­to​­koll vor.

Es stammt nicht aus einem Ort in der Schweiz. Es stammt aus Frank­reich. Trotz­dem sollte es die Öffentlichkeit zur Kennt­nis nehmen.
Mantes-la-Jolie ist ein in der Nähe von Paris gelegenes Arrondissement. Dort fand am 7. November letzten Jahres eine Routine-Einvernahme auf der Polizeistation des Hauptorts Mantes-la-Ville statt.

Das Protokoll wurde verfasst von Polizei-Brigadier Hertout, verantwortlich für die Polizeidienste im Arrondissement Mantes-la-Jolie.
Ein​leitend nennt der Polizei-Brigadier seine Funktion. Er erwähnt die gesetzliche Grundlage seines Handelns. Er begründet seine gesetzliche Berechtigung zur Einvernahme und hält fest, dass sowohl er selbst als auch sein Assistent in der vorgeschriebenen Kleidung, also uniformiert und mit den Insignien ihrer Funktionen versehen, die Einvernahme durchführen würden.
Anschliessen​d wird im Protokoll der Name der zur Einvernahme aufgebotenen Frau erwähnt. Diese sei, ist dem Protokoll zu entnehmen, vollständig in Schwarz gekleidet. Ihr Gesicht sei gänzlich verhüllt. Sogar ihre Hände seien durch schwarze Handschuhe abgedeckt.

D​ie Frau, so wird ihr eröffnet, wurde vorgeladen, weil ihre minderjährige Tochter in flagranti bei einem Diebstahl aus der Auslage eines Ladens erwischt und polizeilich festgehalten worden sei. Die Mutter wurde aufgeboten, ihre Tochter bei der Polizei abzuholen.
Der Polizeioffizier weist die Frau an, sich nach geltendem Gesetz auszuweisen. Die Frau legt eine Identitätskarte vor, aus welcher ihr Name, ihr Geburtsort und ihr jetziger Wohnort hervorgeht. Darauf wird die gänzlich verhüllte Frau in einen Nebenraum geführt. Dort wird sie über die gesetzlichen Vorschriften bezüglich Totalverhüllung orientiert. Insbesondere wird sie darauf aufmerksam gemacht, dass Totalverhüllung in der Öffentlichkeit in Frankreich per Gesetz untersagt sei.

Die Verhüllte gibt zur Antwort, dass für sie einzig und allein das vom Koran vorgegebene Recht verbindlich sei. Und im Blick auf dieses für sie einzig gültige Recht sei ihr Auftreten in jeder Beziehung rechtens.
Der Polizeioffizier fordert darauf die Verhüllte auf, wenigstens ihr Gesicht zu erkennen zu geben, damit ihre Identifizierung im Vergleich mit Angaben und Foto auf der Identitätskarte möglich werde.
Es folgt ein längeres Hin-und-Her. Schliesslich zeigt sich die Frau bereit, zunächst einen schmalen Streifen ihrer Stirn, anschliessend, als der Brigadier dies nicht als genügend erachtet, auch noch ihre Kinnspitze zu «enthüllen». Das Protokoll hält dazu fest, dass eine Identifizierung damit nicht möglich sei. Und dass die Verhüllte darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ihre Weigerung, ihr Gesicht zu zeigen, nach französischem Recht eine Übertretung sei, für welche sie mit einer Sanktion zu rechnen habe. Sowohl die Tatsache ihrer Totalverhüllung im öffentlichen Raum als auch ihre Weigerung, sich einwandfrei identifizieren zu lassen, werden im Protokoll vermerkt.

I​m Anschluss an diese Mitteilung rastet die Verhüllte aus: Sie beschimpft Frankreich als verlorenes, verworfenes Land. Sobald die Muslime in der Mehrheit seien, würden sämtliche Französinnen aufgrund ihrer Kleidung zu Prostituierten (der von der Verhüllten verwendete Ausdruck ist noch um einiges derber) erklärt. Niemand, auch kein französischer Richter könne ihr befehlen, sich anders zu kleiden, als es ihr der Koran vorschreibe.
Unmitte​lbar nach dieser Erklärung wechselt die Verhüllte gemäss Protokoll in die arabische Sprache. Sie weigert sich fortan, Französisch zu sprechen, Französisch auch nur zu verstehen.

Der Polizeioffizier setzt die Verhüllte darauf formell in Kenntnis, dass ihre Tochter einen Ladendiebstahl aus der Auslage eines Kosmetik-Geschäfts begangen habe. Der Deliktbetrag belaufe sich auf rund hundert Euro. Da die Tochter minderjährig ist, habe die Mutter den entsprechenden Polizeirapport gegenzuzeichnen.
Die​ Verhüllte weigert sich kategorisch, ihre Unterschrift unter den ihr vorgelegten Rapport zu setzen. Gemäss Protokoll inszeniert sie vielmehr einen hysterischen Ausbruch. Sie schreit im ganzen Kommissariat herum, beschimpft sämtliche dort Arbeitenden und kündigt diesen laut schreiend an, die Franzosen hätten ohnehin bald und dies für lange Zeit ausgedient; in Kürze würden die Muslime die Macht in Frankreich übernehmen.

Die Frau ist laut Protokoll nicht zu beruhigen. Unter lautem Zetern, unter fortdauernden Beschimpfungen aller, die ihr zu Gesicht kommen, verlässt sie schliesslich Einvernahmeraum und Polizeigebäude, beschimpft dabei auch noch das Empfangspersonal und droht allen an, dass das Recht des Korans sich in Frankreich bald durchsetzen und dann schon dafür sorgen werde, dass sie allesamt aus ihren Positionen verjagt würden.
Ihre beim Ladendiebstahl erwischte Tochter, die auf das Ende der Einvernahme zu warten hatte, nimmt die Verhüllte mit und verlässt mit ihr das Gebäude.
Der Polizeioffizier hält abschliessend fest, dass er aufgrund des protokollierten Ablaufs der «Einvernahme» das Protokoll dazu lediglich allein unterzeichnen könne. Die Vorgeladene habe sich der Unterzeichnung kategorisch entzogen.
Soweit das Protokoll der gescheiterten Einvernahme in Mantes-la-Ville. In der Schweiz ereignete sich fast gleichzeitig etwas anderes:

«Muslime, werdet Beamte!»

Zu Bern hat der Bundesrat etwa gleichzeitig einen Aufruf vorbereitet, der inzwischen veröffentlicht worden ist: «Muslime, werdet Beamte!», so fasst die Zeitung «Sonntag» vom 15. Januar 2012 den bundesrätlichen Aufruf zusammen. Er richtet sich an in der Schweiz bekannte Islam-Organisationen.​ Diese sollten, ruft der Bundesrat auf, ihre Mitglieder ermutigen, sich um Stellen in der Bundesverwaltung zu bewerben. Denn der Bund wolle die «religiöse Vielfalt» auch in der Bundesverwaltung durchsetzen.

Der Aufruf geht zurück auf den Schock, den unsere Landesregierung am Tag der Volksabstimmung über die Minarettverbots-Initi​ative offenbar ereilt hat. Nach der deutlichen Annahme dieser Initiative durch Volk und Stände hat die damalige Chefin des EJPD, Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, einen formellen «Dialog» mit hiesigen Muslim-Organisationen​ aufgenommen. Der Aufruf an Muslime, sich für Stellen in der Bundesverwaltung zu bewerben, ist eine direkte «Frucht» dieses Dialogs. Als weitere, dem Volks-Ja zum Minarettverbot widersprechende «Frucht» hat die Bundesverwaltung auf Steuerzahlers und Stimmbürgers Kosten Kurse organisiert, in denen allen Verwaltungsangestellt​en des Bundes «die Vorteile von interkulturellen Teams angepriesen werden» («Sonntag», 15.01.201​2). Damit würden die Chancen für noch bessere Arbeitsleistungen in der Bundesverwaltung genutzt. So behauptet es jedenfalls im Namen des Bundes Anand Jagtap, Informationsverantwor​tlicher (also offenbar ein Mann) im Eidg. Personalamt. Von ähnlichen Aufrufen zugunsten anderer religiöser Überzeugungen ist zu Bern nichts bekannt.

Das Angebot des Bundes weckt bei den hiesigen Muslim-Organisationen​ verständlicherweise grosse Begeisterung. Doch sofort wird von den Muslims auch die Forderung nachgereicht, muslimischen Frauen in der Bundesverwaltung sei selbstverständlich das Tragen des Kopftuchs zu gestatten. Nur damit würde der ganzen Schweiz die Vorbild-Funktion der Bundesverwaltung angemessen demonstriert…
So unterweisen uns Exponenten hiesiger Muslim-Organisationen​.
Zum Scharia-Recht, zur Möglichkeit also, dass muslimische Beamte unversehens das vom Koran gegebene Scharia-Recht als für sie allein verbindlich erkennen und erklären könnten – dazu vernimmt man im Muslim-Aufruf des Bundesrats kein Wort.
Der Horizont von dessen Verfassern reicht offensichtlich nicht bis nach Frankreich.

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