Wer den Tod verdrängt ist nicht zukunftsfähig oder warum die Politik Religion und Spiritualität braucht.

Der Tod ist der grosser Begrenzer. Er macht das Leben endlich. Der Tod gibt dem Leben eine Dimension. Erst das Wissen um den Tod macht die Zeit erlebbar. Wenn das Leben ewig ginge, wäre es, egal wie viel Zeit verflossen ist, denn es würde noch unendlich viel Zeit kommen.
Wir leben in einer Gesellschaft, die den Tod negiert. Der Tod ist unsichtbar geworden – er wurde aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt.
Unser gesellschaftliches Zusammenleben kennt keine öffentliche Trauer. Die Toten werden nicht aufgebahrt. Der Gedanke in einer kollektiven Tauer der Toten zu gedenken, ist den SchweizerInnen fremd.
Gestorben wird anonym im Spital oder weit weg vom Alltag in einem Hospiz. Die Verdrängung des Todes geht soweit, dass heute die Leicheautos nicht mehr schwarz, sondern weiss oder silberen sind. Niemand soll an die Endlichkeit seines Leben erinnert werden.
Der herrschende Zeitgeist kennt weder Tod noch Krankheit sind dem Zeitgeist unangenehm. Wer alt oder andersartig ist, wird in einem Heim entsorgt.
Was nicht passt, wird passend gemacht – was der Zwang zur Konformität nicht vermag, vermögen bunte Pillen.
Die Negierung von Tod und Krankheit geht soweit, dass Invaliden ihre Invalidität abgesprochen wird. Mit dem dass es ausser Konsumismus und Konformität etwas anders gibt, will sich unsere Gesellschaft nicht auseinandersetzen.
Unsere Gesellschaft lebt in einem kollektiven Konsumrausch. Die Läden müssen jeden Tag von frühen Morgen bis tief in die Nacht offen sein. Es soll kein Raum zum Nachdenken entstehen. Die Stille ist der Feind des modernen Menschen. Den in der Stille könnte sich der Mensch seiner Endlichkeit bewusst werden und sein Handeln hinterfragen.
Die PolitikerInnen können die Zukunft nicht gestalten, weil Sie weder ein Bewusstsein für Vergangenheit noch die Endlichkeit des Lebens haben. Den einzigen Zeitbegriff, den die PolitikerInnen haben, ist die unmittelbare Gegenwart. Was PolitikerInnen gestern versprochen haben, haben sie heute schon wieder vergessen. Im Wahn ihrer Unsterblichkeit beschliessen sie Projekte für die Ewigkeit.
Denn wer kein Gestern hat, hat auch kein Morgen - Wer keine Vergangenheit hat, hat keine Zukunft.
Damit unsere Gesellschaft wieder eine Zukunft bekommt, muss sie den Tod in ihre Mitte zurückholen.
Auf Erden sind wir nur Gäste. Wir sind zu Gast bei Mutter Natur, der Vergangenheit und der Zukunft.
Damit künftige Generationen auch eine Zukunft haben, sollten wir uns (allen voran die EntscheidungsträgerInnen) wieder auf unsere Pflichten als Gäste zurückbesinnen.

Und solang du das nicht hast
Dieses Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

      Johann Wolfgang von Goethe
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