Mintgin siu curtin? Weshalb nicht jeder Romane ein Gärtchen braucht.

Rätoromanisch ist keine Sprache. Zumindest keine einheitliche. Im aktuellen Sprachenstreit um das Rumantsch Grischun wird vielfach die Tatsache ausgeblendet, dass Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Vallader und Puter nicht einfach nur romanische Dialekte, sondern eigenständige Idiome mit Grammatik, Orthografie, Regeln und Ausnahmen sind. Eigenständige Idiome, die heute nur noch von 0,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung gesprochen werden. Ob unsere dritte Kantonssprache stirbt? Vielleicht. Rumantsch Grischun mag ein sprachlicher Kompromiss sein. Aber es ist auch eine gemeinsame Perspektive.

Wer nicht will, der kann auch nicht

Darf man sich in einer deutschsprachigen Zeitung überhaupt aus dem sprachlichen Fenster lehnen und die Rumantschs zu Einigkeit auffordern? Ja, man darf! Rumantsch Grischun ist nicht nur irgendeine Sprache, sondern die Sprache unseres Kantons. Es war auch unser Kantonsparlament und unsere Regierung, die 2003 entschied, Rumantsch Grischun in der Schule als Schriftsprache einführen. Anstelle Lehrmittel in Deutsch, Italienisch und den fünf Idiomen herauszugeben, sollte es ab 2005 nur noch so viele verschiedensprachige Schulbücher wie Kantonssprachen geben. Ein sinnvoller Schritt.

Neben der grossen Akzeptanz für die gemeinsame Schriftsprache, kam es in der Vergangenheit auch immer wieder zu Widerstand gegen Rumantsch Grischun. Ich persönliche sehe in Rumantsch Grischun kein Problem. Ganz im Gegenteil: Obwohl die Deutschschweiz unter einem starken zunehmenden Einfluss des Hochdeutschen steht (siehe Zürich), wird dieses im Alltag praktisch nicht gesprochen. Die «Zürischnurre» stirbt gerade deshalb nicht aus, weil die deutsche Hochsprache sie nicht verdrängt, sondern ergänzt. Der Verein Pro Idioms sieht das anders. Dort ist man der Meinung, dass 35 000 Rätoromanen so schreiben sollten, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Mit dem Argument, dass die Gemeinden die Schulsprache selbst bestimmen können, unterrichten vereinzelte Gemeinden bereits wieder in ihren Idiomen. Je nachdem, wie sich ein Dorf entscheidet, lehrt die Rumantschia neben den bisherigen fünf Idiomen mit dem Rumantsch Grischun auch noch eine sechste Grammatik. Was daran gut sein soll, dass die Regionen darauf beharren, alleine zu stehen, anstatt den Problemen gemeinsam zu begegnen, muss man mir zuerst einmal erklären.

Rumantsch Grischun als kultureller und sprachlicher Nenner

Obschon die Vorschläge und Ziele von Pro Idioms gut gemeint sind, schadet das Gärtchendenken der romanischen Sprachkultur mehr, als es ihr nützt. Anstatt die ursprüngliche Strategie des Grossen Rates, der Regierung und der Lia Rumantscha zu verfolgen, wird über die Gemeinden die Idee des Rumantsch Grischun aufgeweicht. Ich halte es da mit dem deutschen Reformator Luther. Als man diesen nach Chur fragte, meinte dieser, dass die dortigen Romanen mit ihrem Churwelsch schlicht und einfach nicht zu verstehen wären. Wir kennen das Wort heute als Kauderwelsch, was so viel wie «unverständliche Sprache» bedeutet.

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