Mit fixen Preisen wird KEIN BUCH MEHR produziert!

Heute druckte die BAZ (und vor ein paar Tagen die Basellandschaftliche Zeitung) einen Leserbreif von Heidi Härri unter dem Titel: «Interessensponsoring oder Vielfalt?» ab. Frau Härri hat ganz vergessen zu schreiben, dass sie bis im Jahr 2005 in der Pensionskasse des Schweizerischen Buchhändler und Verleger Verband (SBVV) gearbeitet hat. In Ihrem Beitrag hat sie wie eigentlich alle Beiträge aus der Gesetzes-Befürworterecke Äpfel und Birnen gemischt.
Weil der SBVV selber gemerkt hat, dass England nicht mehr als schlechtes Beispiel herhalten kann zitiert man jetzt eben die USA sogar die Amerikanische Freiheit muss herhalten.

Erster Fehler:
Es wird ein (zwar wie selber behauptet fiktives) wissenschaftliches Thema herausgegriffen, nämlich ein Buch über Epilepsie. Wegen der fehlenden Preisbindung gäbe es keine Bücher zu diesem Thema, eben nur solche, die von Firmen mit Eigeninteresse gesponsert werden. Wo kommt diese Information her?? Ich habe bei Amazon.com „Epliepsy“ eingegeben und erhalte ein Resultat mit 3'689 Titeln (bei Amazon.de sind es immerhin noch 866 Ergebnisse). Die Bandbreite geht von Kinderbüchern bis zu wissenschaftlichen. Gesponsert sind kaum alle diese Titel. Vielleicht hat Frau Härri oder wer immer beim SBVV solche Briefe anregt an die Situation im hoch-wissenschaftlichen Verlagswesen gedacht. Da muss man folgendes sagen: Seit weit über 10 Jahren wird kaum mehr ein hoch-wissenschaftliches Buch mehr produziert das nicht vorfinanziert ist, sei dies vom Autor oder seiner Firma. Bei den kleinen Auflagen, die diese Verlage produzieren geht das schon lange nicht mehr anders und diese Spezialtitel kommen nie in eine Buchhandlung.

Zweiter Fehler:
Die Befürworter lesen anscheinend meine Beiträge nicht. Schon wieder wird behauptet, dass die Verlage ohne Preisbindung keine Quersubventionierungen machen. Ich stelle immer wieder die gleiche Frage zurück (Ich speichere die Frage jetzt, damit ich sie nicht immer neu schreiben muss)! Wie soll das gehen???? Eine Buchhandlung hat einen fixierten Preis und deswegen kann der Verlag Bücher produzieren, die sich nicht finanziell keinen Gewinn abwerfen. Sooo schwierig ist es jetzt auch wieder nicht etwas wirtschaftslogisch zu denken. Vielleicht verschweigen die Befürworter uns ja etwas, planen die etwa bei jedem in den Buchhandlungen verkauften Buch Geld für die Autoren und Verlage abzuzweigen und so Quersubventionierungen zu ermöglichen?

Ich sage es hier noch einmal ganz klar.

  • Die Buchpreisbindung hilft den grossen Verlagen und Buchhändlern (darum sind die ja auch alle für das Gesetz)
  • Fixierte Preise sind der Untergang von kleinen Buchhandlungen
  • Die Buchbranche hat ganz andere Probleme als die Preise. Es geht um die Verkaufsausbildung in den Buchhandlungen und um die technische Entwicklung der Buchherstellung und der E-Books
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