Ja zur eidgenössischen Volksiniative "6 Wochen Ferien für alle"

Wir haben in den letzten Jahren eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt erlebt. Die Hektik am Arbeitsplatz hat massiv zugenommen. Ein hoher Wettbewerbsdruck lastet auf unseren Schultern und wir müssen rasante Technologieschübe in einer fortschreitenden Globalisierung innert kürzester Zeit verarbeiten. Steigender Termindruck, höheres Arbeitstempo, Wegfall von Verschnaufpausen und immer höhere Arbeitszeiten lassen uns kaum mehr Zeit zur Ruhe zu kommen. Verfügbarkeit rund um die Uhr und eine zum Teil uferlose Zunahme von Überstunden runden diese unsägliche Entwicklung ab.

Der Preis den wir für diese Entwicklung bezahlen ist hoch. Sogar sehr hoch. 80 Prozent der Arbeitnehmenden leiden unter Stress am Arbeitsplatz. Gesundheitsprobleme (Herz- und Kreislaufprobleme, Kopf- und Rückenschmerzen etc.) nehmen stark zu. 20 Prozent der Männer sind kurz vor der Pensionierung IV-Rentner. 40 Prozent der vorzeitigen Pensionierungen erfolgen aus gesundheitlichen Gründen. Diese hohe Arbeitsbelastung kostet uns 10 Mia. Franken pro Jahr (= 2 Prozent des BIP).

Obwohl wir mit durchschnittlich 44 Stunden „Europameister“ bei den Wochenarbeitsstunden sind, liegen wir mit den durch unser Gesetz garantierten 20 Ferientagen ganz am Schluss in der Europäischen Rangliste. Und das obwohl ein Drittel der Arbeitnehmenden regelmässig mehr als 45 Stunden pro Woche arbeitet.

Seit 1992 ist unsere Produktivität um mehr als 21.5% gestiegen. Die Löhne allerdings nur um 4.3%. Es wird Zeit das wir aufholen!

Der Stand des Ferienanspruch heute sie wie folgt aus: Viele Gesamtabeitsverträge sehen mehr als vier Wochen Ferien vor.
Durchschnittlich beträgt Ferienanspruch heute fünf Wochen.
Aber leider sind weniger als die Hälfte der Arbeitnehmenden einem GAV unterstellt. Die Ferienansprüche sind somit sehr ungleich verteilt. Menschen mit tiefen Einkommen haben oft weniger Ferien, doch das Parlament hat jede Verbesserung abgelehnt.

Eine Woche mehr Ferien kostet uns 2 Prozent der Lohnsumme, d.h. 6 Mia. Franken. Die Kosten von Stress und Krankheiten wegen chronischer Überbelastung betragen heute 10 Mia. Franken pro Jahr. Bei einer Annahme kommt eine Übergangsfrist von 5 Jahren bis 2018 zum Tragen. Somit werden die Kosten auf 0.4 Prozent pro Jahr verteilt. Ausserdem werden die Kosten welche durch die chronische Überbelastung verursacht werden, kurz bis mittelfristig sinken.

Ein Ja zu "6 Wochen Ferien für alle" bedeutet: weniger Stress und weniger Überbelastung am Arbeitsplatz, eine bessere Vereinbarkeit von Arbeitsleben und Familienleben bzw. Privatleben, eine längst überfällige und faire Beteiligung der Arbeitnehmenden an starkem Produktivitätswachstum.

Die Kosten von 5 Franken pro Tag und Mitarbeiter welche die 6. Ferienwoche kostet, sind wirtschaftlich tragbar. Schon bei der Einführung des BVG wurde von dem KMU's das grosse "Lädelisterben" vorausgesagt. Heute sind wir froh, das wir eine 3. Säule gesetzlich verankert haben. Darum empfehle ich aus tiefster Überzeugung ein "JA" zur Initiative. Denn sie ist familienfreundlich und zukunftsweisend. Sie ist modern und gesundheitsfördernd. Und zu guter letzt ist sie längerfristig wirtschaftsfördernd und ganz im Sinne unserer Schweizer Sozialethik-Tradition.

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